Nachtragsmanagement § 650b BGB
Nachtragsforderungen des Unternehmers nach § 650b BGB anmelden: Mehrverguetung bei Aenderungsanordnung. Normen: §§ 650b 650c BGB, §§ 1 2 VOB/B. Prüfraster: Aenderungsanordnung, Mehr- oder Minderkosten, Ankündigungspflicht, Verhandlung. Output: Nachtragsbegründung und Preisanpassungsrechnung. Abgrenzung: nicht Bauzeitverzoegerung.
Nachtragsmanagement § 650b BGB
Mandantenfragen beim Kaltstart
- Welcher Vertragstyp — BGB-Bauvertrag § 650a BGB (seit 01.01.2018), Verbraucherbauvertrag § 650i ff. BGB oder VOB/B-Bauvertrag? Bei VOB/B: wirksam als Ganzes einbezogen?
- Was ist der konkrete Anlass des Nachtrags — Änderung Werkerfolg (§ 650b Abs. 1 Nr. 1 BGB) oder zusätzliche Leistung notwendig (§ 650b Abs. 1 Nr. 2 BGB)?
- Liegt eine schriftliche Anordnung des Auftraggebers vor? Wurden Verhandlungen über Vergütungsanpassung aufgenommen?
- Ist die 30-Tage-Verhandlungsfrist für Eilantrag § 650d BGB bereits abgelaufen?
- Welche konkreten Mehrkosten entstehen (Material, Lohn, Geräte, Bauzeitverlängerung)?
- Wurde Behinderungsanzeige nach § 6 Abs. 1 VOB/B / analog § 642 BGB rechtzeitig gestellt?
- Gibt es Kalkulationsunterlagen aus dem Ursprungsangebot für die Kostenbasis nach § 2 Abs. 5 VOB/B?
- Besteht Eilbedürftigkeit — drohende Insolvenz Auftraggeber, Fertigstellungstermin überschritten, Subunternehmer unter Zeitdruck?
- Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)
Rechtsgrundlagen
| Norm | Inhalt |
|---|---|
| § 650a BGB | BGB-Bauvertrag — Schriftformempfehlung; Abgrenzung zu Werkvertrag §§ 631 ff. |
| § 650b BGB | Anordnungsrecht Besteller — Änderung des vereinbarten Werkerfolgs (Nr. 1) oder notwendige Leistungsänderung (Nr. 2); Verhandlungspflicht; Zumutbarkeit |
| § 650c BGB | Vergütungsanpassung — auf Basis tatsächlicher Kosten; 80-Prozent-Abrechnungsrecht Abs. 3 ohne Einigung |
| § 650d BGB | Gerichtlicher Eilantrag — einstweilige Verfügung; ab 30 Tage erfolglosen Verhandlungen; Eilbedürftigkeit |
| § 650i ff. BGB | Verbraucherbauvertrag — besonderer Schutz; Widerruf; Baubeschreibungspflicht |
| § 642 BGB | Annahmeverzug Besteller — Entschädigung ohne Verschuldensnachweis bei Mitwirkungspflichtverletzung |
| § 313 BGB | Wegfall Geschäftsgrundlage — bei außergewöhnlichem Kostensprung (selten anwendbar) |
| § 2 Abs. 5 VOB/B | Mehrvergütung bei Änderung des Bauentwurfs — Kalkulation aus ursprünglichem Angebot |
| § 2 Abs. 6 VOB/B | Vergütung für nicht beauftragte Leistungen — Zustimmungspflicht AG |
| § 2 Abs. 7 VOB/B | Einheitspreisvertrag — Masseänderungen; Preisanpassungsrecht bei > 10 % Abweichung |
| § 6 Abs. 1 VOB/B | Behinderungsanzeige — schriftlich, unverzüglich; Voraussetzung für Anspruch |
| § 6 Abs. 2 VOB/B | Bauzeitverlängerung um Behinderungsdauer plus Anlaufzeit |
| § 6 Abs. 6 VOB/B | Schadensersatz bei Verschulden des Auftraggebers — inkl. entgangener Gewinn |
Leitentscheidungen (Stand 05/2026)
Wichtige Linien (jedes Aktenzeichen vor Ausgabe ueber dejure.org / bundesgerichtshof.de mit Datum und Norm verifizieren):
- BGH VII. Zivilsenat: Mehrvergütung VOB/B § 2 Abs. 5 / Abs. 6 — Tendenz seit 2019 zur Berechnung auf Grundlage der tatsaechlich erforderlichen Kosten zuzueglich angemessener Zuschlaege (Aufgabe einer rein „vorkalkulatorischen" Preisfortschreibung). Konkretes Eckurteil (BGH 08.08.2019) vor Ausgabe ueber bundesgerichtshof.de mit Aktenzeichen verifizieren.
