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Bauablauf-Störung — Behinderungsanzeige und Mehrkostenforderung

Bauzeitverzoegerung und Bauablaufstoerung nach VOB/B prüfen und geltend machen. Normen: §§ 6 6e VOB/B, §§ 280 286 BGB. Prüfraster: Behinderungsanzeige, Kausalität, Nachweis der Verzoegerung, Schadensberechnung. Output: Nachtragsbegründung Bauverzoegerung. Abgrenzung: nicht Nachtragsmanagement Mehrverguetung.

ID: de.construction.fachanwalt-bau-architektenrecht-bauablauf-vbg Version: 0.1.0 License: Apache-2.0 Author: Klotzkette Language: de Added: 2026-06-01
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Bauablauf-Störung — Behinderungsanzeige und Mehrkostenforderung

Mandantenfragen beim Kaltstart

  1. Welcher Vertragstyp — VOB/B oder BGB-Werkvertrag? VOB/B-Geltung wirksam vereinbart (Übergabe als Ganzes bei Nicht-Unternehmern)?
  2. Welche konkrete Bauablaufstörung — fehlende Planlieferung, hindernde Vorgewerke, Witterung, Anordnung Auftraggeber, Mängel in Vorleistungen, behördliche Verzögerungen?
  3. Wurde Behinderung schriftlich angezeigt (§ 6 Abs. 1 VOB/B oder analog § 642 BGB)? Ohne Anzeige Wegfall des Mehrkostenanspruchs (§ 6 Abs. 1 Satz 2 VOB/B)?
  4. Welche Mehrkosten sind entstanden — Stillstand, Personalvorhaltung, Geräte, Baustelleneinrichtung, Beschleunigung? Liegen Kalkulationsunterlagen vor?
  5. Welche Bauzeitverlängerung wird verlangt und ist sie schon angemeldet, baubegleitend dokumentiert?
  6. Liegt ein Bauablaufplan (SOLL-Bauablauf) mit Balkenplan oder Netzplan vor? Kritischer Pfad bestimmbar?
  7. Wer ist für die Behinderung verantwortlich — Auftraggeber, Architekt, Vorgewerk, Behörde, höhere Gewalt?
  8. Besteht Verschulden des Auftraggebers (§ 6 Abs. 6 VOB/B-Schadensersatz) oder nur Annahmeverzug ohne Verschulden (§ 642 BGB-Entschädigung)?
  • Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)

Rechtsgrundlagen

Norm Inhalt
§ 6 Abs. 1 VOB/B Behinderungsanzeige — schriftlich, unverzüglich; Voraussetzung für Bauzeitverlängerung und Mehrvergütung
§ 6 Abs. 2 VOB/B Bauzeitverlängerung — um Dauer der Behinderung plus Wartezeit plus Wiederanlaufzeit
§ 6 Abs. 6 VOB/B Schadensersatz bei Verschulden Auftraggeber — nachweisliche Schäden inkl. entgangener Gewinn
§ 642 BGB Annahmeverzug Besteller — kein Verschulden erforderlich; angemessene Entschädigung
§ 643 BGB Kündigung bei Unterlassen der Mitwirkung nach Nachfrist
§ 1 Abs. 3 VOB/B Änderungsanordnung des Auftraggebers — Pflicht zur Ausführung
§ 2 Abs. 5 VOB/B Mehrvergütung bei Bauentwurfsänderung — Kalkulation aus Ursprungsangebot
§ 2 Abs. 6 VOB/B Vergütung nicht beauftragter Leistungen
§ 650b BGB Anordnungsrecht Besteller (BGB-Bauvertrag) seit 2018
§ 650c BGB Vergütungsanpassung — Selbstkosten; 80-%-Abrechnung
§ 287 ZPO Schadensschätzung — erleichterte Schätzung wenn Grundlage vorhanden

Leitentscheidungen (Stand 05/2026)

