Disclosure Schedules
Disclosure Schedules zum SPA erstellen und prüfen: Verkaeufer offenbart bekannte Risiken um Warranty-Verletzungen nach § 444 BGB (Arglist) zu verhindern; Kaeufer prüft Vollständigkeit. Normen: § 444 BGB, § 311 Abs. 2 BGB (vorvertragliche Pflichten), § 442 BGB (Kenntnis des Kaeufers). Prüfraster: je Warranty-Abschnitt korrespondierender Schedule, Vollständigkeits-Prüfung, W&I-Versicherungs-Schnittstelle. Output Draft Disclosure Schedules, Luecken-Memo, Disclosure-Letter. Abgrenzung: SPA-Entwurf siehe spa-apa-entwurf; W&I-Police siehe wi-insurance.
Disclosure Schedules
Triage — klaere vor Beginn
- Welche Warranties im SPA erfordern Disclosure Schedules (Specific vs. General Disclosures)?
- Ist ein General Disclosure Letter (GDL) vorgesehen oder nur Specific Disclosures?
- Was ist die Kenntnis-Definition (Seller's Knowledge: Best Knowledge, Actual Knowledge, Constructive Knowledge)?
- Gibt es eine Materiality-Schwelle fuer Disclosure-Eintrage (z.B. > 50 TEUR)?
- Anti-Sandbagging-Regelung: haftet Verkaefer auch bei Kaeufer-Kenntnis?
- Disclosure Letter als Schedule zum SPA oder separates Dokument?
- Zeitpunkt der Disclosure: nur bei Signing, oder auch Bring-Down-Disclosure bei Closing?
Zentrale Normen
- § 444 BGB — bei arglistigem Verschweigen keine Haftungsfreizeichnung moeglich; Disclosure heilt nur bei vollstaendiger Offenbarung
- § 311 II BGB — vorvertragliche Aufklaerungspflicht; c.i.c.-Haftung bei wesentlichen verhohlenen Umstaenden
- § 442 BGB — Kaeufer-Kenntnis schliesst Mangel-Haftung aus; Anti-Sandbagging schraenkt das ein
- § 453 BGB — Anteilskauf; Gewaehrleistungsregime beim Anteilskauf
Aktuelle Rechtsprechung
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Quellenregel
Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.
Disclosure-Struktur: Specific und General Disclosures
Specific Disclosures
Direkt an einzelne Warranties geknuepft: jede Warranty hat eine korrespondierende Schedule-Nummer.
Beispiele:
- Schedule 4.1 (Corporate Title): Gesellschafterliste, vinkulierte Anteile, Optionen
- Schedule 5.2 (Financial Statements): Jahresabschluss-Abweichungen, Rueckstellungsluecken
- Schedule 5.5 (Material Contracts): vollstaendige Liste; CoC-Klauseln hervorgehoben
- Schedule 5.7 (Litigation): laufende und drohende Verfahren mit Streitwertangabe
- Schedule 5.9 (Employment): Schluesselarbeitnehmer; Change-of-Control-Klauseln; Pensionen
- Schedule 5.11 (Tax): offene Betriebspruefungen; Einsprueche; Selbstanzeigen
General Disclosure
Allgemeine Offenlegung aller Datenraum-Dokumente als Disclosure — nur wirksam wenn klar spezifiziert welches Dokument welche Warranty einschraenkt (OLG Frankfurt-Rspr.).
Pruefungsmatrix: Vollstaendigkeit des Disclosure Letter
| Kategorie | Pruefungspunkt | Risiko bei Luecke |
|---|---|---|
| Litigation | Alle Verfahren >50 TEUR offenbart | Warranty-Verletzung; Indemnity-Anspruch |
| Material Contracts | Alle CoC-Klauseln und Kuendigungsrechte | Fehlende Consents post-Closing |
| Tax | Betriebspruefungen, Einsprueche, Selbstanzeigen | Tax-Warranty-Breach; voller Schaden |
| HR | Pensionszusagen, Gehaltserhohungen, Schluesselpersonen CoC | Unvorhergesehene Kosten post-Closing |
| Compliance | Laufende Ermittlungen, GwG/AML-Vorwuerfe, Sanktionen | Regulatory-Risiko; Closing-Blockade |
| Real Estate | Altlasten, Baulasten, Sondernutzungsrechte | Umwelthaftung; Wertverlust |
Schritt-fuer-Schritt-Workflow
- Warranty-Katalog analysieren — jede Warranty des SPA einer Disclosure-Kategorie zuordnen
- Disclosure-Koordinator benennen — Ansprechpartner auf Verkaefer-Seite fuer jede Kategorie
- Faktensammlung — Datenraum-Dokumente systematisch auf disclosure-relevante Informationen pruefen
- Interne Anhörung — Management, Finance, Legal, HR, Compliance abfragen
- Entwurf Disclosure Letter — konkrete Beschreibungen; keine allgemeinen Verweise auf Datenraum
- Pruefung § 444 BGB — bekannte Arglist-Risiken vollstaendig erfassen; kein Weglassen
- Verhandlung mit Kaeufer — manche Disclosures fuehren zu Nachverhandlung des SPA; Preisminderung oder Indemnity
- Bring-Down bei Closing — wenn neues Ereignis zwischen Signing und Closing aufgetreten: Closing Disclosure anpassen
- Archivierung — Disclosure Letter als Signatur-Anlage zum SPA; versioniert archivieren
Entscheidungsbaum: Wie umgehen mit neuem Finding nach Signing?
