Due Diligence — Commercial Contracts
Commercial Contracts Due Diligence: Prüft wesentliche Vertraege im M&A-Datenraum auf Change-of-Control-Klauseln, Kündigungsrechte, Exklusivitaet, Haftungsgrenzen und Material-Contract-Risiken für SPA-Reps. Normen: §§ 305 ff. BGB, § 311 Abs. 2 BGB, SPA Material Adverse Change. Prüfraster: CoC-Klauseln, Laufzeit, Kündigungsrechte, Haftungscaps, Wettbewerbsverbote. Output Risk-rated Vertragsliste, Red-Flag-Memo, SPA-Implikationen. Abgrenzung: Legal-DD-Gesamtschau siehe due-diligence-legal; DD-Konsolidierung siehe due-diligence-reporting.
Due Diligence — Commercial Contracts
Triage — klaere vor Beginn
- Welche Vertragstypen sind relevant: Kunden-, Lieferanten-, JV-, Lizenz-, Finanzierungsvertraege?
- Gibt es eine Definition von "wesentlichen Vertraegen" im Process Letter?
- Change-of-Control: Wurden Parteien bereits informiert oder soll Vertraulichkeit gewahrt werden?
- Welche Laufzeiten und Vertragsvolumina rechtfertigen vertiefte Pruefung?
- Sind auslaendische Vertragspartner involviert (Governing Law, Jurisdiktion)?
Zentrale Anspruchsgrundlagen & Normen
- § 307 BGB — AGB-Inhaltskontrolle; Klauseln mit unangemessener Benachteiligung unwirksam
- § 309 Nr. 7 BGB — Haftungsfreizeichnung fuer Koerperschaeden; verboten in AGB
- § 314 BGB — ausserordentliches Kuendigungsrecht bei wichtigem Grund
- § 613a BGB — Betriebsuebergang; automatischer Uebergang von Arbeitsvertraegen
- §§ 74 ff. HGB — nachvertragliches Wettbewerbsverbot; Entschaedigungspflicht
- § 138 BGB — Sittenwidrigkeit; ueberlange Wettbewerbsverbote nichtig
- §§ 1 ff., 19 GWB — kartellrechtliche Schranken; marktbeherrschende Stellung; Verbote
Aktuelle Rechtsprechung
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Quellenregel
Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.
Pruefungsmatrix: Wesentliche Vertragsklauseln
| Klausel | Pruefungsinhalt | Hauptrisiko | Handlungsempfehlung |
|---|---|---|---|
| Change of Control | Schwelle (Kapital, Stimmrechte, Kontrolle), Kuendigungs-/Anpassungsrecht | Kuendigung wesentlicher Vertraege post-Closing | Consent einholen pre-Signing; SPA-CoC-Rep |
| Exklusivitaet | Dauer, Gegenstand, Ausnahmen, Folgen bei Verletzung | Marktabschottung; Konkurrentenausschluss | Wettbewerbsrechtliche Pruefung; Laufzeitbegrenzung |
| Haftungsgrenzen | Cap als % des Jahresvolumens; Ausnahmen; Schadenstypen | Unterversicherung wesentlicher Schaden | Ggf. Neuverhandlung post-Closing; Insurance |
| Kuendigungsrechte | Ordentlich, ausserordentlich, bei Insolvenz | Kundenverlust; Lieferantenwechsel | Separate Rep; Consent-Vereinbarung |
| Wettbewerbsverbote | Laufzeit, Breitengrad, Entschaedigung | §§ 74 ff. HGB; § 138 BGB; GWB | Gueltigkeit pruefen; ggf. anpassen |
| IP-Lizenzen | Umfang, Sublizenzierungsrecht, Open Source | IP-Verlust bei CoC oder Insolvenz | Source Code Escrow; IP Assignment |
| Abtretungsverbote | Zustimmungserfordernis bei Abtretung oder Verpfaendung | Finanzierungs-Securitization gehemmt | Consent; vertragliche Liberalisierung |
| Geheimhaltung | Laufzeit, Ausnahmen, Vertragsstrafe | Post-Closing Know-How-Schutz | Erfuellung sicherstellen |
Schritt-fuer-Schritt-Workflow
- Material Contracts Liste erstellen — aus DD-IRL, Jahresabschluss-Anhang, Management-Input; Schwellenwert definieren (z.B. >100 TEUR Jahresvolumen oder strategisch wesentlich)
- Vertraege klassifizieren — Kunde, Lieferant, Finanzierung, Lizenz, JV, Miet, Arbeitsrecht, Sonstige
- CoC-Klausel-Scan — alle wesentlichen Vertraege auf Change-of-Control-Klauseln untersuchen; Konsent-Erfordernis dokumentieren
- Kuendigungsrechts-Analyse — ordentlich und ausserordentlich; verbleibende Laufzeiten; Kuendigungsfristen
- Haftungslimits abgleichen — mit Unternehmensrisikoprofil und W&I-Deckungsgrenzen
- Wettbewerbsverbote pruefen — Gueltigkeit nach §§ 74 ff. HGB und § 138 BGB; GWB-Konformitaet
- Contract Summary erstellen — pro wesentlichem Vertrag: Parteien, Laufzeit, Volumen, CoC, Kuendigung, Kernrisiken
- Empfehlung fuer SPA — welche Vertraege brauchen Consents, spezifische Reps, Indemnities oder Closing Conditions?
