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Gegendarstellung nach Pressegesetz

Gegendarstellungsrecht im Presserecht prüfen und Gegendarstellung ausformulieren. §§ 10 ff. LPG Art. 5 GG. Prüfraster: Tatsachenbehauptung Erstmitteilung Fristen Form Umfang Abdruck Unterlassungsanspruch. Output: Gegendarstellungstext Aufforderungsschreiben. Abgrenzung: nicht für Online-Gegendarstellungen nach TMG oder DSA.

ID: de.litigation.gegendarstellung-presse Version: 0.1.0 License: Apache-2.0 Author: Klotzkette Language: de Added: 2026-06-01
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Gegendarstellung nach Pressegesetz

Kernsachverhalt & Mandantenfragen

Das Recht auf Gegendarstellung ist ein Sonderrecht der Pressegesetzgebung: Es ermöglicht der betroffenen Person, falsche Tatsachenbehauptungen ohne Umweg über ein Gerichtsverfahren korrigieren zu lassen. Das Verfahren ist schnell, präventiv und öffentlichkeitswirksam. Die Herausforderung liegt in der präzisen Abgrenzung von Tatsachen und Meinungen sowie in der Einhaltung strenger Formvorschriften.

8 Kaltstart-Rückfragen:

  1. In welchem Medium wurde die beanstandete Aussage veröffentlicht (Tageszeitung, Online-Artikel, Rundfunk, Social Media einer Redaktion)?
  2. Lässt sich die beanstandete Aussage als Tatsachenbehauptung qualifizieren – oder ist es eher ein Werturteil oder eine Meinungsäußerung?
  3. Ist der Mandant persönlich oder unmittelbar von der Aussage betroffen?
  4. Wann war die Veröffentlichung und ist die Frist zur Einreichung der Gegendarstellung (typisch 2 Wochen) noch nicht abgelaufen?
  5. Hat die Redaktion bereits freiwillig Korrekturen oder Nachfragen erhalten und wie hat sie reagiert?
  6. Welche konkreten Folgen hat die falsche Behauptung: berufliche, wirtschaftliche, persönliche Nachteile?
  7. Soll die Gegendarstellung allein stehen oder werden parallel Unterlassung/Schadensersatz geltend gemacht?
  8. Ist das Medium bundesweit verbreitet oder regional; wer ist die zuständige Landespressebehörde?

  • Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)

Rechtsgrundlagen

Norm Inhalt
LPG der Bundesländer (z.B. § 11 LPG NRW, Art. 10 BayPrG, § 11 LPG HH) Gegendarstellungsanspruch; je nach Bundesland leicht unterschiedliche Fristregeln
MStV § 20 Gegendarstellung in journalistischen Online-Angeboten (Telemedien)
MStV § 19 Sorgfaltspflichten der Presse und Rundfunk; Berichtigungsanspruch
BGB § 823 Abs. 1 Persönlichkeitsrechtsverletzung: Schadensersatz bei ehrverletzenden Behauptungen
BGB § 1004 analog Unterlassungsanspruch bei fortdauernder Persönlichkeitsrechtsverletzung
GG Art. 1, Art. 2 Allgemeines Persönlichkeitsrecht als Grundrecht
GG Art. 5 Meinungs- und Pressefreiheit; Abwägung mit Persönlichkeitsrecht
ZPO § 935 Einstweilige Verfügung bei Verweigerung der Gegendarstellungsveröffentlichung
ZPO § 940 Einstweilige Verfügung zur Regelung eines vorläufigen Zustands

Leitentscheidungen

Aktenzeichen Gericht / Datum Leitsatz
Rechtsprechung live prüfen Live-Verifikation erforderlich keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren
Rechtsprechung live prüfen Live-Verifikation erforderlich keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und Aussage protokollieren
Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Rechtsprechung live prüfen Live-Verifikation erforderlich keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und Aussage protokollieren

Prüfschema Gegendarstellung

Schritt Inhalt Grundlage
1 Medientyp: Periodische Presse, Rundfunk, Online-Telemedien (journalistisch redaktionell)? Soziale Medien privat = kein Gegendarstellungsanspruch LPG, MStV § 20
Rechtsprechung live prüfen Live-Verifikation erforderlich keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren
3 Betroffenheit prüfen: Mandant namentlich oder individuell bestimmbar genannt? Kollektiv: nur bei kleinem abgrenzbaren Personenkreis LPG
4 Fristwahrung: Veröffentlichungsdatum feststellen; Antragsfrist beim Medium prüfen (typisch 2 Wochen; länder-/medienspezifisch) § 11 LPG NRW u.a.
5 Form der Gegendarstellung: Schriftlich, Original-Unterschrift, sachlich, eigene Tatsachenbehauptung, nicht länger als beanstandeter Beitrag LPG
6 Inhaltliche Anforderungen: Nur Tatsachen, keine Wertungen, kein Angriff auf Redaktion, direkter Bezug zur gerügten Aussage LPG
7 Einreichung beim Medium: Schriftlich, per Einschreiben, Original-Unterschrift LPG
8 Reaktion des Mediums: Veröffentlichung, Ablehnung oder Schweigen? Fristen prüfen LPG
9 Bei Verweigerung: einstweilige Verfügung beim zuständigen Landgericht §§ 935, 940 ZPO
10 Parallele Ansprüche prüfen: Unterlassung § 1004 BGB, Schadensersatz § 823 BGB, Geldentschädigung bei schwerer Verletzung § 823, § 1004 BGB
Rechtsprechung live prüfen Live-Verifikation erforderlich keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren
12 Verwirkung: Sehr späte Einreichung kann Rechtsmissbrauch begründen wenn Aktualität fehlt § 242 BGB

Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)

Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.

