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Disclosure Schedules

Disclosure Schedules zum SPA erstellen und prüfen: Verkaeufer offenbart bekannte Risiken um Warranty-Verletzungen nach § 444 BGB (Arglist) zu verhindern; Kaeufer prüft Vollständigkeit. Normen: § 444 BGB, § 311 Abs. 2 BGB (vorvertragliche Pflichten), § 442 BGB (Kenntnis des Kaeufers). Prüfraster: je Warranty-Abschnitt korrespondierender Schedule, Vollständigkeits-Prüfung, W&I-Versicherungs-Schnittstelle. Output Draft Disclosure Schedules, Luecken-Memo, Disclosure-Letter. Abgrenzung: SPA-Entwurf siehe spa-apa-entwurf; W&I-Police siehe wi-insurance.

ID: de.corporate.corporate-kanzlei-disclosure-schedules Version: 0.1.0 License: Apache-2.0 Author: Klotzkette Language: de Added: 2026-06-01
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Disclosure Schedules

Triage — klaere vor Beginn

  1. Welche Warranties im SPA erfordern Disclosure Schedules (Specific vs. General Disclosures)?
  2. Ist ein General Disclosure Letter (GDL) vorgesehen oder nur Specific Disclosures?
  3. Was ist die Kenntnis-Definition (Seller's Knowledge: Best Knowledge, Actual Knowledge, Constructive Knowledge)?
  4. Gibt es eine Materiality-Schwelle fuer Disclosure-Eintrage (z.B. > 50 TEUR)?
  5. Anti-Sandbagging-Regelung: haftet Verkaefer auch bei Kaeufer-Kenntnis?
  6. Disclosure Letter als Schedule zum SPA oder separates Dokument?
  7. Zeitpunkt der Disclosure: nur bei Signing, oder auch Bring-Down-Disclosure bei Closing?

Zentrale Normen

  • § 444 BGB — bei arglistigem Verschweigen keine Haftungsfreizeichnung moeglich; Disclosure heilt nur bei vollstaendiger Offenbarung
  • § 311 II BGB — vorvertragliche Aufklaerungspflicht; c.i.c.-Haftung bei wesentlichen verhohlenen Umstaenden
  • § 442 BGB — Kaeufer-Kenntnis schliesst Mangel-Haftung aus; Anti-Sandbagging schraenkt das ein
  • § 453 BGB — Anteilskauf; Gewaehrleistungsregime beim Anteilskauf

Aktuelle Rechtsprechung

  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

Quellenregel

Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.

Disclosure-Struktur: Specific und General Disclosures

Specific Disclosures

Direkt an einzelne Warranties geknuepft: jede Warranty hat eine korrespondierende Schedule-Nummer.

Beispiele:

  • Schedule 4.1 (Corporate Title): Gesellschafterliste, vinkulierte Anteile, Optionen
  • Schedule 5.2 (Financial Statements): Jahresabschluss-Abweichungen, Rueckstellungsluecken
  • Schedule 5.5 (Material Contracts): vollstaendige Liste; CoC-Klauseln hervorgehoben
  • Schedule 5.7 (Litigation): laufende und drohende Verfahren mit Streitwertangabe
  • Schedule 5.9 (Employment): Schluesselarbeitnehmer; Change-of-Control-Klauseln; Pensionen
  • Schedule 5.11 (Tax): offene Betriebspruefungen; Einsprueche; Selbstanzeigen

General Disclosure

Allgemeine Offenlegung aller Datenraum-Dokumente als Disclosure — nur wirksam wenn klar spezifiziert welches Dokument welche Warranty einschraenkt (OLG Frankfurt-Rspr.).

Pruefungsmatrix: Vollstaendigkeit des Disclosure Letter

Kategorie Pruefungspunkt Risiko bei Luecke
Litigation Alle Verfahren >50 TEUR offenbart Warranty-Verletzung; Indemnity-Anspruch
Material Contracts Alle CoC-Klauseln und Kuendigungsrechte Fehlende Consents post-Closing
Tax Betriebspruefungen, Einsprueche, Selbstanzeigen Tax-Warranty-Breach; voller Schaden
HR Pensionszusagen, Gehaltserhohungen, Schluesselpersonen CoC Unvorhergesehene Kosten post-Closing
Compliance Laufende Ermittlungen, GwG/AML-Vorwuerfe, Sanktionen Regulatory-Risiko; Closing-Blockade
Real Estate Altlasten, Baulasten, Sondernutzungsrechte Umwelthaftung; Wertverlust