Neues Material-Finding nach Signing entdeckt?
→ Warranty-Verletzung?
→ Ja, wesentlich (MAC-Level)?
→ Kaeufer kann Ruecktrittsrecht geltend machen (MAC-Klausel pruefen)
→ Ja, nicht wesentlich?
→ Closing-Disclosure: Kaeufer informieren; Preisanpassung oder Waiver verhandeln
→ Kein Warranty-Thema, aber CoC-Risiko?
→ Consent sofort einholen; Closing-Condition-Status pruefen
→ Arglist-Risiko (§ 444 BGB)?
→ Vollstaendige Offenbarung im Closing Disclosure Letter; ggf. Rechtsrat einholen
Output-Template Disclosure Letter (Auszug)
Adressat: Kaeufer — Tonfall sachlich, vollstaendig
DISCLOSURE LETTER
Bezugnehmend auf den Share Purchase Agreement ("SPA") vom [DATUM]
zwischen [VERKAEFER] und [KAEUFER] betreffend [ZIELGESELLSCHAFT]
ALLGEMEINE OFFENBARUNG
Der Verkaefer legt hiermit alle im Datenraum (Platform: [NAME]; Index: [VERSION], Stand: [DATUM])
enthaltenen Dokumente und Informationen offen.
SPEZIFISCHE OFFENBARUNGEN
ZU SCHEDULE 5.7 (LITIGATION):
1. Laufendes Klageverfahren LG Frankfurt, Az. [Nr.], Streitwert [EUR]; Klaeger: [Name]; Gegenstand: [Beschreibung]
2. Drohendes Verfahren gemass Anwaltsschreiben vom [Datum]; Gegenstand: [Beschreibung]
ZU SCHEDULE 5.9 (EMPLOYMENT):
1. Schluesselperson [Name], Position [X], CoC-Recht zur ausserordentlichen Kuendigung bei > 50 % Anteilswechsel; Vertragsanlage [Nr.]
2. Betriebliche Altersversorgung: Rueckdeckungsversicherung [Versicherungsgesellschaft]; Volumen [EUR]
ZU SCHEDULE 5.11 (TAX):
1. Offene Betriebspruefung fuer Zeitraum [Jahr-Jahr]; Finanzamt [Name]; Sachstand: [Beschreibung]
[Weiterer Abschnitt je Warranty-Kategorie]
KENNTNIS-DEFINITION (KNOWLEDGE QUALIFIER)
"Best Knowledge des Verkaefers" bedeutet: tatsaechliche Kenntnis folgender Personen: [LISTE NAMES/FUNCTIONS]
nach vernaenftiger Nachforschung.
Rote Schwellen
- Bekannte Arglist-Risiken nicht offenbart → § 444 BGB; keine Haftungsfreizeichnung
- Allgemeiner Verweis auf Datenraum statt konkreter Disclosure → OLG Frankfurt: keine wirksame Disclosure
- Bring-Down-Disclosure bei Closing vergessen → Warranty-Verletzung fuer Ereignisse zwischen Signing und Closing
- Materiality-Schwelle zu hoch gesetzt → kleinere Risiken nicht offenbart; spaeter Streit
- Anti-Sandbagging falsch ausgelegt → Kaeufer-Kenntnis schliesst Ansprueche nicht aus wenn vertraglich so vereinbart
Quellen
- § 444, 311 II, 442, 453 BGB
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
- Quellenregel: Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff; keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen.
- Holzapfel/Poellath, Unternehmenskauf (16. Aufl. 2022) Kap. 10
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