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Freistehende Liquiditätsvorschau (Mittelstand)

Unternehmen in M&A oder Krise braucht Liquiditaetsvorschau: 3-Wochen-Liquiditaet 13-Wochen-Cash-Bridge Runway OPOS Bankdaten Insolvenzschwellen. Normen §§ 17-19 InsO IDW S 11 GoF. Prüfraster Zufluss-Abfluss-Plan OPOS-Abgleich Banklinien-Prüfung Insolvenzschwellen-Check. Output Liquiditaetsplan-Tabelle Runway-Berechnung Warnsignal-Ampel. Abgrenzung zu mittelstand-ma-insolvenzreife (Rechtsschwellen) und fortbestehensprognose (IDW-Gutachten).

ID: de.bankruptcy.mittelstand-ma-liquiditaetsvorschau Version: 0.1.0 License: Apache-2.0 Author: Klotzkette Language: de Added: 2026-06-01
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Freistehende Liquiditätsvorschau (Mittelstand)

Kernsachverhalt

Im Mittelstand fehlt häufig ein professionelles CFO-Office oder Treasury. Liquiditätsvorschauen werden oft nur als monatliche Bankstimmung oder als BWA-Kommentar geführt — nicht als strukturierte rollierende Planung. Genau dies ist das Einfallstor für Insolvenzverschleppung: Der Gesellschafter-Geschäftsführer bemerkt die Zahlungsunfähigkeit zu spät oder hält die Zahlungsstockung für vorübergehend, ohne OPOS und Bankdaten systematisch abzugleichen. In M&A-Prozessen ist die Liquiditätsvorschau darüber hinaus Bestandteil der Kaufpreisfindung (Locked-Box vs. Completion Accounts, Net-Debt-Definition) und der Closing Conditions. Dieser Skill liefert das Werkzeug, um Mittelstandsliquidität schnell, transparent und revisionssicher zu planen.

Kaltstart-Rückfragen

  1. Welcher Planungshorizont ist erforderlich — 3 Wochen (Krisencheck), 13 Wochen (Cash-Bridge), 12 Monate (Businessplan)?
  2. Welche Datenquellen stehen zur Verfügung — Bankkontoauszüge, OPOS Kreditoren/Debitoren, Lohnliste, BWA, Jahresabschlüsse?
  3. Wurde die BWA mit dem Buchhalter / Steuerberater abgeglichen? Gibt es Buchungslücken (z.B. fehlende Rückstellungen, noch nicht verbuchte Rechnungen)?
  4. Bestehen Kontokorrentkredite, Betriebsmittellinien oder Hausbank-Darlehen? Laufen Covenants?
  5. Gibt es Steuerrückstände, Rücklastschriften oder laufende Vollstreckungsankündigungen?
  6. Handelt es sich um eine normale DD-Situation oder um einen Krisenfall (drohende Zahlungsunfähigkeit)?
  7. Sollen Kaufpreiskomponenten (Locked Box, Net Debt, Working Capital) in die Vorschau eingebaut werden?
  8. Wer empfängt die Vorschau — interne Nutzung, Hausbank, Käufer-DD, Insolvenzgericht?
  • Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)

Rechtsgrundlagen

Normtexte

Norm Regelungsinhalt (Auszug)
§ 17 InsO Zahlungsunfähigkeit: Schuldner nicht in der Lage, fällige Zahlungspflichten zu erfüllen; > 10 % Liquiditätslücke über 3 Wochen in der Regel anzunehmen
§ 18 InsO Drohende Zahlungsunfähigkeit: voraussichtlich nicht in der Lage, Verbindlichkeiten bei Fälligkeit zu erfüllen; StaRUG-Öffner
§ 19 InsO Überschuldung: Passiva > Aktiva; Fortbestehensprognose als Korrektiv
§ 15a InsO Antragspflicht: 3 Wochen (Zahlungsunfähigkeit), 6 Wochen (Überschuldung); GmbH-GF haftet persönlich
§ 15b InsO Zahlungsverbote nach Insolvenzreife; persönliche Haftung des Geschäftsführers
§ 43 GmbHG Sorgfaltspflicht des Geschäftsführers; Pflicht zur Liquiditätsüberwachung
§ 264 HGB Jahresabschluss muss tatsächliche Verhältnisse widerspiegeln; Going-Concern-Pflicht
§ 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB Fortführungsprinzip: Jahresabschluss ist unter Going-Concern-Annahme aufzustellen, wenn Fortbestand nicht zweifelhaft ist

Leitentscheidungen

Gericht Az. Datum Leitsatz (kurz)
Rechtsprechung live prüfen Live-Verifikation erforderlich - keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und Aussage protokollieren

Prüfschema Liquiditätsvorschau (Mittelstand)

Vorab: Der untenstehende Workflow ist die typische Standardlinie. Wenn die Mandantenlage abweicht (siehe "Strategische Optionen" oben), sind die Schritte entsprechend zu verkuerzen, umzustellen oder durch ein anderes Skill zu ersetzen — der Workflow ist Leitfaden, nicht Pflichtprogramm.