Stehende BGH-Linien zur Bauablaufstoerung (Aktenzeichen vor Ausgabe ueber dejure.org / bundesgerichtshof.de verifizieren):

  • BGH VII. Zivilsenat: § 6 Abs. 6 VOB/B — Mehrkostenanspruch setzt Verschulden des Auftraggebers voraus; Behinderungsanzeige § 6 Abs. 1 VOB/B als Anspruchsvoraussetzung; konkrete Substantiierungspflicht (Ursache, Beginn, Dauer, Kausalitaet)
  • BGH zu § 642 BGB — Annahmeverzugsentschaedigung unabhaengig von Verschulden; Voraussetzung: Mitwirkungspflichtverletzung Besteller (BGH 24.01.2013 VII ZR 224/12, dejure.org/2013,1063 — verifiziert)
  • BGH zur VOB/B § 2 Abs. 5 Mehrverguetung: Tendenz zur Berechnung anhand der tatsaechlich erforderlichen Kosten zuzueglich angemessener Zuschlaege (Aufgabe der reinen urkalkulatorischen Preisfortschreibung) — Eckentscheidung BGH 08.08.2019 (VII ZR-Senat); konkretes Aktenzeichen vor Ausgabe ueber bundesgerichtshof.de verifizieren
  • Konkretisierung der Substantiierungsanforderungen bei Bauzeitverlaengerungs- und Mehrkostenansprueechen — laufende Senatsrechtsprechung; vor Ausgabe per dejure.org pruefen

Prüfschema — Mehrkostenanspruch bei Bauablaufstörung

Vorab: Der untenstehende Workflow ist die typische Standardlinie. Wenn die Mandantenlage abweicht (siehe "Strategische Optionen" oben), sind die Schritte entsprechend zu verkuerzen, umzustellen oder durch ein anderes Skill zu ersetzen — der Workflow ist Leitfaden, nicht Pflichtprogramm.

Schritt Prüfpunkt Norm Ergebnis
1 Behinderungstatbestand vorhanden? (Störungsursache, Datum, Dauer) § 6 Abs. 1 VOB/B Grundlage für Anzeige
2 Behinderungsanzeige schriftlich und unverzüglich? § 6 Abs. 1 Satz 1 VOB/B Anspruchserhalt; bei Fehlen: Anspruchsverlust
3 Offenkundigkeit als Ausnahme von Anzeigepflicht? § 6 Abs. 1 Satz 2 VOB/B AG kannte Behinderung selbst → Anzeige entbehrlich
4 Substantiierungs-Anforderung (Ursache, Beginn, Dauer)? stehende BGH-Rspr. VII. Zivilsenat konkrete Behinderungstat substantiieren
5 Verschulden des Auftraggebers? § 6 Abs. 6 VOB/B Ja → Schadensersatz inkl. Gewinn; Nein → § 642 BGB-Entschädigung
6 Höhe der Mehrkosten bezifferbar? § 287 ZPO Kalkulation oder SV-Schätzung
7 Bauzeitverlängerung korrekt angemeldet (Ende der Behinderung angezeigt)? § 6 Abs. 3 VOB/B Ohne Endanzeige: Pauschalisierungsgefahr
8 Verjährung (3 Jahre § 195 BGB / Vergütungsanspruch)? § 195 BGB Klage oder Mahnbescheid

Ursachen-Systematik der Bauablaufstörung

Auftragnehmer-nahe Störungsursachen (kein Anspruch)

  • Eigene schlechte Organisation oder Personalplanung
  • Fehler im eigenen Gewerk
  • Lieferverzögerungen beim eigenen Lieferanten

Auftraggeber-nahe Störungsursachen (Anspruch auf Mehrvergütung + Bauzeitverlängerung)

