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TOM und Zertifizierungen prüfen

Prüfe technische und organisatorische Massnahmen des KI-Anbieters und seine Zertifizierungen. Maßstab Art. 32 DS-GVO ISO 27001 BSI C5 (Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue) SOC zwei Typ zwei TISAX. Zentral für Berufsrecht no training Zero-Retention EU-Hosting Verschluesselung Löschkonzept Audit-Recht. DAV-Stellungnahme Seite dreizehn vierzehn.

ID: de.data-protection.tom-und-zertifizierungen-pruefen Version: 0.1.0 License: Apache-2.0 Author: Klotzkette Language: de Added: 2026-06-01
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TOM und Zertifizierungen prüfen

Disclaimer

Diese Forprüfung ist keine Rechtsberatung, sondern strukturierte Argumentationshilfe für das Anbietergespräch. Die abschließende berufsrechtliche und strafrechtliche Beurteilung bleibt der inhabilen Kanzlei beziehungsweise einer beauftragten Spezialkanzlei vorbehalten.

Norm und Rahmen

Berufsrechtlich verlangt die Sorgfaltspflicht bei der Dienstleisterauswahl (Abs. 2 der jeweiligen Dienstleisterregelung), dass die technische und organisatorische Sicherheit des Anbieters überzeugt. Datenschutzrechtlich präzisiert das Art. 32 DS-GVO. Die DAV-Stellungnahme 32/2025 (Seite 13) stellt klar: Die Verschlüsselung darf nicht so weit gefordert werden, dass sie die KI-Dienstleistung entwertet. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die das KI-System-Inferencing unmöglich macht, ist berufsrechtlich nicht zu verlangen.

"no training" — Zentralfrage

Nach DAV S. 14 ist die Übermittlung von Mandatsdaten zu Trainingszwecken nicht von der Erforderlichkeitsschwelle des Abs. 1 gedeckt. Daher muss der Vertrag eine "no training"-Klausel enthalten — eine ausdrückliche Verpflichtung des Anbieters, eingegebene Mandatsdaten nicht zum Training des Modells zu verwenden. Bei API-Aufrufen an Drittmodelle (etwa OpenAI Azure Service) ist zusätzlich der "no training"-Status des Drittmodells nachzuweisen.

Zero Retention

Die Speicherdauer eingegebener Mandatsdaten beim Anbieter ist möglichst gering zu halten. Optimal: "Zero Retention" — die Daten werden nach der Verarbeitung sofort gelöscht (typisch 0 oder 30 Sekunden nach Abschluss der API-Anfrage). Andernfalls eine konkrete kurze Frist (24 Stunden, sieben Tage). Pauschalfristen wie "bis zu 90 Tage" sind problematisch.

Zertifizierungen

ISO 27001

Internationaler Standard für Informationssicherheitsmanagementsysteme. Mindeststandard. Prüfen: Geltungsbereich (alle relevanten Standorte und Systeme), Zertifizierungsstelle (akkreditiert), Ausstellungsdatum (höchstens drei Jahre alt), Anhang A Controls relevant.

BSI C5 (Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue)

Vom BSI entwickelter Standard für Cloud-Anbieter. Für Berufsgeheimnisträger besonders aussagekräftig, weil deutsche behördliche Standardkriterien. Es gibt Typ-1- und Typ-2-Testate; Typ 2 ist der Goldstandard.

SOC 2 Typ 2

US-Standard, oft bei US-Anbietern vorhanden. Trust Services Criteria: Security, Availability, Processing Integrity, Confidentiality, Privacy. Bei US-Anbietern Mindestnachweis, aber nicht spezifisch genug für deutsches Berufsrecht.

TISAX

Branchenstandard der Automobilindustrie. Für Legal-AI selten einschlägig, aber bei Mandanten aus der Automotive-Branche relevant.

EU Cloud Code of Conduct

DSGVO-spezifisches Konformitätsverfahren nach Art. 40 DS-GVO. Hilfreich, aber keine eigenständige Sicherheitszertifizierung.

Konkrete Prüfpunkte

EU-Hosting

  • Speicherort der Daten ausschließlich in EU/EWR?
  • Auch Backups in EU/EWR?
  • Verarbeitung (Inferencing) in EU/EWR?
  • Vertraglich abgesichert oder nur als Selbstauskunft?

Verschlüsselung

  • Transportverschlüsselung TLS aktuell (mindestens TLS einskommadrei)
  • Verschlüsselung im Ruhezustand (AES 256)
  • Schlüsselverwaltung: Anbieter oder Kanzlei (Bring-your-own-key)?