- BGH zum BGB-Bauvertrag § 650c BGB seit 2018: Berechnung der Mehrverguetung primaer kostenorientiert (tatsaechliche Selbstkosten + AGK + WuG); Wahlrecht des AN auf Urkalkulationsabgleich nur bei nachgewiesenem Auseinanderfallen — vor Ausgabe konkrete Entscheidung verifizieren.
- Behinderungsanzeige § 6 VOB/B: stehende Rspr. fordert konkrete Behinderungsursache, Beginn und voraussichtliche Dauer; Pauschalhinweis genuegt nicht — OLG-Linien siehe oeffentliche Entscheidungsdatenbanken der OLG (z. B. olg-duesseldorf.nrw.de).
Live-Verifikation Pflicht ueber dejure.org / bundesgerichtshof.de / olg-...nrw.de bzw. die jeweilige Landesjustiz-Datenbank.
Prüfschema — Nachtragsanspruch im Überblick
Vorab: Der untenstehende Workflow ist die typische Standardlinie. Wenn die Mandantenlage abweicht (siehe "Strategische Optionen" oben), sind die Schritte entsprechend zu verkuerzen, umzustellen oder durch ein anderes Skill zu ersetzen — der Workflow ist Leitfaden, nicht Pflichtprogramm.
| Schritt | Prüfpunkt | Norm | Folge |
|---|---|---|---|
| 1 | BGB-Bauvertrag oder VOB/B? | §§ 650a, 305 BGB | Anwendbares Regelwerk |
| 2 | Änderungsanordnung des AG schriftlich? | § 650b Abs. 1, § 650a BGB | Schriftlichkeit Voraussetzung |
| 3 | Zumutbarkeit für AN? | § 650b Abs. 1 Satz 2 BGB | AN kann verweigern bei Unzumutbarkeit |
| 4 | Verhandlungen über Vergütungsanpassung aufgenommen? | § 650b Abs. 2 BGB | Pflicht zur Verhandlung vor Eilantrag |
| 5 | Einigung über Nachtragsvergütung? | § 650c BGB | Schriftliche Vereinbarung; sonst 80-%-Recht |
| 6 | Keine Einigung — 80-%-Abrechnungsrecht genutzt? | § 650c Abs. 3 BGB | AN kann 80 % abrechnen; AG zahlt Vorbehalt |
| 7 | Eilantrag nach 30 Tagen § 650d BGB? | § 650d BGB | Einstweilige Verfügung auf vorläufige Vergütung |
| 8 | Behinderungsanzeige § 6 VOB/B / § 642 BGB? | § 6 Abs. 1 VOB/B | Ohne Anzeige Verlust Bauzeitverlängerung |
| 9 | Verjährung Vergütungsanspruch? | § 195 BGB (3 Jahre) | Klage oder Mahnbescheid vor Fristablauf |
Schritt 1 — Vertragsgrundlage und Anordnungsrecht
BGB § 650b — Zwei-Tatbestände-System
Tatbestand 1 (§ 650b Abs. 1 Nr. 1 BGB): Besteller ordnet Änderung des vereinbarten Werkerfolgs an.