Ursache Norm Anspruch
Fehlende Planlieferung § 3 Abs. 1 VOB/B § 642 BGB Entschädigung; § 6 Abs. 6 VOB/B bei Verschulden
Nicht freigemachte Baustelle § 3 Abs. 2 VOB/B § 642 BGB; ggf. § 6 Abs. 6 VOB/B
Hinderndes Vorgewerk § 4 Abs. 1 VOB/B § 6 Abs. 6 VOB/B bei Verschulden AG
Änderungsanordnung § 1 Abs. 3 VOB/B § 2 Abs. 5 VOB/B Mehrvergütung
Behördliche Verzögerung (von AG zu vertreten) § 6 Abs. 2 Nr. 1 lit. b VOB/B Bauzeitverlängerung + Mehrkosten
Zahlungsverzug AG (führt zu Baustopp) § 16 Abs. 5 VOB/B Leistungsverweigerung + Schadensersatz

Neutral (Bauzeitverlängerung, kein Schadensersatz)

Ursache Norm Anspruch
Ungewöhnliche Witterung § 6 Abs. 2 Nr. 1 lit. c VOB/B Nur Bauzeitverlängerung, kein Mehrkostenanspruch
Höhere Gewalt § 6 Abs. 2 Nr. 1 lit. c VOB/B Nur Bauzeitverlängerung

Der BGH (VII. Zivilsenat) verlangt in staendiger Senatsrechtsprechung Substantiierung bei Bauzeitverlaengerungs- und Mehrkostenansprueechen. Konkrete Aktenzeichen vor Ausgabe ueber dejure.org / bundesgerichtshof.de verifizieren.

Der BGH verlangt für Mehrkostenansprüche bei Bauablaufstörungen:

1. Ursprünglicher Bauablaufplan (SOLL)

  • Balkenplan oder Netzplan mit konkreten Ausführungszeiten je Gewerk
  • Kritischer Pfad erkennbar
  • Vor Baubeginn oder kurz nach Auftragserteilung erstellt

2. Ist-Bauablauf

  • Dokumentation tatsächlicher Ausführungszeiten
  • Quelle: Bautagebücher, Lieferscheine, Stundenzettel

3. SOLL/IST-Vergleich

  • Gegenüberstellung der Positionen
  • Nachweis: Welche Behinderung hat welche Verzögerung verursacht?
  • Einfluss auf kritischen Pfad nachgewiesen?

4. Kausalität der Störung

  • Nicht jede Störung führt zu Bauzeitverlängerung (nur kritischer Pfad)
  • Parallele Störungen: Gesamtwirkung zu bewerten

Praxis-Hinweis: Ohne qualifiziertes SV-Gutachten bei komplexen Bauablaufstörungen kaum gerichtlich durchsetzbar. Baurechts-SV frühzeitig einschalten.

Mehrkostenkalkulation (Schema)

MEHRKOSTENKALKULATION — Bauablaufstörung

Störungszeitraum: [Datum von] bis [Datum bis]
Behinderungsursache: [Beschreibung]
Betroffenes Gewerk: [Bezeichnung]

A. STILLSTANDSKOSTEN PERSONAL
   [X] Facharbeiter × [Y] Tage × EUR [Z] Tagessatz = EUR [Summe]
   [X] Geräteführer × [Y] Tage × EUR [Z] Tagessatz = EUR [Summe]
   Vorarbeiter [X] × [Y] × EUR [Z]                 = EUR [Summe]
   GESAMT PERSONAL:                                   EUR [A]

B. VORHALTEKOSTEN GERÄTE
   Gerät 1 [Beschreibung]: [X] Tage × EUR [Tagesmiete/AfA] = EUR [Summe]
   Gerät 2 [Beschreibung]: [X] Tage × EUR [Tagesmiete/AfA] = EUR [Summe]
   GESAMT GERÄTE:                                           EUR [B]

C. BAUSTELLENEINRICHTUNG-MEHRVORHALTUNG
   [Kran/Containeranlage/Zäune]: [X] Tage × EUR [Y] = EUR [Summe]
   GESAMT BE:                                          EUR [C]

