Master-Workflow: KI-VO-Gesamtprüfung
Master-Workflow fuer die vollstaendige KI-VO-Pruefung. Fuehrt von Art. 3 KI-System-Definition ueber Anwendungsbereich, Rollen, Art. 6 Abs. 2/Anhang III-Hochrisiko, Rueckausnahme, GPAI/Chatbot-Abgrenzung, Betreiber-Fehlgebrauch, Pflichten, Standards und Output-Dokumentation. Schwerpunkt: allgemeine Chatbots sind nicht automatisch Hochrisiko; Zweckbestimmung und tatsaechlicher Einsatz entscheiden. Output: strukturierter Pruefpfad mit Folge-Skills.
Master-Workflow: KI-VO-Gesamtprüfung
Zweck
Dieser Skill ist der zentrale Entscheidungsbaum des KI-VO-Prüfers. Er führt vom ersten Art.-3-Check bis zum dokumentierbaren Endvermerk. Er soll nicht nur klassifizieren, sondern den Prüfpfad so steuern, dass Zweckbestimmung, tatsächliche Nutzung und Off-label-Risiken sauber sichtbar werden.
Grundsatz
Nicht der Produktname entscheidet, sondern der geprüfte Funktionszuschnitt und die Zweckbestimmung. Ein allgemeiner Chatbot oder ein GPAI-System ist nicht automatisch Hochrisiko. Wird er aber für Bewerberbewertung, Beschäftigtenmanagement, Kreditwürdigkeit, Bildung, Justiz, Migration, Strafverfolgung, Notfalltriage oder andere Anhang-III-Zwecke bestimmt oder faktisch eingesetzt, muss Art. 6 Abs. 2 i.V.m. Anhang III vertieft geprüft werden.
Schritt 0 — Intake
Starte bei unklarer Lage mit triage-ki-vo-vorpruefung oder allgemein.
Mindestfragen:
- Was genau ist das System oder die Komponente?
- Wer ist Anbieter, Betreiber oder sonstiger Akteur?
- Wofür ist das System bestimmt?
- Wie wird es tatsächlich genutzt?
- Sind natürliche Personen, kritische Infrastruktur oder öffentliche Aufgaben betroffen?
- Soll ein Vermerk, Memo, Checkliste oder Maßnahmenplan entstehen?
Schritt 1 — KI-System nach Art. 3 Nr. 1
Skill: liegt-ki-system-vor-art-3-nr-1
Prüfe:
- Maschinenbasiert
- Autonomiegrad ohne Überhöhung
- Adaptivität als optionales Indiz
- explizite/implizite Ziele
- Inferenz aus Eingaben
- Output-Typ
- Einfluss auf physische oder virtuelle Umgebung
Wenn Grenzfall: abgrenzung-konventionelle-software-vs-ki-system.
Schritt 2 — Anwendungsbereich
Skills:
territorialer-anwendungsbereich-art-2sachlicher-ausschluss-art-2-abs-3-bis-12
Prüfe EU-Bezug, Ausgaben in der EU, Inverkehrbringen, Betrieb und sachliche Ausnahmen.
Schritt 3 — Rollen
Skills:
persoenlicher-anwendungsbereich-rollen-art-3rolle-anbieter-pruefen-art-3-nr-3rolle-betreiber-pruefen-art-3-nr-4- bei Zweckänderung:
anbieter-werden-art-25
Besonders prüfen:
- Wer bestimmt den Zweck?
- Wer nimmt das System in eigener Verantwortung in Betrieb?
- Ändert ein Betreiber Zweck oder System wesentlich?
- Gibt es mehrere Rollen nebeneinander?
Schritt 4 — Verbote kurz screenen
Skill: verbotene-praktiken-art-5
Nur wenn Treffer möglich, vertiefen. Der Fokus dieses Workflows liegt danach auf Art. 6 Abs. 2/Anhang III.
Schritt 5 — Hochrisiko Pfad 1
Skill: hochrisiko-art-6-abs-1-sicherheitsbauteil
Prüfe Sicherheitsbauteil/Produkt, Anhang-I-Sektorrecht und Dritt-Konformitätsbewertung.
