Prognose-Dokumentation Stichtag
Abschließende Selbstdokumentation der Fortbestehensprognose zum konkreten Stichtag. Enthaelt Ausgangslage Annahmen Plausibilisierung Liquiditaet Szenarien Sanierungsbausteine mit Belegen Gesamtergebnis. Dient als Beleg gegenüber dem Geschäftsleiter dass er aktiv geprüft hat (Haftung § 15b InsO § 43 GmbHG) und gegenüber Gläubigern Banken Patron Steuerberater. Wiedervorlage zur Aktualisierung vierteljaehrlich oder bei wesentlicher Aenderung.
Prognose-Dokumentation Stichtag
Zweck
Die Fortbestehensprognose ist Beweisstück. Bei späterer Insolvenz wird genau geprüft ob der Geschäftsleiter zum Stichtag der Erstellung objektiv eine positive Prognose annehmen durfte. Diese Dokumentation muss als Beweis dienen können.
Pflichtinhalte
Die Dokumentation enthält:
- Stichtag und Anlass
- Bilanzieller Status zum Stichtag mit Aktiva Passiva Eigenkapital Stillen Reserven Stillen Lasten Rangrücktritt
- Insolvenzrechtliche Bilanzbasis mit Rechnung
- Annahmen im Einzelnen mit Belegen und Plausibilisierung
- 12-Monats-Liquidität in Szenarien Basis Negativ Stress
- Sanierungsbausteine mit Status (verbindlich umgesetzt / in Verhandlung / geplant)
- Gesamtergebnis mit Begründung
- Wiedervorlage-Termin
Dokumenten-Vorlage
FORTBESTEHENSPROGNOSE
nach § 19 Abs. 2 InsO
Gesellschaft: [Firma]
HRB: [Nummer], AG [Sitz]
Rechtsform: [GmbH / AG]
Stichtag der Prognose: [Datum]
Erstellt durch: [Geschäftsführer Name]
Prognosehorizont: [Monat plus zwölf Monate]
1. ANLASS
[Aus Skill ausloesendes-ereignis-erfassen — z. B. "Hinweis des Steuerberaters
nach § 102 StaRUG vom [Datum] mit dem Hinweis dass die Bilanz 2025 ein
negatives Eigenkapital von [Betrag] EUR aufweist und eine Fortbestehensprognose
nach § 19 Abs. 2 InsO erstellt werden soll."]
2. BILANZIELLER STATUS
[Aus Skill bilanzieller-status-aufnehmen — als knappe Tabelle mit
Aktiva-Passiva und ausweisbarer bilanzieller Überschuldung.]
3. STILLE RESERVEN UND LASTEN
[Stille Reserven mit Bewertung. Stille Lasten gegengerechnet.]
4. RANGRUECKTRITTE
[Forderungen mit qualifiziertem Rangrücktritt nach § 19 Abs. 2 S. 2 InsO.]
5. INSOLVENZRECHTLICHE BILANZBASIS
[Berechnung Aktiva plus Stille Reserven minus Stille Lasten gegen Passiva
minus Rangrücktritts-Forderungen.]
Ergebnis bilanzielle Prüfung: [positiv / negativ]
Höhe: [Betrag] EUR
6. ANNAHMEN FUER DIE FORTFUEHRUNG
[Aus Skill annahmen-sammeln-fortfuehrung. Pro Annahme:
Bezeichnung — Werte — Begründung — Beleg — Risiko.]
7. PLAUSIBILISIERUNG DER ANNAHMEN
[Aus Skill annahmen-belastbarkeit-plausibilisieren. Pro Annahme:
Band (realistisch / konservativ / ambitioniert / nicht-belastbar) —
Sensitivitaetsszenario.]
8. LIQUIDITAET ZWOELF MONATE
Basis-Szenario: [positiv / negativ / knapp positiv]
Negativ-Szenario: [...]
Stress-Szenario: [...]
[Tabelle mit Monatsendbestaenden je Szenario.]
9. SANIERUNGSBAUSTEINE
[Aus Skill sanierungsbausteine-vorschlagen.
Pro Baustein: Bezeichnung — Höhe — Umsetzungsstatus — Beleg.]
- Patronatserklärung Hauptgesellschafter 200000 EUR — unterzeichnet
am [Datum] — Anlage A1
- Gesellschafterdarlehen 120000 EUR mit qualifiziertem Rangrücktritt —
notariell beurkundet am [Datum] — Anlage A2
- Stundungsvereinbarungen 5 Lieferanten — schriftlich vorhanden am
[Datum] — Anlagen A3 bis A7
10. GESAMTBEWERTUNG
Maßstab: § 19 Abs. 2 InsO — überwiegend wahrscheinlich (mehr als 50 Prozent)
dass das Unternehmen im Prognosezeitraum von zwölf Monaten zahlungsfähig
fortgeführt werden kann.
Ergebnis: [POSITIV / POSITIV MIT MASSNAHMEN / NEGATIV]
Begründung:
[Konkrete Begründung in zwei bis fünf Sätzen. Bei "positiv mit Maßnahmen"
explizit aufzählen welche Maßnahmen umgesetzt sein müssen.]