D. MATERIALPREISINDEXIERUNG
   Anwendbar wenn Verzögerung > 6 Monate
   Preisindex [Quelle: Statistisches Bundesamt/Baupreisindex]
   Delta: [X] % × Materialkostenbasis EUR [Y] = EUR [Summe]
   GESAMT MATERIAL:                             EUR [D]

E. ALLGEMEINE GESCHÄFTSKOSTEN (AGK)
   Prozentsatz aus Ursprungsangebot: [X] %
   Basis A+B+C+D: EUR [Y] × [X]% = EUR [Summe]

F. WAGNIS UND GEWINN (nur bei § 6 Abs. 6 VOB/B-Verschulden)
   [X]% aus Ursprungsangebot × Basis EUR [Y] = EUR [Summe]

G. BAULEITUNGS-MEHRKOSTEN
   Polier/Bauleiter: [X] Tage × EUR [Tagessatz] = EUR [Summe]

GESAMTMEHRKOSTEN NETTO: EUR [Summe A+B+C+D+E+F+G]
USt 19%:                EUR [Summe]
GESAMTMEHRKOSTEN BRUTTO: EUR [Summe]

Bauzeitverlängerung: [Anzahl] Werktage
Angepasster Fertigstellungstermin: [Datum]

Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)

Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.

Konstellation Empfohlener Weg
Standard — Bauablaufstoerung und Mehrkostenanspruch geltend machen Behinderungsanzeige und Mehrkostenforderung nach Bausteinen unten
Variante A — Stoerung durch Auftragnehmer selbst verursacht Kein Mehrkostensanspruch; defensiv argumentieren
Variante B — Auftraggeber teilweise mitverantwortlich Mitverschuldens-Quote bestimmen; Vergleich auf halber Strecke
Variante C — laufendes Bauvorhaben mit weiteren Stoerungen Laufende Dokumentation sichern; Behinderungsanzeige zeitnah stellen

Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.

Schriftsatz-Bausteine

Behinderungsanzeige § 6 Abs. 1 VOB/B

An die [Auftraggeberin / Bauleitung]
Bauvorhaben [Objekt] Vertragsnummer [Nr.]

Behinderungsanzeige gemäß § 6 Abs. 1 VOB/B
[Ort], [Datum]

Sehr geehrte Damen und Herren,

namens und in Vollmacht der Firma [Auftragnehmer] zeigen wir
hiermit folgende Behinderung der Bauausführung an:

I. Sachverhalt der Behinderung
Beginn der Behinderung:  [Datum, Uhrzeit]
Ursache:                 [konkrete Beschreibung —
                          z.B.: Ausführungsplan Pos. [Nr.]
                          wurde trotz Anforderung vom [Datum]
                          nicht geliefert / Vorgewerk [Gewerk]
                          ist am [Datum] nicht abgeschlossen /
                          Anordnung des AG vom [Datum]]
Verantwortlicher:        [Auftraggeber / Architekt / Vorgewerk]
Auswirkung:              [Gewerk] kann nicht ausgeführt werden.

II. Folgen der Behinderung
1. Bauzeitverlängerung voraussichtlich [Anzahl] Werktage (§ 6 Abs. 2 VOB/B)
2. Stillstandskosten Personal [Anzahl] Arbeitnehmer
3. Vorhaltekosten Geräte [Bezeichnung]
4. Ggf. Beschleunigungskosten nach Beseitigung der Behinderung

III. Anforderungen
Wir fordern Sie auf, die Behinderungsursache bis zum [Datum]
zu beseitigen und die Ausführungsplanung zu übermitteln.

Wir behalten uns ausdrücklich vor:
— Bauzeitverlängerung nach § 6 Abs. 2 VOB/B
— Mehrkostenforderung nach § 6 Abs. 6 VOB/B / § 642 BGB

Das Nachtragsangebot zur Mehrkostenforderung wird gesondert
übermittelt.

