Markenrechtliche Abmahnung und Unterlassungserklärung
Markenrechtliche Abmahnung mit strafbewehrter Unterlassungserklärung erstellen: Mandant hat Markenverletzung entdeckt und will Abmahnung aussprechen oder hat Abmahnung erhalten und muss reagieren. Normen: § 14 MarkenG (Verletzungsansprüche), § 8 UWG (Unterlassung), § 14 Abs. 1 UWG n.F. 2021 (Kostenersatz). Prüfraster: Verletzungstatbestand, Hamburger Brauch Vertragsstrafe, Berechnung Abmahnkosten, Frist zur Abgabe. Output Abmahnung mit Unterlassungserklärung und Vertragsstrafe oder Gegenstellungnahme/modifizierte UE. Abgrenzung: Kein Eilantrag siehe messe-verletzung-und-gv-einsatz; kein DPMA-Widerspruch siehe dpma-widerspruch-und-löschung.
Markenrechtliche Abmahnung und Unterlassungserklärung
Die Abmahnung ist das erste Durchsetzungsinstrument im markenrechtlichen Werkzeugkasten. Für klôtzzkètté SA ist sie das Signal an Verletzer: Wir kennen die Verletzung, wir verfolgen sie, und wir geben Gelegenheit zur außergerichtlichen Bereinigung — bevor das Gericht entscheidet.
Eine rechtssichere Abmahnung spart Gerichtskosten und schafft vollstreckbare Unterlassungsansprüche. Eine fehlerhafte Abmahnung kostet den Mandanten Geld und das Verfahren.
Rechtsrahmen
- § 14 V MarkenG: Unterlassungsanspruch bei Markenverletzung
- § 14 VI MarkenG: Schadensersatz bei schuldhafter Verletzung (dreifache Berechnungsmethode: entgangener Gewinn, Verletzergewinn, Lizenzanalogie)
- § 19 MarkenG: Auskunftsanspruch als Vorstufe zum Schadensersatz
- § 97a UrhG (analog): Abmahnungserfordernis als Obliegenheit vor Klage (auch im Markenrecht üblicher Usus)
- § 13 UWG n.F. (seit 12.2021): Abmahnkosten-Regulation im UWG — beachte: im reinen Markenrecht gilt das UWG-Abmahnkostenrecht nicht unmittelbar, ist aber Maßstab
- Hamburger Brauch: Richterrechtliche Vertragsstrafe-Klausel bei unklarer Verletzungsart — Verletzer unterwirft sich einer Vertragsstrafe "nach billigem Ermessen der Gläubigerin, im Streitfall durch Gericht überprüfbar"
- Neue Hamburger Formel: Alternativ: Feste Vertragsstrafe ab EUR 5.000 je Verletzungshandlung (planungssicherer, aber weniger flexibel)
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
- § 8 IV UWG: Missbrauchsverbot bei UWG-Abmahnungen (beschränkt auf UWG-Ansprüche)
- § 12 UWG: Prozessuale Absicherung (Unterlassungsklage nach erfolgloser Abmahnung)
Prüfungsschritte
-
Vorprüfung:
- Ist die klôtzzkètté-Marke eingetragen und in Kraft? (DPMA/EUIPO-Auszug)
- Liegt eine schützbare Verletzungshandlung vor? (§ 14 II Nr. 1/2/3 MarkenG)
- Wer ist der Verletzer (natürl./jurist. Person)? Identifizierung Impressum/Handelsregister
- Zuständiges Gericht im Streitfall (Markenrechtliche Spezialspruchkörper: LG Berlin, LG Hamburg, LG München I, LG Frankfurt, LG Köln, LG Düsseldorf)
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Abmahnschreiben formulieren:
- Genaue Beschreibung der Verletzungshandlung (Datum, URL/Ort, Verletzungszeichen)
- Markenrechtliche Grundlage: § 14 II Nr. [1/2/3] MarkenG
- Forderungen: (a) Unterlassung + Unterlassungserklärung mit Vertragsstrafe, (b) Auskunft (§ 19 MarkenG), (c) Schadensersatz dem Grunde nach, (d) Kostenersatz
- Fristsetzung: in der Regel 7-14 Tage (bei offensichtlicher Verletzung kürzer möglich)
-
Unterlassungserklärung — Vertragsstrafe:
- Hamburger Brauch: "…bei jeder schuldhaften Zuwiderhandlung eine von der klôtzzkètté SA nach billigem Ermessen festzusetzende, im Streitfall durch das zuständige Gericht zu überprüfende Vertragsstrafe zu zahlen."