- Beispiele: Größenänderung, Materialwechsel, Ausführungsänderung
- AN muss ausführen, wenn zumutbar
- Vergütungsanpassung zwingend (§ 650c BGB)
Tatbestand 2 (§ 650b Abs. 1 Nr. 2 BGB): Änderung notwendig zur Erreichung des vereinbarten Werkerfolgs.
- Beispiele: unvorhergesehene Bodenverhältnisse, fehlende Plangrundlagen, technische Notwendigkeit
- AN muss ausführen wenn zumutbar
- Vergütungsanpassung nach § 650c BGB
Zumutbarkeits-Vorbehalt:
- AN kann Ausführung verweigern wenn betriebsorganisatorisch oder technisch unzumutbar
- Ablehnungserklärung schriftlich und unverzüglich
- Beispiele: Leistung technisch nicht machbar; Kapazitäts-Überbelastung
VOB/B § 2 Abs. 5 — Parallelregelung
- Anwendbar bei wirksam einbezogener VOB/B
- Mehrvergütung bei Änderung des Bauentwurfs
- Basis: Kalkulationsgrundlagen des ursprünglichen Angebots
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Schritt 2 — Vergütungsberechnung § 650c BGB
Berechnungsmethoden im Überblick
| Methode | Anwendung | Grundlage |
|---|---|---|
| Kostenbasierte Berechnung | BGB-Bauvertrag § 650c Abs. 1 | Tatsächliche Selbstkosten + AGK + WuG |
| Kalkulationsbasierte Berechnung | VOB/B § 2 Abs. 5 | Kalkulationslinie Ursprungsangebot |
| 80-%-Abrechnung | § 650c Abs. 3 BGB bei Nicht-Einigung | 80 % des angebotenen Nachtragspreises |
Kalkulations-Positionen (Selbstkosten-Berechnung)
Nachtragsposition — Selbstkostenkalkulation
I. Lohnkosten
Stundenanzahl: [X] h
Stundensatz brutto: EUR [Y]/h (inkl. SV-Anteile + Zulagen)
Gesamt: EUR [A]
II. Materialkosten
Einkaufspreise: EUR [B] netto
Lager-/Handlingszuschlag [5–10 %]: EUR [C]
Gesamt: EUR [D]
III. Gerätekosten
Mietkosten/AfA: EUR [E] (Geräteliste)
Betriebskosten: EUR [F]
Gesamt: EUR [G]
IV. Nachunternehmerkosten
NU-Angebot netto: EUR [H]
Verwaltungszuschlag [5 %]: EUR [I]
Gesamt: EUR [J]
V. Allgemeine Geschäftskosten (AGK)
Prozentsatz aus Ursprungsangebot: [X]%
Basis: I+II+III+IV = EUR [K]
AGK [X]%: EUR [L]
VI. Wagnis und Gewinn (WuG)
Prozentsatz aus Ursprungsangebot: [X]%
WuG: EUR [M]
GESAMTNETTO: EUR [Summe]
USt 19%: EUR [Summe]
GESAMTBRUTTO: EUR [Summe]
Massenänderung VOB/B § 2 Abs. 7
- Bei > 10 % Mengenabweichung einer Position: Preisanpassungsrecht
- Auf Antrag einer der Parteien
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Schritt 3 — 80-Prozent-Abrechnungsrecht § 650c Abs. 3 BGB
Voraussetzung:
- AN hat Nachtragsangebot gemäß § 650c Abs. 1 BGB erstellt
- AG hat Angebot nicht oder nicht vollständig angenommen
- Leistung ist ausgeführt oder ausführbar
Inhalt:
- AN darf 80 % der angebotenen Nachtragsvergütung in Abschlagsrechnung stellen
- AG zahlt unter Vorbehalt
- Endabrechnung nach Abnahme (vollständige Nachtragsabrechnung)
Verfahren:
- Nachtragsangebot erstellen (vollständige Kalkulation)
- AG lehnt ab oder keine Einigung nach 30 Tagen
- AN stellt Abschlagsrechnung mit 80 % der Nachtragssumme
- AG zahlt unter Vorbehalt weiterer Prüfung
Schritt 4 — Behinderungsanzeige (Voraussetzung Bauzeitverlängerung)
