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Rollierende Liquiditätsplanung — 24-Monate-Template

Rollierende 24-Monats-Liquiditaetsplanung nach StaRUG erstellen: Sanierungsberater oder GF braucht Liquiditaets-Forecast. Normen: § 1 StaRUG (24-Monats-Horizont), IDW S 11 (Fortbestehensprognose), IDW S 6 (Sanierungskonzept). Prüfraster: Woechentliche Granularitaet Wochen 1-13, monatliche Granularitaet Monate 14-24, Stresstests, Sensitivitaetsanalysen, StaRUG-konforme Dokumentation. Output Excel-Template Liquiditaetsplanung, Stresstest-Szenarios, Dokumentationsprotokoll. Abgrenzung: Integrierte GuV/Bilanz/CF-Planung siehe integrierte-planung-guv-bilanz-cashflow; Ampel-KPIs siehe kennzahlenset-und-ampelsystem-starug-konform.

ID: de.bankruptcy.rollierende-liquiditaetsplanung-24-monate-template Version: 0.1.0 License: Apache-2.0 Author: Klotzkette Language: de Added: 2026-06-01
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Rollierende Liquiditätsplanung — 24-Monate-Template

Die rollierende Liquiditätsplanung ist das operative Herzstück des § 1 StaRUG-Frühwarnsystems. Sie zeigt nicht nur, wo das Unternehmen heute steht, sondern wo es in zwei Jahren stehen wird — und welche Handlungskorridore noch offen sind. Ohne eine valide 24-Monats-Liquiditätssicht ist die Behauptung, drohende Zahlungsunfähigkeit nicht rechtzeitig erkannt zu haben, im Nachhinein nicht zu entkräften.


Rechtsgrundlagen

  • § 1 StaRUG (Krisenfrüherkennungspflicht, 24-Monats-Horizont)
  • § 18 InsO (drohende Zahlungsunfähigkeit — Prognosezeitraum)
  • § 29 Abs. 2 StaRUG (Zugangsvoraussetzung: drohende ZU muss vorliegen)
  • IDW S 11 Tz. 23 ff. (Liquiditätsstatus und -planung als Basis der Fortbestehensprognose)
  • IDW S 6 (integrierte Planung als Teil des Sanierungskonzepts)
  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

Pflichten

1. Warum zwei Granularitätsstufen?

Die Unterscheidung zwischen wöchentlicher (Wochen 1-13) und monatlicher (Monate 14-24) Granularität ist kein Zufall, sondern Ausdruck der Planungssicherheit:

  • Wochen 1-13 (kurzfristig): Fälligkeiten, Überweisungen, Lohnzahlungen, Steuertermine sind konkret und kurzfristig planbar. Wöchentliche Granularität ist hier Standard und von Banken/Gläubigern erwartet.
  • Monate 14-24 (mittelfristig): Annahmenbasierte Prognose. Monatsgenauigkeit ausreichend und methodisch vertretbar. Zeigt strukturelle Liquiditätsreserven und Refinanzierungsbedarfe.

2. Mindestinhalt der Planung

Der Liquiditätsplan muss enthalten:

Zuflüsse:

  • Umsatzerlöse (nach Debitorenlaufzeiten)
  • Anzahlungen, Vorauszahlungen
  • Fremdfinanzierungen (Kredit-Ziehungen)
  • Subventionen, Förderungen
  • Sonstige betriebliche Erträge mit Zahlungswirkung

Abflüsse:

  • Material-/Wareneinkauf (nach Kreditorenlaufzeiten)
  • Lohn- und Gehaltskosten (inkl. Sozialabgaben)
  • Miete, Leasing
  • Zinsen und Tilgungen
  • Investitionsauszahlungen
  • Steuern und Abgaben (Umsatzsteuer-Vorauszahlung, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer)
  • Sonstige Auszahlungen

Saldo und Kassenbestand:

  • Wöchentlicher/monatlicher Cash-Flow (netto)
  • Kumulierter Kassenbestand
  • Verfügbare Kreditlinien
  • Gesamtliquidität (Kassenbestand + freie Linien)

Vorgehen

Schritt 1: Strukturaufbau des 24-Monats-Plans

PLANSTRUKTUR — ÜBERBLICK

Spalten: [Datum / Woche / Monat]

ZUFLÜSSE
  + Umsatzerlöse brutto
  - USt-Abführung (auf Umsatz)
  + Anzahlungen Kunden
  + Kreditziehungen
  + Sonstige Zuflüsse
  = ZUFLÜSSE GESAMT