Entscheidungsbaum: Consent erforderlich?
Wesentlicher Vertrag mit CoC-Klausel identifiziert?
→ Ja: Klausel loest Kuendigung aus?
→ Ja: Wesentlich fuer Geschaeftsbetrieb?
→ Ja: Consent vor Signing einholen → ggf. Closing Condition
→ Nein: Disclosure Letter; SPA-Rep "kein wesentlicher Vertrag betroffen"
→ Nein: Klausel loest nur Anpassungsrecht aus?
→ Ja: Verhandlungsoption bewerten; Offenlegung im SPA
→ Nein: Kein Handlungsbedarf; Dokumentation Datenraum
Output-Template Contract Summary Sheet
Adressat: Deal-Team / SPA-Verhandler — Tonfall sachlich, priorisiert
CONTRACT SUMMARY SHEET
Transaktion: [DEAL-NAME]
Stand: [DATUM]
| Nr. | Vertrag | Partei | Laufzeit | Vol. p.a. | CoC-Klausel | Kuendigungsrecht | Risikoklasse | SPA-Empfehlung |
|-----|---------|--------|----------|-----------|-------------|-----------------|--------------|----------------|
| 1 | [Name] | [Partei] | [Bis] | [EUR] | [Ja/Nein] | [§/Bedingung] | [H/M/N] | [Consent/Rep/Indemnity] |
CRITICAL CONTRACT ANALYSIS — [VERTRAGSNAME]
Parteien: [VERKAEUFER-GESELLSCHAFT] / [GEGENPARTEI]
Datum: [DATUM] Laufzeit: [BIS] Jahresvolumen: [EUR]
Governing Law: [Deutsches Recht / Englisch Recht]
CHANGE OF CONTROL: [Ja — Klausel Abs. X; Schwelle: X% / Nein]
KUENDIGUNGSRECHT VERTRAGSPARTNER: [Ja — Frist X / Nein]
HAFTUNGSLIMIT: [X EUR / X % des Jahresvolumens]
WETTBEWERBSVERBOT: [Ja — Laufzeit X, Gebiet Y / Nein]
KERNRISIKO: [Beschreibung]
EMPFEHLUNG: [Consent einholen bis [Datum] / Disclosure / Indemnity]
Rote Schwellen
- CoC-Klausel in Top-Kundenvertrag ohne Consent → Kuendigungsrisiko post-Closing gefaehrdet Unternehmenswert
- Lizenzvertrag mit Abtretungsverbot ohne Consent → IP-Verlust; Deal-Breaker-Potential
- Wettbewerbsverbot laenger als 2 Jahre nach § 138 BGB → Nichtigkeit; Mitarbeiter nicht gebunden
- Haftungslimit unter versichertem Schadenspotenzial → Gap-Risiko fuer Kaeufer
- Exklusivitaet kartellrechtlich problematisch → GWB-Bussgeld, Nichtigkeit der Klausel
Vertiefung: Open Source Software-Risiken (IP/IT-Workstream)
Lizenzvertraege fuer Software koennen Open-Source-Copyleft-Pflichten enthalten (GPL, LGPL). Im DD pruefen: (a) Welche Open-Source-Bestandteile sind im Produkt; (b) Welche Lizenzpflichten bestehen (Quelltextoffenlegung); (c) Enthaelt Lizenz Termination-Right bei GPL-Verletzung. Risiko: Wichtigstes Produkt muss Open Source veroeffentlicht werden.
Quellen
- §§ 307, 309, 314, 613a BGB; §§ 74 ff. HGB; §§ 1, 19 GWB
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
- Quellenregel: Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff; keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen.
- Holzapfel/Poellath, Unternehmenskauf (16. Aufl. 2022) Kap. 7
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