Widerspruchsschrift
Widerspruchsschrift nach §§ 68 ff. VwGO gegen belastenden Verwaltungsakt formulieren: Mandant hat Bescheid erhalten und will innerhalb der Frist Widerspruch einlegen. Normen: § 68 VwGO (Vorverfahren), § 70 Abs. 1 VwGO (Frist 1 Monat), § 80 Abs. 1 VwGO (aufschiebende Wirkung), § 58 Abs. 2 VwGO (Jahresfrist ohne Rechtsbehelfsbelehrung). Prüfraster: Statthaftigkeit (Bundesland?), Fristberechnung, aufschiebende Wirkung vs. sofortige Vollziehung, Begründung. Output Widerspruchsschrift. Abgrenzung: Anfechtungsklage direkt (kein Widerspruch statthaft) siehe fachanwalt-verwaltungsrecht-anfechtungsklage; Eilantrag siehe eilantrag-80-abs-5-vwgo.
Widerspruchsschrift
Kernsachverhalt
Gegen einen belastenden Verwaltungsakt ist als Vorverfahren — sofern nicht durch Bundes- oder Landesrecht ausgeschlossen — zunächst Widerspruch einzulegen. Erst nach Erlass des Widerspruchsbescheids oder Ablauf der Entscheidungsfrist ist die Anfechtungsklage zulässig. Das Widerspruchsverfahren bietet die Chance der vollständigen Überprüfung des Verwaltungsakts auf Rechtmäßigkeit und Zweckmäßigkeit und ermöglicht eine frühzeitige Einigung ohne Klageverfahren.
Kaltstart-Rückfragen
- Welcher Verwaltungsakt — welche Behörde, Datum, Zustellungsdatum? Ist die Rechtsbehelfsbelehrung ordnungsgemäß?
- Ist das Widerspruchsverfahren im Bundesland und Sachgebiet vorgesehen — oder wurde es durch Landesgesetz ausgeschlossen (§ 68 Abs. 1 Satz 2 VwGO i.V.m. Landesrecht; z.B. NRW, Bayern, Niedersachsen für bestimmte Gebiete)?
- Hat der Verwaltungsakt aufschiebende Wirkung — oder entfällt sie nach § 80 Abs. 2 VwGO (öffentliche Abgaben, Polizei, gesetzlicher Ausschluss, Sofortvollzug)?
- Welche formellen Mängel sind erkennbar — fehlende Anhörung § 28 VwVfG, mangelhafte Begründung § 39 VwVfG, Zuständigkeitsmangel?
- Welche materiellen Mängel bestehen — Tatbestand nicht erfüllt, Ermessensfehler §§ 40 VwVfG, 114 VwGO, Unverhältnismäßigkeit?
- Soll parallel Eilrechtsschutz beantragt werden — § 80 Abs. 5 VwGO bei Sofortvollzug oder § 80 Abs. 4 VwGO Antrag bei Behörde?
- Ist eine Hinzuziehung des Bevollmächtigten für das Vorverfahren nach Landesrecht erforderlich und kostenpflichtig?
- Ist ein Widerspruchsgebühr-Regime im Bundesland anwendbar — Kosten des Vorverfahrens nach VwVfG oder Landesgebührengesetz?
- Was will der Mandant wirklich erreichen? (Nicht: was steht im Standardweg, sondern: welches Ergebnis ist fuer den Mandanten persoenlich/wirtschaftlich das beste? Manchmal ist der schnellere Vergleich besser als der formal "richtige" Weg.)
Rechtsgrundlagen
Normtexte (Auszüge)
§ 68 Abs. 1 VwGO — Vor Erhebung der Anfechtungsklage sind Rechtmäßigkeit und Zweckmäßigkeit des Verwaltungsakts in einem Vorverfahren nachzuprüfen. Einer solchen Nachprüfung bedarf es nicht, wenn ein Gesetz dies bestimmt oder wenn der Abhilfebescheid oder der Widerspruchsbescheid erstmalig eine Beschwer enthält.