ABFLÜSSE
  - Materialeinkauf
  - Personal (netto + AG-Anteile SV)
  - Miete / Leasing
  - Zinsen
  - Tilgung
  - USt-Voranmeldung
  - Investitionen
  - Sonstige Abflüsse
  = ABFLÜSSE GESAMT

NETTO-CASHFLOW = Zuflüsse - Abflüsse

KASSENBESTAND
  + Anfangsbestand
  + Netto-Cashflow
  = Endbestand

KREDITLINIE
  + Verfügbarer Rahmen
  - Inanspruchnahme
  = Freie Kreditlinie

GESAMTLIQUIDITÄT = Endbestand + Freie Kreditlinie

Schritt 2: Wöchentliche Planung (Wochen 1-13)

Für die ersten 13 Wochen wird jede Woche einzeln geplant:

  1. Basis: Offene-Posten-Listen Debitoren und Kreditoren (Stichtag aktuell)
  2. Zahlungsverhalten: Historische DSO (Days Sales Outstanding) und DPO (Days Payable Outstanding) anwenden
  3. Fälligkeiten: Steuertermine, Lohnläufe, Kreditorenzahlungsziele eintragen
  4. Kontokorrent-Check: Wöchentlich prüfen, ob Überziehung droht

Schritt 3: Monatliche Planung (Monate 14-24)

Für den Zeitraum Monat 14-24:

  1. Planprämissen dokumentieren: Umsatzwachstum/-rückgang, Kostenentwicklung, Investitionspläne
  2. Mindestens zwei Szenarien: Base Case + Bear Case (oder mehr)
  3. Refinanzierungsbedarfe explizit kennzeichnen: Wann läuft welche Kreditlinie aus?
  4. Covenants einblenden: Wann werden Finanzkennzahl-Anforderungen überprüft?

Schritt 4: Stresstests definieren und durchrechnen

Stresstest Annahme Typische Auswirkung
Umsatzeinbruch Umsatz minus 20 % über 6 Monate Liquiditätsreichweite reduziert sich um ca. 4-6 Monate
Debitorenlaufzeit DSO steigt von 45 auf 75 Tage Sofortige Liquiditätslücke von ca. 2 Monatsumsätzen
Kreditlinienkündigung Hausbankkredit wird nicht verlängert Refinanzierungslücke in EUR [x] sichtbar
Kostenexplosion Material-/Energiekosten plus 30 % EBITDA-Erosion, ab wann DSCR unter 1,0?

Schritt 5: Plan-Ist-Abweichungsanalyse

Monatlicher Vergleich: Was wurde geplant, was ist eingetreten?

  • Abweichungen > 10 % müssen kommentiert werden
  • Systematische Abweichungen führen zur Planrevision
  • Planrevision wird dokumentiert und von GF unterschrieben

Templates

Muster: Excel-Spaltenstruktur (Auszug Wochen 1-4 + Monat 14)

Kategorie                 | KW01  | KW02  | KW03  | KW04  | ... | M14   | M15
--------------------------|-------|-------|-------|-------|-----|-------|------
ZUFLÜSSE                  |       |       |       |       |     |       |
  Umsatzerlöse (netto)    | [tsd] | [tsd] | [tsd] | [tsd] |     | [tsd] | [tsd]
  Anzahlungen             | [tsd] | [tsd] | [tsd] | [tsd] |     | [tsd] | [tsd]
  Kreditziehung           |       |       |       |       |     |       |
= ZUFLÜSSE GESAMT         | [Sum] | [Sum] | [Sum] | [Sum] |     | [Sum] | [Sum]
                          |       |       |       |       |     |       |
ABFLÜSSE                  |       |       |       |       |     |       |
  Material                | [tsd] | [tsd] | [tsd] | [tsd] |     | [tsd] | [tsd]
  Personal                | [tsd] |       |       | [tsd] |     | [tsd] | [tsd]
  Miete / Leasing         | [tsd] |       |       |       |     | [tsd] | [tsd]
  Zinsen                  |       |       |       |       |     | [tsd] | [tsd]
  Tilgung                 |       |       |       |       |     | [tsd] | [tsd]
  USt-Voranmeldung        | [tsd] |       |       |       |     | [tsd] | [tsd]
  Sonstiges               | [tsd] | [tsd] | [tsd] | [tsd] |     | [tsd] | [tsd]
= ABFLÜSSE GESAMT         | [Sum] | [Sum] | [Sum] | [Sum] |     | [Sum] | [Sum]
                          |       |       |       |       |     |       |
NETTO-CASHFLOW            | [Net] | [Net] | [Net] | [Net] |     | [Net] | [Net]
KASSENBESTAND (Anfang)    | [K]   | [K]   | [K]   | [K]   |     | [K]   | [K]
KASSENBESTAND (Ende)      | [K]   | [K]   | [K]   | [K]   |     | [K]   | [K]
FREIE KREDITLINIE         | [L]   | [L]   | [L]   | [L]   |     | [L]   | [L]
GESAMTLIQUIDITÄT          | [G]   | [G]   | [G]   | [G]   |     | [G]   | [G]