Zugriffskontrolle

  • Rollenbasierte Zugriffskontrolle beim Anbieter
  • Audit-Logs aller Zugriffe auf Mandatsdaten
  • Vier-Augen-Prinzip bei Administratorenzugriffen
  • Mitarbeiter-Verpflichtungen (Verschwiegenheit, Background Check)

Löschkonzept

  • Auf Anforderung der Kanzlei
  • Automatisch nach Vertragsende
  • Bestätigung der Löschung durch Anbieter (Löschprotokoll)
  • Auch in Backups und Logs

Audit-Recht

  • Recht der Kanzlei zur Auditierung
  • Vorhandene Testate als Surrogat (typisch)
  • Mindestens jährliche Aktualisierung der Testate

Meldepflichten

  • Information bei Sicherheitsvorfällen (24 bis 48 Stunden)
  • Information bei Behördenanfragen
  • Information bei Subunternehmerwechsel

Prüfschema

Vorab: Der untenstehende Workflow ist die typische Standardlinie. Wenn die Mandantenlage abweicht (siehe "Strategische Optionen" oben), sind die Schritte entsprechend zu verkuerzen, umzustellen oder durch ein anderes Skill zu ersetzen — der Workflow ist Leitfaden, nicht Pflichtprogramm.

Punkt Status Ampel Bemerkung
"no training"-Klausel
Zero Retention oder kurze Frist
ISO 27001 (akt. Testat)
BSI C5 (Typ 2 bevorzugt)
SOC 2 Typ 2
EU-Hosting vertraglich
Verschlüsselung TLS plus Rest
Audit-Logs
Löschkonzept
Meldepflicht Sicherheitsvorfall
Audit-Recht

Typische Lücken

  • "Wir nehmen Sicherheit ernst" ohne Zertifikat
  • ISO-Zertifikat nur für Hauptsitz, nicht für Verarbeitungsstandort
  • Trust Center mit Versprechen, die nicht im Vertrag stehen
  • Löschung nur "auf Anforderung", keine automatische
  • Keine "no training"-Klausel für das verwendete Modell

Output

Tabellarische Bewertung. Defizite landen im Rückfragebrief mit der Aufforderung, Zertifikate, Geltungsbereiche und Vertragsklauseln vorzulegen.

Aktuelle Rechtsprechung

  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
  • Rechtsprechung live prüfen: Keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über amtliche oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

Zentrale Normen (Paragrafenkette)

  • Art. 32 DSGVO — Technische und organisatorische Maßnahmen; Stand der Technik
  • Art. 28 Abs. 3 lit. c DSGVO — TOM-Anlage als Pflichtbestandteil der AVV
  • Art. 83 Abs. 4 DSGVO — Bußgeld bei Verstoß gegen Art. 32: bis 10 Mio. EUR oder 2 %

Quellenregel

Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.

Triage zu Beginn

  1. Liegt eine aktuelle TOM-Anlage (mit Datum) zum Vertrag vor?
  2. Ist eine ISO-27001-Zertifizierung vorhanden und aktuell (nicht älter als 12 Monate)?
  3. Bei Cloud-Anbieter: BSI C5 Typ 2 Testat vorhanden?
  4. Sind "no training" und Zero-Retention-Regelungen in den TOMs enthalten?
  5. Gibt es ein Audit-Recht der Kanzlei?
  • Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)

Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)

Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.

Konstellation Empfohlener Weg
Standard — TOM-Abschnitt im Vertrag bewerten Checkliste Art. 32 DSGVO; Template unten
Variante A — Zertifizierung ISO 27001 vorhanden Zertifikat pruefen ob aktuell; Scope-Abdeckung beachten
Variante B — keine TOM-Anlage vorhanden Ergaenzung fordern; Muster-TOM-Anlage als Verhandlungsgrundlage
Variante C — Hochrisiko-Verarbeitung Erweiterte TOM-Anforderungen; ggf. Pen-Test-Pflicht vereinbaren

Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.

Output-Template — TOM-Prüfvermerk

Adressat: Kanzlei intern — Tonfall: sachlich-juristisch

TOM-Prüfvermerk [DATUM]
Anbieter: [NAME] | Vertrag: [DOKUMENT, VERSION]

Prüfpunkt 1: TOM-Anlage
Vorhanden: ja / nein | Datum: [DATUM]
Verschlüsselung (Transport/Ruhezustand): [TLS 1.3 / AES-256 / unklar]
Zugangskontrolle / RBAC: [beschrieben / nicht beschrieben]
Löschkonzept: [beschrieben / nicht beschrieben]

Prüfpunkt 2: Zertifizierungen
ISO 27001: [vorhanden / nicht vorhanden] | Gültigkeit: [DATUM]
BSI C5 Typ 2: [vorhanden / nicht vorhanden]
SOC 2 Typ 2: [vorhanden / nicht vorhanden]

Prüfpunkt 3: Berufsrechtliche TOM-Besonderheiten
No-training-Klausel: [vorhanden / Lücke]
Zero-Retention: [vorhanden / Lücke]
EU-Hosting-Zusicherung: [vorhanden / Lücke]
Audit-Recht Kanzlei: [vorhanden / Lücke]

Ergebnis
Ampel TOM/Zertifizierungen: GRUEN / GELB / ROT
Luecken: [BESCHREIBUNG]

--- vor Versand klaeren ---

  1. Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Bestand / Abfindung / Reputation / Schnelle Loesung]
  2. Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestabfindung / Freistellung / Zeugnisformulierung]
  3. Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgespraech / Settlement vor Klageerhebung]

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