Konstellation Empfohlener Weg
Standard — Gegendarstellung Presse einfordern Gegendarstellungsschreiben; Template unten
Variante A — Falschmeldung bereits geloescht Erklaerung Loeschung genuegt ggf.; erneute Gegendarstellung ueberdacht
Variante B — Online-Recht statt Presserecht Art. 17 DSGVO Loeschungsanspruch; Skill Medienrecht
Variante C — Strafanzeige wegen uebler Nachrede Strafrecht § 186 StGB parallel zur Gegendarstellung

Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.

Schriftsatzbausteine

Baustein 1 – Gegendarstellungstext (Muster)

GEGENDARSTELLUNG gemäß § [N] [LPG des Bundeslandes]
(z.B. § 11 LPG NRW / Art. 10 BayPrG / § 11 LPG HH)

In der Ausgabe vom [Datum] von [Medienname], Seite [N],
unter der Überschrift [Titel], wird Folgendes behauptet:

"[Wörtliches Zitat der beanstandeten Tatsachenbehauptung]"

Dazu erkläre ich:

[Knapp formulierte, sachliche, gegenläufige Tatsachen-
aussage: z.B. "Ich war am [Datum] nicht Anwesender bei
dem in Rede stehenden Treffen. Ich befand mich nachweislich
in [Ort]. Fotos und Dokumente belegen meinen Aufenthaltsort."]

[Ort, Datum]

[Eigenhändige Original-Unterschrift]
[Name des Betroffenen]

Baustein 2 – Anschreiben an die Redaktion

An die Chefredaktion [Medium]
Redaktion [Name]
[Anschrift]
– Per Einschreiben mit Rückschein –

[Ort, Datum]

Gegendarstellungsverlangen gemäß § [N] LPG [Bundesland]

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir zeigen die anwaltliche Vertretung von [Name des Betroffenen]
an.

In Ihrer Ausgabe/Ihrem Online-Beitrag vom [Datum] (Anlage K1:
Screenshot/Zeitungsseite) wird über unseren Mandanten behauptet:
"[Zitat der falschen Tatsachenbehauptung]"

Diese Behauptung ist unrichtig. Wir übersenden beigefügt die
Gegendarstellung unseres Mandanten nach § [N] LPG [Bundesland]
mit dem Verlangen, diese in der nächsten regulären Ausgabe
in gleicher Aufmachung (Sektion, Schriftgröße, Sichtbarkeit)
zu veröffentlichen.

Die Original-Unterschrift liegt bei.

Bei ausbleibender Veröffentlichung in der nächsten Ausgabe
werden wir einstweiligen Rechtsschutz beantragen.

Wir bitten um Empfangsbestätigung binnen 24 Stunden.

[Ort, Datum]
[Kanzlei, Unterschrift]

Baustein 3 – Antrag auf einstweilige Verfügung (Muster)

AN DAS LANDGERICHT [...]

Antragsteller: [Name]
Antragsgegnerin: [Verlag/Medium]

Streitwert: EUR [15.000–30.000 typisch]

ANTRAG AUF EINSTWEILIGE VERFÜGUNG
gemäß §§ 935, 940 ZPO

Es wird beantragt,

der Antragsgegnerin durch einstweilige Verfügung aufzugeben,
die beigefügte Gegendarstellung des Antragstellers in ihrer
nächsten regulären Ausgabe (Print/Online) zu veröffentlichen,
und zwar in gleicher Aufmachung wie der beanstandete Artikel
ohne kommentierende Zusätze.

Eilbedürftigkeit:
Die beanstandete Behauptung wurde am [Datum] veröffentlicht.
Die Verletzung ist aktuell und die nächste Ausgabe erscheint
am [Datum]. Ohne sofortigen Erlass besteht keine Möglichkeit
mehr, zeitnah Gegendarstellung zu veröffentlichen.

Verfügungsanspruch:
§ [N] LPG [Bundesland]: Gegendarstellungsanspruch ist gegeben
[Kurzbegründung].

Beweis: Anlage K1: beanstandeter Artikel; Anlage K2: Gegendarstellungsschreiben; Anlage K3: Einschreiben-Rückschein; Anlage K4: Ablehnungsschreiben/Protokoll.

