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Erstgespräch Normenkontroll-Mandat

Grundstueckseigentuemer oder Nachbar kommt wegen Bebauungsplan oder FNP in die Kanzlei. Erstgespraech Normenkontrollmandat. Prüfraster: Mandantenbetroffenheit Antragsbefugnis § 47 Abs. 2 VwGO Antragsfrist Statthaftigkeit Erstprüfung Plan-Unterlagen vorlaeufige Erfolgsaussichten Kostenaufklärung RVG Streitwert. Output: Erstgespraechen-Protokoll Mandatsannahme-Empfehlung Fallplan. Abgrenzung zu normenkontrollantrag-schriftsatz (Hauptschriftsatz) und jahresfrist-47-abs-2-vwgo.

ID: de.regulatory.mandat-erstgespraech-normenkontrolle Version: 0.1.0 License: Apache-2.0 Author: Klotzkette Language: de Added: 2026-06-01
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Erstgespräch Normenkontroll-Mandat

Zweck

Erste Sortierung eines Mandats gegen einen Bebauungsplan, Flächennutzungsplan oder eine örtliche Bauvorschrift. Ergebnis: belastbare Erst-Einschätzung der Erfolgsaussichten und Mandatsannahme-Entscheidung.

Schritt 1 — Mandantendaten und Betroffenheitsfeststellung

Persönliche Daten

  • Name, Anschrift, Geburtsdatum, Kontakt
  • Eigentumsverhältnisse am betroffenen Grundstück (Alleineigentum, Miteigentum, Wohnungseigentum)
  • Grundbuchauszug aktuell beziehen lassen
  • Familienstand bei gemeinschaftlichem Eigentum

Räumliche Lage

  • Adresse Mandantengrundstück
  • Adresse / Bezeichnung Plangebiet
  • Abstand Grundstücksgrenze zu Plangebiet
  • Skizze Lageplan oder Auszug Stadtplan zur Akte
  • Sichtbeziehung, Verkehrsbeziehung, Topografie

Konkrete Betroffenheit

  • Innerhalb Plangebiet — direkte Festsetzungsbetroffenheit
  • Außerhalb Plangebiet — drittbetroffener Nachbar
  • Belang: Verschattung, Lärm, Verkehr, Geruch, Wertminderung, Aussicht, Klima

Schritt 2 — Plan-Identifikation

Pflichtangaben

  • Genaue Bezeichnung des Plans (Nummer, Name, Stadt, Stadtteil)
  • Aufstellungsbeschluss-Datum
  • Beschluss als Satzung
  • Bekanntmachungsdatum und Ort (Amtsblatt, Tageszeitung)
  • Inkrafttreten
  • Art des Plans: B-Plan qualifiziert, einfach, vorhabenbezogen § 12 BauGB, Bebauungsplan der Innenentwicklung § 13a BauGB, FNP, örtliche Bauvorschrift § 9 Abs. 4 BauGB i.V.m. Art. 81 BayBO

Beschaffung der Planunterlagen

  • Bei der planenden Gemeinde mündlich oder schriftlich anfordern
  • Online-Bauleitplan-Auskunft sichten
  • Bekanntmachung als PDF
  • Satzungstext mit textlichen Festsetzungen
  • Planurkunde zeichnerisch
  • Begründung mit Umweltbericht
  • Abwägungsdokumentation Stadtrat

Schritt 3 — Vier Säulen Zulässigkeit § 47 VwGO

Säule 1 — Statthaftigkeit

  • Im Rang unter Landesgesetz stehende Rechtsvorschrift
  • B-Plan und örtliche Bauvorschrift in Bayern erfasst (§ 47 Abs. 1 Nr. 1 VwGO i.V.m. Art. 5 BayAGVwGO)
  • FNP grundsätzlich nicht statthaft — aber wenn Festsetzungen mit Außenwirkung (Konzentrationsflächen Windenergie § 35 Abs. 3 S. 3 BauGB) ja
  • Frühzeitige Klärung welcher Plan angegriffen wird

Säule 2 — Antragsbefugnis § 47 Abs. 2 VwGO

  • Möglichkeitstheorie: Geltendmachung einer Rechtsverletzung möglich
  • Eigentümer im Plangebiet immer
  • Nachbar bei abwägungserheblichem Belang (BVerwG, Beschluss vom 31.1.2017 – 4 BN 28.16)
  • Anerkannter Naturschutzverband § 64 BNatSchG, § 2 UmwRG

Säule 3 — Antragsfrist § 47 Abs. 2 S. 1 VwGO

  • Ein Jahr ab Bekanntmachung der Norm
  • Heute kein 2-Jahres-Zeitraum mehr (Verkürzung durch Gesetz vom 22.12.2006)
  • Bei Eilbedarf Fristprüfung sofort
  • Wiedereinsetzung § 60 VwGO nur bei unverschuldeter Versäumung

Säule 4 — Rechtsschutzbedürfnis

  • Bei Vollzug bereits abgeschlossen — Rechtsschutzbedürfnis problematisch
  • Bei Vollzug noch nicht erfolgt — gegeben
  • Bei Genehmigung bereits erteilt — parallel Klage gegen Genehmigung erforderlich

Schritt 4 — Mandantenchronologie und Beteiligung

Eigene Beteiligung am Aufstellungsverfahren

  • An früher Beteiligung § 3 Abs. 1 BauGB teilgenommen?
  • Schriftliche Einwendung in förmlicher Beteiligung § 3 Abs. 2 BauGB abgegeben?
  • Wortlaut der Einwendungen sichern (eigene Korrespondenz, Mail-Archiv, Eingangsbestätigung Stadt)
  • An Bürgerversammlung teilgenommen?
  • Mit anderen Anwohnern vernetzt? Bürgerinitiative?