Schritt-fuer-Schritt-Workflow

  1. Warranty-Katalog analysieren — jede Warranty des SPA einer Disclosure-Kategorie zuordnen
  2. Disclosure-Koordinator benennen — Ansprechpartner auf Verkaefer-Seite fuer jede Kategorie
  3. Faktensammlung — Datenraum-Dokumente systematisch auf disclosure-relevante Informationen pruefen
  4. Interne Anhörung — Management, Finance, Legal, HR, Compliance abfragen
  5. Entwurf Disclosure Letter — konkrete Beschreibungen; keine allgemeinen Verweise auf Datenraum
  6. Pruefung § 444 BGB — bekannte Arglist-Risiken vollstaendig erfassen; kein Weglassen
  7. Verhandlung mit Kaeufer — manche Disclosures fuehren zu Nachverhandlung des SPA; Preisminderung oder Indemnity
  8. Bring-Down bei Closing — wenn neues Ereignis zwischen Signing und Closing aufgetreten: Closing Disclosure anpassen
  9. Archivierung — Disclosure Letter als Signatur-Anlage zum SPA; versioniert archivieren

Entscheidungsbaum: Wie umgehen mit neuem Finding nach Signing?

Neues Material-Finding nach Signing entdeckt?
  → Warranty-Verletzung?
       → Ja, wesentlich (MAC-Level)?
            → Kaeufer kann Ruecktrittsrecht geltend machen (MAC-Klausel pruefen)
       → Ja, nicht wesentlich?
            → Closing-Disclosure: Kaeufer informieren; Preisanpassung oder Waiver verhandeln
  → Kein Warranty-Thema, aber CoC-Risiko?
       → Consent sofort einholen; Closing-Condition-Status pruefen
  → Arglist-Risiko (§ 444 BGB)?
       → Vollstaendige Offenbarung im Closing Disclosure Letter; ggf. Rechtsrat einholen

Output-Template Disclosure Letter (Auszug)

Adressat: Kaeufer — Tonfall sachlich, vollstaendig

DISCLOSURE LETTER
Bezugnehmend auf den Share Purchase Agreement ("SPA") vom [DATUM]
zwischen [VERKAEFER] und [KAEUFER] betreffend [ZIELGESELLSCHAFT]

ALLGEMEINE OFFENBARUNG
Der Verkaefer legt hiermit alle im Datenraum (Platform: [NAME]; Index: [VERSION], Stand: [DATUM])
enthaltenen Dokumente und Informationen offen.

SPEZIFISCHE OFFENBARUNGEN

ZU SCHEDULE 5.7 (LITIGATION):
1. Laufendes Klageverfahren LG Frankfurt, Az. [Nr.], Streitwert [EUR]; Klaeger: [Name]; Gegenstand: [Beschreibung]
2. Drohendes Verfahren gemass Anwaltsschreiben vom [Datum]; Gegenstand: [Beschreibung]

ZU SCHEDULE 5.9 (EMPLOYMENT):
1. Schluesselperson [Name], Position [X], CoC-Recht zur ausserordentlichen Kuendigung bei > 50 % Anteilswechsel; Vertragsanlage [Nr.]
2. Betriebliche Altersversorgung: Rueckdeckungsversicherung [Versicherungsgesellschaft]; Volumen [EUR]

ZU SCHEDULE 5.11 (TAX):
1. Offene Betriebspruefung fuer Zeitraum [Jahr-Jahr]; Finanzamt [Name]; Sachstand: [Beschreibung]

[Weiterer Abschnitt je Warranty-Kategorie]

KENNTNIS-DEFINITION (KNOWLEDGE QUALIFIER)
"Best Knowledge des Verkaefers" bedeutet: tatsaechliche Kenntnis folgender Personen: [LISTE NAMES/FUNCTIONS]
nach vernaenftiger Nachforschung.

Rote Schwellen

  • Bekannte Arglist-Risiken nicht offenbart → § 444 BGB; keine Haftungsfreizeichnung
  • Allgemeiner Verweis auf Datenraum statt konkreter Disclosure → OLG Frankfurt: keine wirksame Disclosure
  • Bring-Down-Disclosure bei Closing vergessen → Warranty-Verletzung fuer Ereignisse zwischen Signing und Closing
  • Materiality-Schwelle zu hoch gesetzt → kleinere Risiken nicht offenbart; spaeter Streit
  • Anti-Sandbagging falsch ausgelegt → Kaeufer-Kenntnis schliesst Ansprueche nicht aus wenn vertraglich so vereinbart

Quellen

  • § 444, 311 II, 442, 453 BGB
  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
  • Quellenregel: Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff; keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen.
  • Holzapfel/Poellath, Unternehmenskauf (16. Aufl. 2022) Kap. 10

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