[Ort, Datum, Unterschrift]

--- vor Versand klaeren ---

  1. Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Bestand / Abfindung / Reputation / Schnelle Loesung]
  2. Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestabfindung / Freistellung / Zeugnisformulierung]
  3. Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgespraech / Settlement vor Klageerhebung]

Beweislast

Konstellation Beweislast
Rechtsprechung live prüfen keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren
Betroffenheit Antragsteller; bei namentlicher Nennung offensichtlich; bei Kollektivbezeichnung durch Eingrenzung des Kreises
Unrichtigkeit der Behauptung Antragsteller muss im Gegendarstellungstext eigene gegenläufige Tatsache formulieren; nicht: nachweisen, dass Medium falsch liegt
Fristwahrung Antragsteller muss Eingang beim Medium innerhalb der Frist nachweisen (Einschreiben, Zugangsbestätigung)
Qualität der Veröffentlichungspflicht Medium muss Entsprechung in Aufmachung nachweisen; Abweichungen trägt Medium

Fristen und Verjährung

Frist Inhalt Norm
2 Wochen Typische Antragsfrist beim Medium nach Veröffentlichung (je nach Bundesland 2–4 Wochen) § 11 LPG NRW u.a.
Nächste reguläre Ausgabe Veröffentlichungspflicht nach Eingang der Gegendarstellung LPG
Sofort Eilantrag bei LG nach Verweigerung; Aktualität schwindet schnell §§ 935, 940 ZPO
3 Jahre Schadensersatz § 823 BGB: Verjährung ab Kenntnis § 195 BGB
30 Jahre Geldentschädigung bei sehr schwerer Persönlichkeitsverletzung ohne Kenntnis des Täters § 199 Abs. 2 BGB

Typische Gegenargumente

Gegenargument Erwiderung
Rechtsprechung live prüfen keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren
"Die Gegendarstellung ist zu lang" LPG-Grundsatz: Gegendarstellung soll nicht länger als der beanstandete Beitrag sein; kürzerer Artikel = kürzere Gegendarstellung zulässig
"Der Beitrag enthält weitere Informationen die wir kommentieren dürfen" Gegendarstellungsveröffentlichung ohne Kommentar; Anmerkung erst in separater Ausgabe/nachfolgendem Abschnitt zulässig
Rechtsprechung live prüfen keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren
"Frist überschritten; kein Gegendarstellungsanspruch mehr" Fristversäumnis schließt nur LPG-Gegendarstellungsanspruch aus; Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche §§ 823, 1004 BGB bleiben bestehen

Streitwert / Kosten

Position Berechnung
Streitwert einstweilige Verfügung Typisch EUR 15.000–30.000 je nach Reichweite des Mediums und Schwere der Verletzung
Anwaltsgebühren bei Streitwert EUR 20.000 Ca. EUR 2.200 netto (VV-RVG 2300; Verfahrens- und Terminsgebühr)
Einstweilige Verfügung LG Gerichtsgebühren nach GKG 0.5-fach im einstweiligen Verfügungsverfahren
Rechtsprechung live prüfen keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren
Schadensersatz wirtschaftlicher Schaden Konkret: Verdienstausfall, Kundenverlust; durch Belege nachzuweisen

Strategische Empfehlung

Situation Empfehlung
Klare falsche Tatsache, aktueller Bericht Sofortige Gegendarstellung; parallel Unterlassungsschreiben; dann je nach Reaktion EV
Grenzfall Meinung/Tatsache Vorsichtiger Ansatz: Unterlassungsschreiben statt Gegendarstellung; Gegendarstellung bei Ablehnung riskiert Ablehnung durch Gericht
Rechtsprechung live prüfen keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren
Wirtschaftlicher Schaden durch Bericht Parallel zu Gegendarstellung: Schadensersatzanspruch § 823 BGB vorbereiten; Belege sichern
Rechtsprechung live prüfen keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren

Anschluss-Skills

  • urheber-abmahnung-pruefen – wenn Medieninhalt zugleich urheberrechtlich relevant ist
  • fachanwalt-urheber-medienrecht-abmahnung-pruefen – vertiefte Abmahnprüfung
  • fachanwalt-urheber-medienrecht-mod-erklaerung – Unterlassungserklärung bei presserechtlichen Ansprüchen

Quellen

Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

Triage-Fragen bei Gegendarstellungs-Mandat

Bevor der Gegendarstellungsanspruch geltend gemacht wird, klaere:

  1. Handelt es sich um eine Tatsachenbehauptung (Gegendarstellungsrecht) oder eine Meinungsaeusserung (nur § 1004 BGB i.V.m. §§ 823 I BGB)?
  2. Ist die Gegendarstellung unmittelbar an den Veroeffentlichungsort gerichtet (§ 11 LPG des betreffenden Bundeslandes)?
  3. Ist die Frist fuer die Gegendarstellung eingehalten (in den meisten Bundeslaendern: 3 Monate ab Kenntnis)?
  4. Ist die Gegendarstellung auf den Kern der falschen Tatsachenbehauptung beschraenkt (keine eigene Stellungnahme oder Kommentar)?

Aktuelle Rechtsprechung

Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

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