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Fortbestehensprognose zusammenführen

Führt alle Bausteine zusammen — bilanzieller Status Annahmen Plausibilisierung 12-Monats-Liquiditaet Sensitivitaetsszenarien — und bewertet ob die Fortbestehensprognose nach § 19 Abs. 2 InsO positiv ist. Massstab ueberwiegende Wahrscheinlichkeit dass das Unternehmen im Prognosezeitraum zahlungsfähig bleibt (mehr als 50 Prozent). IDW S 11 Massstab. Schaltet bei Bedarf den Skill `sanierungsbausteine-vorschlagen` aus oder eskaliert über `wenn-prognose-negativ-naechste-schritte` zum Insolvenzanwalt.

ID: de.bankruptcy.fortbestehensprognose-zusammenfuehren Version: 0.1.0 License: Apache-2.0 Author: Klotzkette Language: de Added: 2026-06-01
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Fortbestehensprognose zusammenführen

Maßstab

§ 19 Abs. 2 InsO seit SanInsFoG 2021: "Die Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich" — Prognosezeitraum zwölf Monate.

Überwiegend wahrscheinlich bedeutet mehr als 50 Prozent Wahrscheinlichkeit (klassische BGH-Rspr. zur Vorhersage; bestätigt durch IDW S 11).

Operativ — was bedeutet das?

Die abstrakte Wahrscheinlichkeitsformel ist methodisch durch die Zahlungsfähigkeitsprognose zu fuellen. Die Fortbestehensprognose ist genau dann positiv wenn das Unternehmen über den Zwölf-Monats-Horizont mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in die Zahlungsunfähigkeit nach § 17 InsO gerät. Das bedeutet konkret:

  • In jedem Zeitabschnitt der zwölf Monate müssen mindestens 90 Prozent der dann fälligen Verbindlichkeiten aus den verfügbaren Mitteln (Liquiditätsbestand plus Kreditlinie plus rechtzeitig erzielbare Zufluesse) gedeckt werden können.
  • Maßstab: BGH-Linie zum 10-%-/3-Wochen-Schema (Zahlungsstockung vs. Zahlungsunfähigkeit). Konkrete Aktenzeichen vor Ausgabe über dejure.org / openjur.de mit Datum und Randnummer verifizieren.

Wenn die Liquiditätsplanung in jedem Zeitabschnitt diese Schwelle einhaelt — auch im plausibilisierten Negativ-Szenario — ist die Fortbestehensprognose positiv. Wenn die Schwelle in einem oder mehreren Zeitabschnitten oder über laengere Phasen reisst und auch durch Sanierungsbausteine nicht verbindlich geschlossen werden kann ist die Prognose negativ.

Die "mehr als 50 Prozent Wahrscheinlichkeit" der Prognose ist also nicht abstrakt zu vermuten sondern aus dem Liquiditätsplan und seiner Sensitivitaet abzuleiten: über das Basis-Szenario hinaus muss auch das plausible Negativ-Szenario die Schwelle einhalten — andernfalls reicht die Wahrscheinlichkeit nicht aus.

Prüfablauf

Schritt 1 — Bilanzielle Überschuldung gegeben?

Aus Skill bilanzieller-status-aufnehmen:

  • Bilanzielle Überschuldung gegeben? Wenn nein: § 19 InsO nicht erfüllt — Fortbestehensprognose nicht erforderlich (aber häufig sinnvoll als Krisendokumentation).
  • Wenn ja: weiter zu Schritt 2.

Schritt 2 — Annahmen plausibilisiert?

Aus Skill annahmen-belastbarkeit-plausibilisieren:

  • Annahmen überwiegend realistisch oder konservativ?
  • Maximal eine oder zwei ambitionierte Annahmen die nicht tragend sind?
  • Nicht-belastbare Annahmen ausgeschlossen?

Wenn die Annahmen die das Ergebnis tragen ambitioniert oder nicht-belastbar sind: Prognose nicht positiv.

Schritt 3 — Liquidität über 12 Monate positiv

Aus Skill liquiditaet-12-monate:

  • Basis-Szenario positiv über alle zwölf Monate?
  • Negativ-Szenario mit zumutbaren Maßnahmen abdeckbar?
  • Stress-Szenario zumindest mit zusätzlichen Maßnahmen (Patronatserklärung Gesellschafterdarlehen) abdeckbar?

Schritt 4 — Gesamtbewertung

Drei mögliche Ergebnisse:

A. Prognose positiv
  • Bilanzbild trotz Überschuldung positiv (stille Reserven Rangrücktritt).
  • Liquidität über zwölf Monate positiv im Basis-Szenario und im Negativ-Szenario.
  • Annahmen plausibel und überwiegend belegt.
  • Sanierungsmaßnahmen falls noch erforderlich umgesetzt oder vertraglich gesichert.

Folge: Keine insolvenzrechtliche Überschuldung nach § 19 Abs. 2 InsO. Antragspflicht entfaellt insoweit. Aber: Zahlungsfähigkeit § 17 InsO und drohende Zahlungsunfähigkeit § 18 InsO bleiben eigene Prüfungspunkte — siehe Plugin insolvenzrecht.