Folge: [Keine Antragspflicht aus Überschuldung / Antragspflicht ausgeloest]
11. WIEDERVORLAGE
Diese Prognose ist zu aktualisieren:
- vierteljaehrlich zum [nächster Stichtag]
- bei jeder wesentlichen Änderung der Annahmen
- bei Eintritt eines der negativen Ereignisse aus dem Stress-Szenario
12. ABSCHLIESSENDE ERKLAERUNG DES GESCHAEFTSFUEHRERS
Ich erklaere dass ich die obigen Annahmen sorgfaeltig geprüft und mit den
verfügbaren Informationen abgeglichen habe. Die Annahmen entsprechen meiner
objektiven Einschätzung zum Stichtag. Bei wesentlichen Änderungen werde ich
diese Prognose unverzueglich aktualisieren.
[Ort], [Datum]
___________________________
[Geschäftsführer]
ANLAGEN
A1 Patronatserklärung Hauptgesellschafter
A2 Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt notariell
A3 bis A7 Stundungsvereinbarungen
A8 Liquiditätsplan 12 Monate (Excel)
A9 Aktueller BWA SuSa
A10 Hinweisschreiben Steuerberater § 102 StaRUG
A11 Bilanz 2025 mit Anhang
Aufbewahrung
- Original mit allen Anlagen in der Geschäftsleitungsakte.
- Kopie an Steuerberater und Insolvenzanwalt (falls eingebunden).
- Aufbewahrung mindestens zehn Jahre (Anlehnung an § 257 HGB Buchführungspflicht und ggf. § 147 AO).
Bei späterer Insolvenz
Diese Dokumentation ist Beweis dass der Geschäftsleiter zum Stichtag eine objektive Prognose erstellt hat. Sie schuetzt im Haftungsprozess gegen Vorwuerfe:
- § 15a Abs. 4 InsO Insolvenzverschleppung — wenn die Prognose zum Stichtag positiv war kann nicht angenommen werden dass der Geschäftsleiter den Insolvenzgrund kannte und ignorierte.
- § 15b InsO Zahlungsverbot — wenn der Status zum Stichtag nicht-negativ war waren Zahlungen ab diesem Tag nicht zwingend pflichtwidrig.
- § 43 GmbHG Sorgfaltspflicht — Dokumentation belegt dass der Geschäftsleiter aktiv und mit Sorgfalt geprüft hat.
- § 826 BGB sittenwidrige Schädigung der Gläubiger — nicht erfüllt wenn objektive Prognose vorlag.
Bei aktualisierter Prognose
Wenn die Prognose vierteljaehrlich aktualisiert wird, alte Prognosen aufheben und mit Stichtag-Vermerk archivieren. Die aktuelle Version bleibt federführend.
Ausgabe
fortbestehensprognose-<datum>.docxund PDF mit allen Anlagen.- Sicherer Archivpfad:
fortbestehensprognose/protokolle/<stichtag>.zipmit Anlagenkonvolut. - Wiedervorlage-Eintrag im Kalender vierteljaehrlich.
- Bei "negativ" Eskalation an Insolvenzanwalt (Skill
wenn-prognose-negativ-naechste-schritte).
Aktuelle Leitentscheidungen — Dokumentation der Prognose (Stand Mai 2026)
- BGH IX ZR 285/14 vom 26.01.2017 — Steuerberater haftet bei verfehlter FBP; Dokumentation der Hinweise und der angenommenen Prognoseannahmen ist Pflicht. https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=26.01.2017&Aktenzeichen=IX+ZR+285/14
- BGH IX ZR 56/22 vom 29.06.2023 — Drittschutzwirkung des Beratungsmandats; Dokumentation muss erkennbar machen, dass auch GF angesprochen ist. https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=29.06.2023&Aktenzeichen=IX+ZR+56/22
- BGH IV ZR 66/25 vom 19.11.2025 — D&O-Wissentlichkeitsausschluss; lückenlose Dokumentation des Prognose-Prozesses ist entscheidend für die Verteidigung gegen "positive Kenntnis"-Vorwurf.
Paragrafenkette Dokumentation
§ 15b Abs. 1 InsO (Zahlungsverbot nach Insolvenzreife) → § 43 Abs. 1 GmbHG (Sorgfaltspflicht) → § 93 AktG (Vorstandshaftung) → IDW S 11 (Dokumentationsstandard) → GOBD (Aufbewahrungspflichten digitaler Dokumente)
Triage — Dokumentations-Checkliste
- Stichtag festlegen? Datum und Uhrzeit der Erstellung dokumentieren.
- Unterzeichnung? Geschaeftsfuehrer unterschreibt Prognose (Beweisstueck bei spaeterer Haftungsfrage).
- Anlagen? Alle Berechnungs-Spreadsheets, Auszuege, IDW S 11-Gutachten als Anlagen beifuegen.
- Wiedervorlage? Naechste Aktualisierung terminieren (spaetestens nach 3 Monaten oder bei wesentlichen Aenderungen).
Quellenregel
Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.
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