Schritt 6 — Hochrisiko Pfad 2: Art. 6 Abs. 2 i.V.m. Anhang III
Skill: hochrisiko-art-6-abs-2-anhang-iii
Pflichtfragen:
- In welchem Anhang-III-Bereich wird das System eingesetzt?
- Geht es um Bewertung, Zugang, Ranking, Entscheidung, Priorisierung, Risiko, Rechtsanwendung oder Überwachung?
- Ist der Einsatz ausdrücklich intendiert, technisch angelegt, organisatorisch geduldet oder nur theoretisch möglich?
- Ist ein allgemeiner Chatbot/GPAI-System nur Hilfsmittel oder in einen sensiblen Entscheidungsprozess eingebettet?
- Wie werden Mitarbeitenden-Fehlgebrauch und Zweckabweichung verhindert?
Schritt 7 — Rückausnahme Art. 6 Abs. 3
Skill: rueckausnahme-art-6-abs-3
Prüfe eng:
- Profiling natürlicher Personen sperrt die Rückausnahme.
- Kein erhebliches Risiko für Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte.
- Eine der vier Fallgruppen liegt wirklich vor.
- Dokumentation nach Art. 6 Abs. 4.
Schritt 8 — GPAI und Chatbot
Skills:
gpai-vorliegen-art-3-nr-63gpai-modelle-art-51-bis-55gpai-systemisches-risiko-schwelle-10e25-flopbegrenztes-risiko-art-50-transparenzpflichten
Leitsatz:
- Allgemeiner Chatbot: typischerweise Art. 50/GPAI prüfen, nicht automatisch Hochrisiko.
- Konkreter Fachworkflow in Anhang III: Hochrisiko-Prüfung aktivieren.
Schritt 9 — Pflichten und Standards
Bei Hochrisiko:
hochrisiko-bestaetigt-end-to-end-roadmap- Art. 9 bis 15 Skills
hochrisiko-konformitaetsbewertung-art-43-bis-49eu-datenbank-registrierung-art-49-und-71
Bei Betreiber:
betreiber-deployer-pflichten-art-26output-betreiber-checkliste-und-folgenabschaetzung
Bei Standards:
code-of-practice-und-harmonisierte-normen
Schritt 10 — Prüfdokument
Skill: output-pruefdokument-ki-vo-mit-warnhinweisen
Das Enddokument muss enthalten:
- KI-System-Einordnung nach Art. 3
- Zweckbestimmung und tatsächliche Nutzung
- GPAI/Chatbot-Abgrenzung
- Anhang-III-Matrix
- Art. 6 Abs. 3-Bewertung
- Rollen und Pflichten
- Off-label-/Mitarbeitenden-Nutzungsplan
- Standards-/Normenhinweis
- offene Tatsachen und Re-Evaluation-Trigger
Kompakter Routing-Plan
1. triage-ki-vo-vorpruefung / allgemein
2. liegt-ki-system-vor-art-3-nr-1
3. territorialer-anwendungsbereich-art-2
4. persoenlicher-anwendungsbereich-rollen-art-3
5. risikoklassen-uebersicht-und-triage
6. hochrisiko-art-6-abs-2-anhang-iii (wenn Zwecknaehe)
7. rueckausnahme-art-6-abs-3 (bei Anhang-III-Treffer)
8. gpai-vorliegen-art-3-nr-63 / begrenztes-risiko-art-50-transparenzpflichten (bei Chatbot/GPAI)
9. betreiber-deployer-pflichten-art-26 / anbieter-werden-art-25 (bei Zweckabweichung)
10. output-pruefdokument-ki-vo-mit-warnhinweisen
Quellen- und Aktualitätshinweis
Stand: 05/2026. Maßgeblich sind Art. 2, 3, 5, 6, 25, 26, 27, 40, 50, 51 bis 56 und Anhang III KI-VO. Keine Rechtsberatung.
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