Anlagen:
— Bautagebuchauszug vom [Datum]
— Bauablaufplan SOLL mit kritischem Pfad
— Schriftverkehr Planlieferungs-Anforderung vom [Datum]

Mehrkostenforderungsschreiben nach Beseitigung der Behinderung

An die [Auftraggeberin]
Bauvorhaben [Objekt]

Mehrkostenforderung gemäß § 6 Abs. 6 VOB/B / § 642 BGB

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Behinderungsanzeige vom [Datum] haben wir die Behinderung
der Bauausführung durch [Ursache] angezeigt.

Die Behinderung bestand vom [Datum von] bis [Datum bis]
([Anzahl] Werktage). Wir machen folgende Mehrkosten geltend:

Mehrkosten gemäß anliegender Kalkulation:   EUR [Summe] netto
Umsatzsteuer 19 %:                          EUR [Summe]
Mehrkosten gesamt brutto:                   EUR [Summe]

Bauzeitverlängerung:                        [Anzahl] Werktage
Neuer Fertigstellungstermin:                [Datum]

Wir fordern Sie auf, den Nettobetrag von EUR [Summe] bis
[Zahlungsziel, 21 Tage] auf unser Konto zu überweisen.

Nach Fristablauf werden wir gerichtliche Schritte einleiten.

Anlagen: Kalkulation, Bautagebücher, SOLL/IST-Vergleich

--- vor Versand klaeren ---

  1. Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Bestand / Abfindung / Reputation / Schnelle Loesung]
  2. Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestabfindung / Freistellung / Zeugnisformulierung]
  3. Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgespraech / Settlement vor Klageerhebung]

Beweislast

Partei Beweislastgegenstand Beweismittel
Auftragnehmer Behinderung eingetreten, konkreter Zeitpunkt Bautagebuch, Behinderungsanzeige, E-Mail-Korrespondenz
Auftragnehmer Verantwortlichkeit des Auftraggebers Planlieferungsliste, Besprechungsprotokoll
Auftragnehmer Behinderung auf kritischem Pfad Bauablaufplan SOLL, SV-Bauablaufgutachten
Auftragnehmer Höhe der Mehrkosten Stundenzettel, Gerätelisten, Kalkulation
Auftragnehmer Bei § 6 Abs. 6 VOB/B: Verschulden des AG Nachweisliche Pflichtverletzung des AG
Auftraggeber Offenkundigkeit (Entlastung von Anzeigepflicht) Eigene Kenntnis der Behinderung
Auftraggeber Keine Kausalität (Behinderung nicht auf kritischem Pfad) Eigene Bauablaufanalyse

Fristen

Frist Auslöser Dauer Folge
Behinderungsanzeige Erkennen Behinderung Unverzüglich (max. 48–72 h) Verlust Bauzeitverlängerung und Mehrkostenrecht
Anzeige Ende Behinderung Wegfall Behinderungsursache Unverzüglich § 6 Abs. 3 VOB/B Genauer Fristbeginn Bauzeitverlängerung
Mehrkostenforderung Abnahme / Schlussrechnung Vor Schlussrechnung Vergütungsanspruch abgeschnitten wenn in Schlussrechnung nicht enthalten (§ 16 Abs. 3 Nr. 2 VOB/B)
Verjährung Vergütungsanspruch Fälligkeit Schlussrechnung 3 Jahre § 195 BGB Anspruchsverlust

Gegenargumente und Reaktion

Gegenargument Auftraggeber Reaktion
"Behinderungsanzeige fehlte oder zu spät" Offenkundigkeit als Ausnahme; subsidiär: Kausalität fehlende Anzeige und Schaden nachweisen (BGH VII. Senat-Linie; konkretes Aktenzeichen verifizieren)
"Pauschale Bezugnahme genügt nicht" Stehende BGH-Rspr.: konkrete Behinderungsursache, Beginn, voraussichtliche Dauer pflicht; Aktenzeichen vor Ausgabe verifizieren
"Mehrkosten überhöht" Detaillierte Kalkulation nach Gerätelisten, Stundenzettel; § 287 ZPO-Schätzung
"Kein Verschulden (§ 6 Abs. 6 VOB/B)" Subsidiär § 642 BGB-Entschädigung ohne Verschulden; nur Gewinnkomponente entfällt
"AN hat mitverschuldet" § 254 BGB: Mitverschuldensquote prüfen; AN muss Schaden minimieren (z.B. Ressourcen umleiten)
"Witterung ist allgemeines Risiko" § 6 Abs. 2 Nr. 1 lit. c VOB/B: nur ungewöhnliche Witterung berechtigt zur Verlängerung; statistischer Nachweis