Schritt Prüfungspunkt Inhalt Ergebnis
1 Startliquidität Bankkontoauszüge (aktuell); Kontokorrentkredit verfügbar? Betrag und Limit; Dispositionsrahmen Startliquidität EUR [X]
2 OPOS Kreditoren Offene Rechnungen Lieferanten; fällig heute, < 2 Wochen, 2–4 Wochen; Mahnungen, Vollstreckungsankündigungen Auszahlungsliste
3 OPOS Debitoren Offene Forderungen; Fälligkeit; Zahlungsverhalten; Ausfallrisiko; Skonto-Abzüge Einzahlungsliste
4 Löhne und Gehälter Nächste Lohnzahlung: Datum und Betrag; SV-Abgaben folgerichtig Lohntermin
5 Steuern und Abgaben Umsatzsteuer (Fälligkeit 10./25. des Folgemonats); Körperschaftsteuer; Lohnsteuer; Rückstände Steuer-Fälligkeiten
6 Bankschulden / Debt Service Tilgungsraten, Zinsen; Fälligkeit; Covenant-Übersicht Debt-Service-Kalender
7 3-Wochen-Vorschau Woche 1–3: Anfangsbestand, Einzahlungen, Auszahlungen, Endbestand, Deckungslücke, Ampel Ampel: grün / gelb / rot
8 13-Wochen-Cash-Bridge Wochen 1–13: Brückenfinanzierungsbedarf; Saisonalität einbeziehen Bridge-Bedarf EUR [X]
9 Szenarien Base Case, Downside (Forderungsausfälle +20 %), No-Funding-Case Szenarien dokumentiert
10 BWA-Plausibilisierung Monatliche BWA vs. Bankdaten; Buchungslücken; Abgrenzungen; Rückstellungen Abweichungen markiert
11 Net Debt / Working Capital (DD) Netto-Verschuldung; Working-Capital-Definition laut SPA; Stichtagsbereinigungen SPA-Zahlen klar
12 Steuerberater-Loop BWA und OPOS mit Steuerberater abgleichen; Steuerschätzungen validieren Steuerberater bestätigt
13 Quellenlog Jede Zahl mit Quelle (Kontoauszug, OPOS, Lohnliste, BWA) belegen Quellenlog vollständig
14 Insolvenzreife-Schwelle Bei roter Ampel: § 17 InsO-Prüfung; → mittelstand-ma-insolvenzreife Schwelle dokumentiert
15 Freigabe GF-Bestätigung; Steuerberater-Gegenzeichnung bei Krisenfall; Kanzlei-Dokumentation Freigabe erteilt

Beweislast

Beweisthema Beweislastträger Beweismittel
Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO) Insolvenzverwalter Bankkontoauszüge, OPOS, Lohnnachweise
Fortbestehensprognose (§ 19 InsO) Geschäftsführer Businessplan, Finanzierungszusagen, Auftragsbestand
Kenntnis der Insolvenzreife Insolvenzverwalter BWA, GF-Protokolle, Steuerberaterkorrespondenz
Masseschmälernde Zahlung Insolvenzverwalter Buchungsbelege, Stichtag der Insolvenzreife

Fristen und Verjährung

Fristtyp Dauer Norm Hinweis
Antragspflicht — Zahlungsunfähigkeit 3 Wochen § 15a Abs. 1 InsO Absolute Frist; strafrechtliche Relevanz
Antragspflicht — Überschuldung 6 Wochen § 15a Abs. 1 InsO Nur bei negativer Fortbestehensprognose
§ 15b-Haftung 3 Jahre ab Kenntnis §§ 195, 199 BGB GmbH-GF persönlich
USt-Voranmeldung 10. / 25. des Folgemonats §§ 18, 21 UStG Säumniszuschlag bei Verspätung

Typische Fehler im Mittelstand

Fehler Konsequenz Abhilfe
BWA ohne Rückstellungen Überoptimistisches Liquiditätsbild Rückstellungen regelmäßig nachtragen
Kontokorrentkredit als "Eigenkapital" Zahlungsunfähigkeit wird kaschiert Kontokorrentkredit ist Verbindlichkeit; Limit-Auslastung überwachen
Kundenzahlung erwartet, aber nicht OPOS-belegt Einzahlung in Vorschau zu optimistisch Nur vertraglich fällige, plausible Einzahlungen ansetzen
Steuerberater meldet nur rückblickend Frühwarnung fehlt Wöchentliche Liquiditätsabstimmung einrichten
Lohnzahlung auf letztem Kontoauszug 3-Wochen-Frist für Zahlunsunfähigkeit bereits abgelaufen Lohntermin immer in Woche 1 einplanen

Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)

Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.

Konstellation Empfohlener Weg
Standard — Liquiditaetsvorschau fuer Mittelstand erstellen Vorschau nach Schema; Schriftsatz unten
Variante A — Kurzfristige Engpaesse 4-Wochen-Vorschau Kurzfrist-Vorschau als Subset; Kreditlinien pruefen
Variante B — Mandant will Banken Vorschau zeigen Banken-freundliche Darstellung; Stresstest ergaenzen
Variante C — Saisonales Unternehmen Schwankungen normal Saisonalitaets-Hinweis in Vorschau einbauen

Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.