- Alternative: Feste Vertragsstrafe EUR 10.000 je Verletzungshandlung (für Serienverletzer empfehlenswert)
- Klausel: Kein Abstrich (kein "mindestens EUR 1") — Erstunterwerfung muss Wiederholungsgefahr beseitigen
-
Reaktionsmöglichkeiten des Verletzers:
- Unterlassungserklärung abgegeben: Wiederholungsgefahr entfallen → kein Eilantrag mehr nötig
- Modifizierte Unterlassungserklärung: Prüfen ob ausreichend (meist nicht)
- Keine Reaktion: Eilantrag §§ 935/940 ZPO
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Kostenrechnung:
- Anwaltsgebühren nach RVG, Gegenstandswert (GW) bei Markenabmahnung: EUR 50.000-250.000 (je nach Bedeutung und Verletzungsumfang)
- GW EUR 100.000: 1,3 Geschäftsgebühr = EUR 2.019,50 + USt = ca. EUR 2.403
- Kostenerstattungspflicht des Verletzers: § 14 VI MarkenG (Ersatz der erforderlichen Kosten)
Falltypische Konstellationen
Konstellation 1: Brezelmann Online-Shop "klotzkette-discount.de"
Brezelmann betreibt Website, die unter dem Keyword "klôtzzkètté" günstige Nachahmungen bewirbt. Abmahnung wegen § 14 II Nr. 2 MarkenG (Verwechslungsgefahr) und §§ 5/6 UWG (irreführende/vergleichende Werbung). Frist: 10 Tage. Vertragsstrafe: EUR 15.000 je Handlung (Wiederholungsgefahr bereits belegt durch frühere Abmahnung).
Konstellation 2: Influencer trägt gefälschtes klôtzzkètté-Stück auf Instagram
Micro-Influencer (200k Follower) trägt offensichtliche Fälschung und taggt "@klotzkette_official" (fake Account). Abmahnung gegen Influencer auf § 14 II Nr. 1 (Identität) oder Nr. 2 (Verwechslungsgefahr). Separate Notice-and-Action gegen Instagram/Meta nach DSA (vgl. Skill plattform-piraterie-donauzon).
Konstellation 3: Wiederholungstäter Brezelmann
Brezelmann hat bereits eine Unterlassungserklärung abgegeben (Hamburger Brauch), verwendet das Zeichen erneut. Vertragsstrafe-Klage: Quantifizierung der Zuwiderhandlungen, EUR 5.000-15.000 je Fall. Parallele neue Abmahnung für neue Verletzungshandlungen.
Belege & Kommentare
- Ströbele/Hacker/Thiering, MarkenG, 13. Aufl. 2021, § 14 Rn. 1 ff. (Verletzungsrechtsfolgen)
- Ingerl/Rohnke, MarkenG, 3. Aufl. 2010, § 14 Rn. 400 ff.
- Quellenregel: Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff; keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen.
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Templates
Abmahnschreiben (Wortmarke DE, Standard)
ABMAHNUNG — VERTRAULICH
An: [Verletzer GmbH], [Adresse]
Unsere Mandantin: klôtzzkètté SA, 23 Rue Saint-Honoré, Paris
Unser Zeichen: [Az.], Datum: [...]
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir vertreten die klôtzzkètté SA, Inhaberin der deutschen Wortmarke
"klôtzzkètté" (DPMA-Reg.-Nr. [...], Klassen 14/18/25/35).
Sie verwenden das Zeichen "[Verletzungszeichen]" im geschäftlichen
Verkehr für [Waren/Dienstleistungen], was die Markenrechte unserer
Mandantin verletzt (§ 14 II Nr. 2 MarkenG).
Wir fordern Sie auf, bis [Frist, 10 Tage] die beiliegende
strafbewehrte Unterlassungserklärung zu unterzeichnen sowie
unsere Anwaltskosten in Höhe von EUR [X] zu erstatten.
Bei Fristversäumnis werden wir ohne weitere Ankündigung gerichtliche
Eilmaßnahmen beantragen.
RA'in [Name], Partnerin
Verweise auf andere Skills
messe-verletzung-und-gv-einsatz— Bei Eilbedürftigkeit direkt Gerichtplattform-piraterie-donauzon— Online-Verletzungenproduktpiraterie-und-zoll— Schwerere Verletzungsfälle
Risiken & Stolperfallen
- Rechtsmissbrauch: Zu weitgehende Abmahnungen (z.B. wegen Bagatellverletzungen mit hohem GW) können als rechtsmissbräuchlich gewertet werden (§ 8 IV UWG analog)
- Fehlende Markenrecherche vor Abmahnung: Eigene Marke muss eingetragen und in Kraft sein — Abmahnung auf Basis einer inzwischen verfallenen Marke ist unwirksam
- Unterlassungserklärung mit Abstrich: Enthält die Erklärung des Verletzers eine Einschränkung, ist Wiederholungsgefahr nicht beseitigt — nicht blind annehmen
- Fristlauf Vertragsstrafe: Vertragsstrafe entsteht erst bei schuldhafter Zuwiderhandlung — bei sofortiger Unterwerfung kein automatisches Recht auf Zahlung
Triage-Fragen vor Abmahnung
Bevor die Abmahnung abgeschickt wird, kläre:
- Ist die eigene Marke eingetragen, in Kraft und nicht im Verfall (§§ 26/49 MarkenG)?
- Handelt es sich um eine gewerbliche oder private Nutzung?
- Welche Verletzungshandlung genau — § 14 II Nr. 1 (Doppelidentität), Nr. 2 (Verwechslungsgefahr) oder Nr. 3 (Bekanntheitsschutz)?
- Ist der Verletzer im Inland greifbar (Impressum, HReg-Auszug)?
- Liegt Wiederholungsgefahr oder (erst) Erstbegehungsgefahr vor?
- Ist eine Abmahnung sinnvoll oder besteht Missbrauchsrisiko (§ 8 IV UWG analog)?
Aktuelle Rechtsprechung
Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
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