Muster: Planprämissen-Dokumentation

Planprämissen — 24-Monats-Liquiditätsplanung
Gesellschaft: [Firma GmbH]
Erstellt: [Datum]
Freigegeben: [GF-Name], [Datum]

UMSATZ
  Basis: [EUR Vorjahresumsatz]
  Annahme Base Case: [+/- x% p.a.]
  Annahme Bear Case: [+/- x% p.a.]
  Begründung: [___]

DEBITORENLAUFZEIT (DSO)
  Historisch (Ø letzte 12 Monate): [x] Tage
  Annahme Planung: [x] Tage
  Begründung: [___]

KREDITORENLAUFZEIT (DPO)
  Historisch: [x] Tage
  Annahme: [x] Tage

KREDITLINIEN
  Hausbankkredit: EUR [Betrag], läuft bis [Datum]
  Kontokorrentlinie: EUR [Betrag]
  Verlängerungsannahme: [ja/nein/in Verhandlung]

INVESTITIONEN
  Geplante Investitionen: EUR [Betrag] in [Zeitraum]
  Finanzierung: [Eigenmittel / Fremdfinanzierung]

Fallstricke

  1. Plan ohne Planprämissen ist wertlos — Richter und Insolvenzverwalter fragen als erstes: Auf welchen Annahmen beruht dieser Plan? Fehlende Prämissendokumentation ist ein Warnzeichen.

  2. Statischer Plan statt rollierender — ein einmal erstellter 24-Monats-Plan, der nie aktualisiert wird, zeigt nicht den aktuellen Stand. Rollen bedeutet: monatliche Aktualisierung mit Ist-Werten und Neuvorschau.

  3. Nur Ergebnis-Plan ohne Cashflow — viele Unternehmen haben GuV-Planungen, aber keinen Cashflow-Plan. Für § 1 StaRUG und § 18 InsO ist der Cashflow entscheidend, nicht das bilanzielle Ergebnis.

  4. Zu optimistische Planprämissen sind keine "konservative Schätzung" — Gerichte prüfen ex post, ob die Annahmen zum Zeitpunkt der Planung plausibel waren. Überhöhte Umsatzerwartungen ohne Begründung sind Haftungsrisiko.

  5. Kreditlinie als Puffer einplanen, ohne Verlängerungsrisiko zu beachten — ausgelaufene Kreditlinien, die stillschweigend als verlängert angenommen werden, verfälschen die Liquiditätssicht erheblich.


Querverweise

  • fruehwarnsystem-architektur-zwei-jahres-horizont — Systemarchitektur
  • integrierte-planung-guv-bilanz-cashflow — Drei-Statement-Verbindung
  • kennzahlenset-und-ampelsystem-starug-konform — KPI-Schwellen
  • drohende-zahlungsunfaehigkeit-paragraph-18-inso — Prognosezeitraum
  • fortbestehensprognose-zweistufig — IDW S 11-Nutzung der Liquiditätsplanung

Weitere Leitentscheidungen

  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

Triage — Erste Einordnung

Bevor losgelegt wird, klaere:

  1. Krisenstadium? Ertragskrise (EBIT negativ), Liquiditaetskrise (Cashflow negativ) oder akute Insolvenznaehe (ZU/Ueberschuldung)?
  2. Insolvenzgrund? § 17 InsO (ZU), § 18 InsO (drohende ZU), § 19 InsO (Ueberschuldung)?
  3. Fristen? Antragspflicht § 15a InsO: 3 Wochen (ZU), 6 Wochen (Ueberschuldung).
  4. Sanierungs-Pfad? StaRUG (drohende ZU), Schutzschirm, Eigenverwaltung oder Regelverfahren?

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