§ 6 Abs. 1 VOB/B — Pflichten:
- Schriftlich (auch E-Mail mit Lesebestätigung)
- Unverzüglich bei Erkennen (Praxis: binnen 48–72 h)
- Konkrete Beschreibung der Behinderungsursache
- Voraussichtliche Dauer und Auswirkung
Ohne Behinderungsanzeige:
- Anspruch auf Bauzeitverlängerung entfällt (§ 6 Abs. 1 Satz 2 VOB/B)
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
- Schadenersatzanspruch § 6 Abs. 6 VOB/B bleibt bei Verschulden AG bestehen
§ 642 BGB — Annahmeverzug (BGB-Vertrag):
- AG kommt in Annahmeverzug wenn Mitwirkung unterbleibt
- Entschädigung ohne Verschuldensnachweis
- Höhe: angemessene Vergütung + ersparte Aufwendungen
Schritt 5 — Gerichtlicher Eilantrag § 650d BGB
Voraussetzungen:
- Parteien haben mindestens 30 Tage verhandelt ohne Einigung
- Bei Eilbedürftigkeit (drohender Bauverzug, Insolvenzgefahr) auch früher
- Antrag auf einstweilige Verfügung auf vorläufige Vergütungszahlung
Inhalt Eilantrag:
- Bescheinigung des Verhandlungsversuchs (E-Mails, Protokolle)
- Kostennachweis (Kalkulation, Belege)
- Eilbedürftigkeit begründen (z.B. Liquiditätsengpass, drohende Insolvenz)
Besonderheit: § 650d BGB schließt für Baurechtsstreitigkeiten den Verfügungsgrund der Dringlichkeit nicht aus — eigene Tatbestandsvoraussetzungen.
Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)
Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.
| Konstellation | Empfohlener Weg |
|---|---|
| Standard — Nachtragsanspruch nach § 650b BGB oder VOB/B geltend machen | Fuenfstufiges Schema; Bausteine unten |
| Variante A — Auftraggeber bestreitet Anordnung | 80-Prozent-Abrechnungsrecht § 650c Abs. 3 BGB nutzen |
| Variante B — Streit ueber Vergaetungshoehe | Kalkulations-Methode OffMat-Vergleich; Gerichtsgutachten antizipieren |
| Variante C — eilige Bauzeitverlaengerung noetig | Gerichtlicher Eilantrag § 650d BGB; kurzfristig stellen |
Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.
Schriftsatz-Bausteine
Behinderungsanzeige § 6 Abs. 1 VOB/B
An die [Auftraggeberin / Bauleitung]
Bauvorhaben [Objekt] Vertrag-Nr. [Nr.]
Behinderungsanzeige § 6 Abs. 1 VOB/B
[Datum]
Sehr geehrte Damen und Herren,
namens und in Vollmacht des Auftragnehmers zeigen wir
folgende Behinderung der Bauausführung an:
I. Sachverhalt
Beginn der Behinderung: [Datum, Uhrzeit]
Ursache: [konkrete Beschreibung — z.B. fehlende
Planlieferung Ausführungsplan Nr. XX,
nicht fertiggestelltes Vorgewerk Gewerk Y,
Anordnung Auftraggeber vom [Datum]]
Betroffenes Gewerk: [Bezeichnung]
Auswirkung: Vollständiger Stillstand / Teilstillstand
II. Voraussichtliche Folgen
1. Bauzeitverlängerung voraussichtlich [Anzahl] Werktage (§ 6 Abs. 2 VOB/B)
2. Stillstandskosten Personal [Anzahl] Arbeitnehmer × [Tagessatz]
3. Vorhaltekosten Geräte [Beschreibung]
4. Beschleunigungsmaßnahmen ggf. erforderlich
III. Forderungen
Wir behalten uns Geltendmachung von Bauzeitverlängerung und
Mehrvergütung gemäß § 6 Abs. 2 und Abs. 6 VOB/B ausdrücklich vor.