Schriftsatzbausteine

Baustein 1 — 3-Wochen-Vorschau Tabelle (Mittelstand)

LIQUIDITÄTSVORSCHAU — VERTRAULICH — [Firma] — Stand [Datum]

| Position              | Woche 1      | Woche 2      | Woche 3      |
|-----------------------|--------------|--------------|--------------|
| Anfangsbestand        | EUR [X]      | EUR [Y]      | EUR [Z]      |
| + Kundenzahlungen     | EUR [...]    | EUR [...]    | EUR [...]    |
| + Sonstige Einzahlg.  | EUR [...]    | EUR [...]    | EUR [...]    |
| - Lieferantenzahlg.   | EUR [...]    | EUR [...]    | EUR [...]    |
| - Löhne/SV            | EUR [...]    | EUR [...]    | EUR [...]    |
| - Steuern/USt         | EUR [...]    | EUR [...]    | EUR [...]    |
| - Kredit-Tilgung/Zins | EUR [...]    | EUR [...]    | EUR [...]    |
| - Sonstige Auslagen   | EUR [...]    | EUR [...]    | EUR [...]    |
| Endbestand            | EUR [Y]      | EUR [Z]      | EUR [A]      |
| KK-Kredit verfügbar   | EUR [B]      | EUR [B]      | EUR [B]      |
| Gesamtliquidität      | EUR [C]      | EUR [D]      | EUR [E]      |
| AMPEL                 | GRÜN         | GELB         | ROT          |

HINWEIS WOCHE 3: Deckungslücke EUR [X]. Prüfung § 17 InsO erforderlich.
Empfehlung: Steuerberate und Insolvenzrechtler konsultieren.

Baustein 2 — Steuerberater-Anfrageschreiben wegen Liquiditätsprüfung

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Angelegenheit unseres Mandanten [Firma] bitten wir Sie um folgende
Unterlagen und Bestätigungen:

1. Aktuelle BWA [Monat] mit Summen- und Saldenliste (SuSa)
2. OPOS Kreditoren und Debitoren mit Fälligkeitsdaten
3. Steuerrückstände gegenüber Finanzamt [Ort] und Sozialversicherung
4. Bestätigung, dass die Fortführungsannahme nach § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB
   aus Ihrer Sicht weiterhin gerechtfertigt ist

Bitte senden Sie die Unterlagen bis [Datum]. Bei Zweifeln an der Fortführungsfähigkeit
bitten wir Sie, uns unverzüglich telefonisch zu kontaktieren.

[Kanzlei, Datum, Unterschrift]

--- vor Versand klaeren ---

  1. Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Durchsetzung des Anspruchs / Vergleich / Reputationsschutz / schnelle Loesung]
  2. Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestforderung / Zeitrahmen / Formerfordernis]
  3. Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgesprach / Einigung vor Fristablauf]

Schlussabsatz Variante A (kooperativ): Wir regen eine guetliche Einigung an und stehen fuer ein klaerenden Gesprach zur Verfuegung. Eine einvernehmliche Loesung erspart beiden Seiten Zeit und Kosten.

Schlussabsatz Variante B (formal-streng): Eine aussergerichtliche Einigung kommt nur in Betracht wenn die Gegenseite innerhalb von [X] Tagen einen akzeptablen Vorschlag unterbreitet. Anderenfalls werden wir alle rechtlichen Schritte einleiten.

Streitwert und Kosten

Schadensfall Ansatz Norm
§ 15b-Haftung GmbH-GF Summe der masseschmälernden Zahlungen § 15b InsO
Steuerberater-Haftung (Mittelstand) Beratungsschaden; entgangener Rettungswert §§ 280, 634 BGB
Kaufpreisminderung wegen Netto-Verschuldung Differenz vereinbarter vs. tatsächlicher Net Debt SPA Completion Accounts

Strategische Empfehlung

Akteur Empfehlung
Gesellschafter-GF Wöchentlichen Liquiditätscheck einrichten; Steuerberater für rollierende BWA nutzen; bei Deckungslücke sofort Anwalt
Steuerberater BWA-Kommentierung nicht nur historisch, sondern vorausschauend; bei Warnsignalen Mandanten proaktiv ansprechen
Käufer (Mittelstand-DD) Net-Debt-Definition im SPA präzise vereinbaren; 3-Monats-Liquiditätsvorschau als Closing Condition

Anschluss-Skills

  • mittelstand-ma-insolvenzreife — Insolvenzreife-Prüfung bei roter Ampel
  • mittelstand-ma-aktenanlage — Vorschau in Deal-Akte dokumentieren
  • mittelstand-ma-tabellenreview — Finanzdaten reviewen
  • mittelstand-ma-erechnung-gobd — GoBD-konforme Abrechnung

Quellen

  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
  • §§ 15a, 15b, 17, 18, 19 InsO; § 43 GmbHG; §§ 252, 264 HGB; §§ 18, 21 UStG

<!-- AUDIT 27.05.2026 Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. Quelle: dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.12.2017&Aktenzeichen=II+ZR+88%2F16 -->

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