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Datenschutz-Triage neuer Verarbeitungsvorgänge

Datenschutzrechtlichen Sachverhalt einordnen und Bearbeitungsroute bestimmen. Art. 2 3 DSGVO Anwendungsbereich § 1 BDSG. Prüfraster: Anwendungsbereich personenbezogene Daten Verantwortlicher Auftragsverarbeiter Drittland. Output: Triage-Memo Bearbeitungsroute Normenmap. Abgrenzung: Einstieg und Triage; Detailarbeit in Spezialist-Skills.

ID: de.data-protection.anwendungsfall-triage Version: 0.1.0 License: Apache-2.0 Author: Klotzkette Language: de Added: 2026-06-01
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Datenschutz-Triage neuer Verarbeitungsvorgänge

Zweck

Diese Skill beantwortet die Frage vor jeder Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA): Ist eine Prüfung erforderlich — und wenn ja, welche Art?

Die Triage ist schneller als die DSFA-Generierung, aber ihr vorgelagert. Sie erstellt die Folgenabschätzung nicht, sondern bestimmt, ob sie geboten ist.

Vier Klassifikationen:

  • FREIGABE — Keine gesonderte Prüfung. Standardschutzmaßnahmen gelten.
  • DSA ERFORDERLICH — Datenschutzprüfung vor oder begleitend zum Einsatz.
  • DSFA PFLICHT — Art. 35 DSGVO zwingend; DSB-Einbindung erforderlich.
  • STOPP — Verarbeitung widerspricht Datenschutzrichtlinie oder entbehrt jeder Rechtsgrundlage; Neugestaltung vor Fortführung zwingend.

Eingaben

  • Beschreibung des Verarbeitungsvorgangs (Datenarten, Zweck, Betroffenenkreis)
  • Datenkategorien (Art. 4 Nr. 1, Art. 9 DSGVO); Beschäftigtendaten (§ 26 BDSG)?
  • Neu erhoben oder Zweckänderung bei vorhandenen Daten (Art. 5 Abs. 1 lit. b DSGVO)?
  • Auftragsverarbeiter / Drittland-Übermittlung?
  • Automatisierte Entscheidungsfindung (Art. 22 DSGVO)?
  • Cookies / Endgerätezugriff (§§ 24 ff. TDDDG)?

Rechtlicher Rahmen

Kernvorschriften

  • DSGVO: Art. 5 (Grundsätze), Art. 6 (Rechtsgrundlagen), Art. 9 (besondere Kategorien), Art. 13/14 (Informationspflichten), Art. 17 (Löschrecht), Art. 22 (automatisierte Entscheidungen), Art. 25 (Privacy by Design/Default), Art. 28 (AVV), Art. 30 (Verarbeitungsverzeichnis), Art. 32 (TOM), Art. 35 (DSFA), Art. 44 ff. (Drittlandtransfer).
  • BDSG: § 22 (Gesundheits-/Sozialdaten), § 26 (Beschäftigtendatenschutz), § 38 (betrieblicher DSB).
  • TDDDG (ehem. TTDSG): §§ 24 ff. — Einwilligung für Cookies/Endgerätezugriffe.
  • Art. 35 Abs. 4 DSGVO i. V. m. DSK-Positivliste — nationale Pflichttatbestände.

Leitentscheidungen

  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. — Ungültigkeit EU-US-Privacy-Shield; Standardvertragsklauseln erfordern Transfer Impact Assessment; maßgeblich für Art. 44 ff. DSGVO.
  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. — Automatisiertes Scoring als Entscheidung i. S. d. Art. 22 DSGVO, wenn Dritte maßgeblich darauf abstellen; zentral für Triage von KI-/Scoring-Vorhaben.
  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. — Datenschutzrechtliche Haftung Art. 82 DSGVO; Beweislastverteilung.
  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. (Recht auf Vergessen I) — Datenschutz als Teil des allgemeinen Persönlichkeitsrechts (Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG); Abwägung mit Kommunikationsfreiheiten.