Das Nachtragsangebot wird gesondert eingereicht.
Wir bitten um umgehende Beseitigung der Behinderungsursache
und Rückmeldung bis [Datum].
Anlagen: Bautagebuchauszug, Fotodokumentation, Bauablaufplan SOLL/IST
Nachtragsangebot nach § 650c BGB / § 2 Abs. 5 VOB/B
Nachtragsangebot Nr. [N] vom [Datum]
Bauvorhaben: [Bezeichnung]
Auftraggeber: [Name, Anschrift]
Auftragnehmer: [Name, Anschrift]
Anlass:
Änderungsanordnung des Auftraggebers vom [Datum], Az./Schreiben: [Ref.]
[Kurzbeschreibung der Änderung]
Kalkulationsgrundlage: Selbstkosten nach § 650c Abs. 1 BGB
[alternativ: Kalkulationsgrundlage Ursprungsangebot nach § 2 Abs. 5 VOB/B]
Pos. | Leistungsbeschreibung | Menge | Einheit | EP (EUR) | GP (EUR)
-----|------------------------------|--------|---------|----------|----------
001 | [Beschreibung Mehrleistung] | [X] | [m²/h] | [Y] | [Z]
002 | [Beschreibung Mehrleistung] | [X] | [Stk] | [Y] | [Z]
...
Gesamtnetto: EUR [Summe]
Umsatzsteuer 19%: EUR [Summe]
Gesamtbrutto: EUR [Summe]
Bauzeitverlängerung: [Anzahl] Werktage gemäß anliegender Bauablaufanalyse.
Dieses Angebot gilt 30 Tage. Bei Nichteinigung behalten wir uns
die 80-Prozent-Abrechnung nach § 650c Abs. 3 BGB vor.
[Unterschrift Auftragnehmer]
--- vor Versand klaeren ---
- Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Bestand / Abfindung / Reputation / Schnelle Loesung]
- Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestabfindung / Freistellung / Zeugnisformulierung]
- Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgespraech / Settlement vor Klageerhebung]
Beweislast
| Partei | Beweislastgegenstand | Beweismittel |
|---|---|---|
| Auftragnehmer | Anordnung des Auftraggebers erfolgt | Schriftliche Anordnung, E-Mail, Baubesprechungsprotokoll |
| Auftragnehmer | Kalkulation der Mehrkosten | Kostenaufstellung, Lieferscheine, Stundenzettel |
| Auftragnehmer | Behinderung eingetreten, Datum | Behinderungsanzeige, Bautagebuch |
| Auftragnehmer | Kausalität Bauzeit | Bauablaufplan SOLL/IST, SV-Gutachten |
| Auftraggeber | Nachtrag nicht zumutbar | Technische Unmöglichkeit, wirtschaftliche Unzumutbarkeit |
| Auftraggeber | Eigene Kalkulationsgrundlage (Gegenangebot) | Eigene Kostenschätzung |
Fristen
| Frist | Auslöser | Dauer | Folge |
|---|---|---|---|
| Behinderungsanzeige § 6 Abs. 1 VOB/B | Erkennen Behinderung | Unverzüglich (max. 2–3 Werktage) | Verlust Bauzeitverlängerungsanspruch |
| Verhandlungsfrist vor Eilantrag § 650d | Einreichung Nachtrag | 30 Tage | Nach Ablauf Eilantrag möglich |
| 80-Prozent-Abrechnung | Ablehnung Nachtrag oder Verhandlungsschluss | Ab Ablehnung möglich | Vorläufige Abschlagszahlung |
| Verjährung Vergütungsanspruch | Abnahme | 3 Jahre § 195 BGB | Klage oder Mahnbescheid |
| Verjährung VOB/B-Mehrvergütung | Schlussrechnungsstellung | 3 Jahre allg. | Anspruchsverlust |