Bedeutung für Rügefrist § 215 BauGB

  • Verfahrensfehler nur dann beachtlich, wenn innerhalb eines Jahres nach Bekanntmachung gerügt
  • Wer eingewendet hat, hat in der Regel die Substanz bereits dokumentiert
  • Wer nicht eingewendet hat, ist nicht präkludiert (BVerwG, Urteil vom 18.11.2010 – 4 CN 3.10) — aber materiell schwächer
  • Anwältin muss die Einwendungen kennen, um Rüge zu fertigen

Schritt 5 — Erste Erfolgsaussichtenprognose

Schnellscan-Punkte

  • Stimmt die Verfahrenskette in der Begründung formal? Beschlüsse, Bekanntmachungen, Auslegung?
  • Gibt es einen Umweltbericht? Plausibel?
  • Ist die Abwägung mehr als formelhaft?
  • Sind Stellplätze, Lärm, Artenschutz ernsthaft behandelt?
  • Hinweise auf Vorfestlegung oder Gefälligkeitsplanung?

Prognose-Kategorien

  • Erfolgsaussichten gering — Mandatsablehnung empfehlen
  • Erfolgsaussichten offen — Mandat mit klarer Kosten-Aufklärung
  • Erfolgsaussichten gut — Mandat einschließlich Eilantrag prüfen
  • Erfolgsaussichten sehr gut — Mandat plus Eilantrag plus parallele Drittklage

Schritt 6 — Kosten und Streitwert

Streitwert

  • Streitwertkatalog Verwaltungsgerichtsbarkeit Nr. 9.8.1
  • Im Regelfall 60.000 EUR pro Antragsteller, mindestens
  • Bei wirtschaftlich besonders bedeutendem Plan höher
  • Eilantrag § 47 Abs. 6 VwGO: halber Hauptsachestreitwert

Gebühren RVG

  • 1,6-fache Verfahrensgebühr Nr. 3200 VV RVG
  • 1,2-fache Terminsgebühr Nr. 3202 VV RVG
  • Auslagenpauschale Nr. 7002 VV RVG
  • Mandantengespräch über mögliche Mehrkosten Gutachten Schallschutz / Artenschutz

Wahl-Vereinbarung

  • Stundensatz Wahlmandat möglich — schriftliche Honorarvereinbarung § 3a RVG
  • Bei Verbandsklage Naturschutz oft RVG plus Spendenakquise

Schritt 7 — Akten- und Fristanlage

Akte

  • Mandatsbogen
  • Vollmacht
  • Plan-Mappe mit allen Plan-Unterlagen
  • Mandantenchronologie
  • Aktennotiz Erstgespräch
  • Streitwert- und Kosten-Note

Fristen

  • Jahresfrist § 47 Abs. 2 VwGO ab Bekanntmachung — primäre Frist
  • Rügefrist § 215 BauGB ein Jahr ab Bekanntmachung — parallele Sicherungsfrist
  • Beide Fristen mit zweifacher Vorfrist im Fristenkalender (zwei Wochen vor Ablauf, vier Wochen vor Ablauf)

Schritt 8 — Mandatsannahme oder Ablehnung

Annahme

  • Schriftliche Auftragsbestätigung
  • Übersendung Honorarvereinbarung
  • Ankündigung Akteneinsicht bei der Gemeinde

Ablehnung

  • Begründung schriftlich
  • Hinweis auf Frist
  • Hinweis auf andere Beratungswege
  • Datenschutzkonforme Vernichtung der überlassenen Unterlagen oder Rückgabe

Quellen

  • VwGO §§ 47 60
  • BauGB §§ 1 2 3 4 8 10 12 13a 35 214 215
  • BNatSchG § 64
  • UmwRG § 2
  • BayAGVwGO Art. 5
  • BayBO Art. 47 81
  • RVG § 3a, VV RVG Nr. 3200 3202 7002
  • Streitwertkatalog Verwaltungsgerichtsbarkeit 2013 Nr. 9.8.1
  • BVerwG, Beschluss vom 31.1.2017 – 4 BN 28.16 (Antragsbefugnis Nachbar)
  • BVerwG, Urteil vom 18.11.2010 – 4 CN 3.10 (Präklusionswirkung Einwendung)

Aktuelle Rechtsprechung — Triage-relevante Leitsaetze

  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

Quellenregel

Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.

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