Kommentare

  • Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen zitieren. Literatur nur nutzen, wenn der Nutzer die Quelle bereitstellt oder ein lizenzierter Live-Zugriff sie verifiziert. — DSFA-Pflicht, Schwellenwerte, Verhältnis zu nationalen Listen.
  • Simitis/Hornung/Spiecker (Hrsg.), DSGVO, 2. Aufl. 2022, Art. 6 Rn. 30 ff. — Rechtsgrundlagen; berechtigtes Interesse als Auffangtatbestand.
  • Gola (Hrsg.), DSGVO, 3. Aufl. 2022, Art. 22 Rn. 5 ff. — Automatisierte Entscheidungsfindung; Abgrenzung zu Profiling.
  • Paal/Pauly (Hrsg.), DS-GVO BDSG, 3. Aufl. 2021, Art. 25 DSGVO Rn. 7 ff. — Privacy by Design und Privacy by Default als Entwurfspflicht.
  • Ehmann/Selmayr (Hrsg.), DS-GVO, 2. Aufl. 2018, Art. 35 Rn. 25 ff. — Anwendungsbereich der DSFA; Verhältnis zu Art. 5, 25 DSGVO.

Ablauf

Schritt 1: Verarbeitungsvorgang klären

Bei vager Beschreibung zuerst nachfragen: Datenkategorien (Art. 9?), Betroffenenkreis (Beschäftigte → § 26 BDSG!), Zweck, Neu oder Zweckänderung, Auftragsverarbeiter, automatisierte Entscheidung (Art. 22), Endgerätezugriff (§ 24 TDDDG).

Schritt 2: Hausinternes DSA-Raster

Konfiguriertes Prüfraster aus CLAUDE.md lesen. Trigger erfüllt → mindestens DSA ERFORDERLICH. Nicht erfüllt → weiter mit Schritt 3.

Schritt 3: DSFA-Pflichtprüfung (Art. 35 DSGVO)

Pflichttatbestände (Art. 35 Abs. 3, DSK-Positivliste):

  • Systematische automatisierte Bewertung persönlicher Aspekte inkl. Profiling mit Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
  • Umfangreiche Verarbeitung besonderer Datenkategorien (Art. 9 DSGVO).
  • Systematische umfangreiche Überwachung öffentlich zugänglicher Bereiche.

Starke Indikatoren (kein Pflichttatbestand, aber DSFA dringend empfohlen): neue Technologie, Kinderdaten, Zusammenführung getrennter Datensätze, Diskriminierungspotenzial, Cross-Context-Tracking, verhaltensbasierte Werbung.

Pflichttatbestand erfüllt → DSFA PFLICHT. Nur Indikatoren → DSA ERFORDERLICH.

Schritt 4: Datenschutzrichtlinien-Abgleich

Vorhaben gegen konfigurierte Richtlinien prüfen. Typische Konflikte: Datenkategorie nicht in Richtlinie erfasst; Drittlandweitergabe ohne Grundlage (Art. 44 ff. DSGVO); Löschfristen (Art. 17) überschritten; Zweckbindung (Art. 5 Abs. 1 lit. b) verletzt; Betroffenenrechte unvollständig.

Direkter Konflikt → STOPP. Konflikt muss aufgelöst sein vor Fortführung.

Schritt 5: Klassifikation und Ausgabe

Kurzergebnis: [DSFA PFLICHT / DSA ERFORDERLICH / FREIGABE / STOPP — ein Satz]

VORGANG: [wie verstanden]
KLASSIFIKATION: [...]
Hausinternes DSA-Raster ausgelöst? [Ja / Nein]
DSFA-Pflicht (Art. 35 DSGVO)? [Ja — Tatbestand / Nein / N/A]
Richtlinienkonflikt? [Keiner / Ja — konkreter Konflikt]
Begründung: [1–3 Sätze]

Voraussetzungen bei DSA / DSFA:

Anforderung Verantwortlich Erledigt?
Datenschutzprüfung / DSFA (Art. 35 DSGVO) DSB
Berechtigtes-Interesse-Abwägung (Art. 6 Abs. 1 lit. f) DSB / Legal
DSB-Konsultation (DSFA-Pflichtverfahren) DSB
AVV (Art. 28 DSGVO) Legal
Richtlinienaktualisierung vor Launch DSB
Eintrag Verarbeitungsverzeichnis (Art. 30) DSB

Rechtsgrundlage (Art. 6 DSGVO): [lit. a Einwilligung / lit. b Vertrag / lit. c rechtliche Verpflichtung / lit. f berechtigte Interessen — oder "unklar"]

Nach Klassifikation immer anbieten: "Soll ich jetzt direkt mit der DSFA beginnen?"

Bei STOPP:
Konflikt benennen. Optionen: (A) Vorhaben umgestalten, (B) Richtlinie aktualisieren (Vereinbarkeit mit Rechtsgrundlage prüfen). Keinen Weg vorschlagen, wenn keiner besteht.