B. Prognose positiv mit Sanierungsmaßnahmen
  • Ohne Maßnahmen waere die Prognose negativ.
  • Mit konkreten umsetzbaren Maßnahmen ist die Prognose positiv.

Folge: Maßnahmen müssen tatsächlich umgesetzt werden. Skill sanierungsbausteine-vorschlagen mit konkreten Vorschlägen.

Wichtig: Maßnahmen müssen rechtzeitig umgesetzt und verbindlich sein:

  • Patronatserklärung schriftlich unterzeichnet und vom Patron einsehbar.
  • Gesellschafterdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt notariell.
  • Stundungsvereinbarungen schriftlich mit Gläubigern.
  • Forderungsverzichte schriftlich ggf. mit Besserungsschein.
C. Prognose negativ
  • Liquidität über zwölf Monate nicht sicherstellbar.
  • Sanierungsmaßnahmen reichen nicht.
  • Keine ausreichende Patronage- / Gesellschafterstuetzung.

Folge:

  • Insolvenzrechtliche Überschuldung gegeben (§ 19 InsO).
  • Antragspflicht sechs Wochen nach Eintritt § 15a Abs. 1 S. 2 InsO.
  • Sofort Insolvenzanwalt einschalten — Skill wenn-prognose-negativ-naechste-schritte.
  • Prüfung drohende Zahlungsunfähigkeit § 18 InsO mit StaRUG-Option (Prognosezeitraum 24 Monate).

Stichtag und Dokumentation

Die Prognose ist immer auf den Stichtag des Tages zu beziehen an dem sie erstellt wird. Das Verhältnis Stichtag → 12 Monate ist rollierend.

prognose-zusammenfassung:
  prognose-id: FP-2026-0001
  stichtag: 2026-05-20
  geschaeftsleiter: Mueller, Hans (GF GmbH XYZ)
  prognose-horizont: 2026-06 bis 2027-05
  
  bilanzbild:
    bilanzielle-ueberschuldung: ja (Höhe 82000 EUR)
    insolvenzrechtliche-bilanzbasis: positiv (133000 EUR)
    rangruecktritt: Gesellschafterdarlehen 120000 EUR
    stille-reserven: 175000 EUR
    
  liquiditaet:
    basis-szenario: positiv
    negativ-szenario: positiv knapp (Endbestand Monat 11 bei 8000 EUR)
    stress-szenario: negativ ohne Patronatserklärung positiv mit
    
  annahmen-belastbarkeit:
    realistisch: 7
    konservativ: 2
    ambitioniert: 1 (Kostensenkung Standortschliessung)
    nicht-belastbar: 0
    
  sanierungsmassnahmen-erforderlich: ja
  konkret-belegt:
    - Patronatserklärung Hauptgesellschafter 200000 EUR (unterzeichnet)
    - Gesellschafterdarlehen 120000 EUR mit Rangrücktritt (notariell)
    - Stundungsvereinbarungen Lieferanten (schriftlich von 5 Lieferanten)
  noch-offen:
    - Stundung Bank Tilgung (in Verhandlung — noch nicht schriftlich)
    
  ergebnis: positiv-mit-maßnahmen
  bewertung-wahrscheinlichkeit: überwiegend (mehr als 50 Prozent)
  
  pflicht-ueberpruefung: vierteljaehrlich oder bei wesentlicher Änderung

Sonderfall — der konkrete Tag der Erstellung zählt

  • Die Prognose ist stichtagsbezogen.
  • Bei einer wesentlichen Änderung der Annahmen (Wegfall Hauptkunde Verlust Kreditlinie) muss die Prognose neu erstellt werden.
  • Bei vierteljaehrlicher Routineprüfung — Dokumentation der laufenden Prüfung als Beweis für aktive Pflichterfüllung des Geschäftsleiters.

Ausgabe

  • prognose-zusammenfassung.md mit Stichtag Bewertung Beleg-Status.
  • Weiterleitung an:
    • sanierungsbausteine-vorschlagen wenn Maßnahmen erforderlich.
    • wenn-prognose-negativ-naechste-schritte wenn Ergebnis negativ.
    • prognose-dokumentation-stichtag zur abschließenden Dokumentation.

Aktuelle Leitentscheidungen — Zusammenfuehren der Prognose (Stand Mai 2026)

Paragrafenkette Prognose-Zusammenfuehren

§ 19 Abs. 2 InsO (Fortbestehensprognose als zweite Stufe Ueberschuldung) → IDW S 11 Rn. 60-90 (Ergebnis und Dokumentation) → § 15a InsO (Antragspflicht bei negativer Prognose) → § 15b InsO (Haftungsrisiko)

Triage — Prognose-Ergebnis

  1. Positiv (Prognose grueen)? → Dokumentieren (IDW S 11 Vorlage), Wiedervorlage in 3 Monaten, Sanierungsbausteine weiterverfolgen.
  2. Knapp positiv (mit Massnahmen)? → Massnahmen konkretisieren und terminieren; Sicherheitsmarge pruefen.
  3. Negativ? → Sofort wenn-prognose-negativ-naechste-schritte ausfuehren; Anwalt einschalten; Antragspflicht pruefen.

Quellenregel

Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.

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