Streitwert und Kosten

Typische Streitwerte:

  • Kleinbauvorhaben EUR 10.000–50.000
  • Mittelgroße Projekte EUR 50.000–500.000
  • Großprojekte und Infrastruktur EUR 500.000–5 Mio.

SV-Gutachten Bauablauf: EUR 5.000–30.000 je Komplexität

Gerichtsgebühren bei EUR 100.000: ca. EUR 2.571 (3,0 Gebühr LG)

Strategische Empfehlung

Strategie Empfehlung Begründung
Bautagebuch Täglich führen, von Bauleitung beider Seiten gegenzeichnen lassen Entscheidender Beweis; nachträgliche Rekonstruktion kaum möglich
Substantiierung Konkreter Behinderungstatbestand mit Beginn, Ursache, Dauer (BGH VII ZR 11/16, 30.11.2017) Pauschale Anzeige genuegt nicht
Behinderungsanzeige Schriftlich binnen 48 h nach Erkennen; Einschreiben + E-Mail Doppelsicherung Zugang
Frühzeitige SV-Einschaltung Ab erkennbarer Bauzeitverlängerung > 10 Tage BGH-Anforderungen ohne SV kaum erfüllbar
Beschleunigung Nur auf ausdrückliche Anweisung und Vergütungsvereinbarung mit AG Sonst eigenes Kostenrisiko
Schlussrechnung Alle Mehrkosten vollständig in Schlussrechnung aufnehmen § 16 Abs. 3 Nr. 2 VOB/B: nicht aufgenommene Ansprüche verloren

Anschluss-Skills

  • nachtragsmanagement-650b — bei Nachtragsforderung nach § 650b/c BGB
  • fachanwalt-bau-architektenrecht-werkmangel-vob-bgb-pruefen — bei parallelen Mangelansprüchen
  • fachanwalt-bau-architektenrecht-abnahme-mit-vorbehalt — Abnahmephase nach Bauzeitverlängerung

Quellen

  • VOB/B §§ 1, 2, 6, 16
  • BGB §§ 642, 643, 650b, 650c
  • BGH VII ZR 224/12 (24.01.2013) — § 642 BGB Annahmeverzugsentschaedigung (dejure.org/2013,1063)
  • Weitere BGH-VII.-Senat-Linien zur Bauablaufstoerung und VOB/B-Mehrverguetung vor Ausgabe ueber dejure.org / bundesgerichtshof.de mit Aktenzeichen verifizieren
  • Ingenstau/Korbion, VOB-Kommentar, 22. Aufl.
  • Kapellmann/Schiffers, Vergütung und Bauablauf, 7. Aufl.
  • Werner/Pastor, Der Bauprozess, 16. Aufl.
  • Stand: 05/2026

<!-- AUDIT 27.05.2026: Bundle 010 Halluzinations-Reparatur --> <!-- VII ZR 217/13 (behauptet 16.10.2014, Behinderungsanzeige-Anforderungen): NOT_FOUND auf dejure.org — geloescht --> <!-- VII ZR 285/12 (behauptet Datum 06.03.2014, Witterungsbedingungen VOB/B): WRONG_TOPIC — real: Verjaehrungshemmung durch Verhandlungen § 203 BGB, Datum 05.06.2014, NJW 2014, 2716, verifiziert auf dejure.org/2014,14744 — geloescht -->

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