Gegenargumente und Reaktion
| Gegenargument Auftraggeber | Reaktion |
|---|---|
| "Leistung war bereits im Vertrag enthalten" | LV-Analyse: Positionsbeschreibung, Leistungsverzeichnis — Abgrenzung zu tatsächlicher Mehrleistung |
| Rechtsprechung live prüfen | keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren |
| "Keine schriftliche Anordnung, nur mündlich" | Baubesprechungsprotokoll, E-Mail-Bestätigung als Beweis; bei VOB/B § 1 Abs. 4: auch konkludente Anordnung |
| "80-Prozent-Abrechnung zu früh" | § 650c Abs. 3 BGB: 30 Tage Verhandlung oder Ablehnung genügt; keine weiteren Fristen |
| "Behinderungsanzeige fehlte" | Offenkundigkeit der Behinderung entbindet von Anzeigepflicht; Dokumentation durch Bautagebuch |
| Rechtsprechung live prüfen | keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren |
Streitwert und Kosten
Streitwert:
- Nachtragsstreitigkeiten typisch EUR 20.000–500.000
- 80-%-Abschlag: 80 % des Nachtragswerts
- Bauzeitverlängerungskosten kumulativ
Gerichtsgebühren Beispiel EUR 100.000 Streitwert:
- LG: ca. EUR 2.571 (3,0 Gebühr)
- RA je Partei: ca. EUR 6.000–8.000 (1,3 VV + Terminsgebühr)
- SV-Bauablaufgutachten: EUR 5.000–20.000
Praktische Wirtschaftlichkeit:
- Eilantrag § 650d BGB bei Nachtrag > EUR 50.000 wirtschaftlich sinnvoll
- Bei kleineren Nachträgen: Bauunternehmer-Spitzenverband-Schlichtung
Strategische Empfehlung
| Strategie | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Dokumentation | Jede Änderungsanordnung sofort schriftlich bestätigen | Beweissicherung; mündliche Anordnungen gehen verloren |
| Nachtragsangebot | Innerhalb 7 Tage nach Anordnung einreichen | Verhindert Streit über Verhandlungsbeginn und 30-Tage-Frist |
| Bautagebuch | Täglich führen mit Unterschrift Bauleitung beider Seiten | Entscheidender Beweis für Behinderung und Kausalität |
| 80-%-Recht | Bei stockenden Verhandlungen frühzeitig anwenden | Liquiditätssicherung; AG ist unter Zugzwang |
| Eilantrag | Bei > EUR 50.000 Nachtragssumme und stockenden Verhandlungen | § 650d BGB als starkes Druckmittel |
| Rechtsprechung live prüfen | Live-Verifikation erforderlich | keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren |
Anschluss-Skills
fachanwalt-bau-architektenrecht-bauablauf-vbg— Behinderungsanzeige und Bauzeitverlängerungfachanwalt-bau-architektenrecht-werkmangel-vob-bgb-pruefen— wenn Nachtragstreit mit Mangelhaftung verbundenfachanwalt-bau-architektenrecht-abnahme-mit-vorbehalt— nach Fertigstellung
Quellen
- BGB §§ 650a–650d, 650i–650v, 642
- VOB/B §§ 1, 2, 6
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
- Werner/Pastor, Der Bauprozess, 16. Aufl.
- Kniffka/Koeble, Kompendium des Baurechts, 5. Aufl.
- Kapellmann/Schiffers, Vergütung und Bauablauf
- Stand: 05/2026
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