Schritt 6: Weiterleitung

  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. KI-Folgenabschätzung erwägen.
  • Beschäftigtendatenschutz: § 26 BDSG und Mitbestimmung (§§ 87 Abs. 1 Nr. 6, 94 BetrVG) prüfen.

Ausgabeformat

Ausgabe im Chat. Bei DSA, DSFA oder STOPP optional Protokolldatei: ~/datenschutz-triagen/triage-YYYY-MM-DD-[vorgang].md.

Sammel-Triage (Feature-Liste):

# Vorgang Klassifikation Blocker
1 [Vorgang] FREIGABE
2 [Vorgang] DSA ERFORDERLICH Rechtsgrundlage offen; AVV fehlt
3 [Vorgang] DSFA PFLICHT Art.-9-Daten, großer Umfang
4 [Vorgang] STOPP Zweckbindungsverstoß

Beispiel

Vorgang: ML-basiertes Kreditscoring für Bestandskunden; Ergebnis fließt in automatisierte Kreditentscheidung.

Klassifikation: DSFA PFLICHT — Art. 35 Abs. 3 lit. a DSGVO: systematische automatisierte Bewertung persönlicher Aspekte mit erheblichen Auswirkungen Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. (Schufa-Scoring) reicht es, dass Dritte maßgeblich auf das Scoring abstellen. DSB-Konsultation und Verarbeitungsverzeichnis-Eintrag (Art. 30) zwingend.

Risiken und typische Fehler

  • "Anonymisiert" = FREIGABE: Pseudonymisierte Daten bleiben personenbezogen (Art. 4 Nr. 1 DSGVO). Re-Identifikationsrisiko konkret prüfen.
  • "Wir machen das ähnlich": Bestehende, nie geprüfte Verarbeitungen legitimieren keine neue. Bei anderem Umfang/Zweck/Kategorie: neu triagen.
  • "Nur ein Pilot": Pilot mit echten Personendaten unterliegt denselben Anforderungen.
  • "Der Anbieter regelt Datenschutz": AVV nach Art. 28 zwingend; Triage bleibt beim Verantwortlichen (Art. 4 Nr. 7 DSGVO).
  • Inferred Data übersehen: Score, Risikoklasse, Präferenz = personenbezogenes Datum.

Hinweis: Dieser Skill ersetzt keine anwaltliche Beratung im konkreten Einzelfall.

Quellenpflicht

Jede Klassifikation muss nennen: einschlägige DSGVO-/BDSG-Normen mit Artikel/Absatz, DSK-Listenfundstelle bei DSFA-Pflicht, einschlägige Rechtsprechung in korrekter Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.

Beispiel Rechtsprechung: Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

Beispiel Kommentar: Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.

Quellen / Updates

Stand: 05/2026. Aktualität prüfen bei Änderungen der DSK-Blacklist/Whitelist (Art. 35 Abs. 4/5 DSGVO), neuen EDSA-Leitlinien zur DSFA sowie KI-VO-Umsetzungsakten.

Querverweise:

  • datenschutzrecht/skills/dsfa-erstellung/SKILL.md — vollständige DSFA bei positiver Triage
  • datenschutzrecht/skills/drittlandstransfer-pruefung/SKILL.md — bei Drittlandbezug in der Triage
  • datenschutzrecht/skills/avv-pruefung/SKILL.md — bei Auftragsverarbeitung als Verarbeitungsbestandteil

Aktuelle Rechtsprechung (Ergaenzung v14.2)

  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

Output-Template — Triage-Ergebnis

Adressat: Datenschutzbeauftragter / Prozessverantwortlicher — Tonfall: sachlich-strukturiert

Datenschutz-Triage-Ergebnis [DATUM]
Verarbeitungsvorgang: [BEZEICHNUNG]
Beschreibung: [KURZBESCHREIBUNG]

Einstufung: FREIGABE / DSA ERFORDERLICH / DSFA PFLICHT / STOPP

Rechtsgrundlage: Art. [X] DSGVO [§ BDSG optional]
Verantwortlichkeit: Art. 24 (allein) / Art. 26 (gemeinsam) / Art. 28 (Auftragsverarbeitung)
Drittlandbezug: ja (→ Drittlandprüfung) / nein
DSFA-Pflicht: ja (Grund: [...]) / nein (Begründung: [...])

Naechste Schritte:
1. [AKTION]
2. [AKTION]

Frist: [DATUM]
Verantwortlich: [PERSON / ROLLE]

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