§ 70 Abs. 1 VwGO — Der Widerspruch ist innerhalb eines Monats, nachdem der Verwaltungsakt dem Beschwerten bekanntgegeben worden ist, schriftlich, in elektronischer Form nach § 3a VwVfG oder zur Niederschrift bei der Behörde zu erheben, die den Verwaltungsakt erlassen hat.
§ 58 Abs. 2 VwGO — Ist die Rechtsbehelfsbelehrung unterblieben oder unrichtig erteilt, so ist die Einlegung des Rechtsbehelfs innerhalb eines Jahres seit Zustellung zulässig.
§ 79 Abs. 1 VwGO — Gegenstand der Anfechtungsklage ist der ursprüngliche Verwaltungsakt in der Gestalt, die er durch den Widerspruchsbescheid gefunden hat.
§ 28 Abs. 1 VwVfG — Bevor ein Verwaltungsakt erlassen wird, der in Rechte eines Beteiligten eingreift, ist diesem Gelegenheit zu geben, sich zu den für die Entscheidung erheblichen Tatsachen zu äußern.
§ 39 Abs. 1 VwVfG — Ein schriftlicher oder elektronischer sowie ein schriftlich oder elektronisch bestätigter Verwaltungsakt ist mit einer Begründung zu versehen.
§ 40 VwVfG — Ist die Behörde ermächtigt, nach ihrem Ermessen zu handeln, hat sie ihr Ermessen entsprechend dem Zweck der Ermächtigung auszuüben und die gesetzlichen Grenzen des Ermessens einzuhalten.
§ 45 Abs. 1 Nr. 3 VwVfG — Eine Verletzung von Verfahrens- oder Formvorschriften, die nicht den Verwaltungsakt nach § 44 nichtig macht, ist unbeachtlich, wenn … die erforderliche Begründung nachträglich gegeben wird; dies gilt auch nach § 28 (Anhörung).
§ 45 Abs. 2 VwVfG — Handlungen nach Absatz 1 können bis zum Abschluss der letzten Tatsacheninstanz eines verwaltungsgerichtlichen Verfahrens nachgeholt werden.
§ 114 VwGO — Soweit die Verwaltungsbehörde ermächtigt ist, nach ihrem Ermessen zu handeln, prüft das Gericht auch, ob der Verwaltungsakt rechtswidrig ist, weil die gesetzlichen Grenzen des Ermessens überschritten sind oder von dem Ermessen in einer dem Zweck der Ermächtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht ist.
Leitentscheidungen
| Gericht | Aktenzeichen | Datum | Leitsatz |
|---|---|---|---|
| Rechtsprechung live prüfen | Live-Verifikation erforderlich | - | keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und Aussage protokollieren |
Prüfschema Widerspruch
Vorab: Der untenstehende Workflow ist die typische Standardlinie. Wenn die Mandantenlage abweicht (siehe "Strategische Optionen" oben), sind die Schritte entsprechend zu verkuerzen, umzustellen oder durch ein anderes Skill zu ersetzen — der Workflow ist Leitfaden, nicht Pflichtprogramm.
| Schritt | Prüfungspunkt | Norm | Inhalt |
|---|---|---|---|
| 1 | Statthaftigkeit Widerspruchsverfahren | § 68 VwGO + Landesrecht | Nicht ausgeschlossen durch Landes- oder Bundesrecht? |
| 2 | Klagebefugnis analog | § 42 Abs. 2 VwGO | Adressat oder Drittbetroffener mit möglicher Rechtsverletzung |
| 3 | Widerspruchsfrist | § 70 Abs. 1 VwGO | 1 Monat ab Bekanntgabe; § 58 Abs. 2: 1 Jahr bei Belehrungsfehler |
| 4 | Form des Widerspruchs | § 70 Abs. 1 VwGO | Schriftlich, elektronisch oder zur Niederschrift |
| 5 | Zuständige Ausgangsbehörde | § 70 VwGO | Widerspruch an Behörde, die VA erlassen hat |
| 6 | Aufschiebende Wirkung | § 80 Abs. 1 VwGO | Besteht sie? Entfällt nach § 80 Abs. 2 VwGO? |
| 7 | Formelle Rechtmäßigkeit des VA | §§ 28, 39 VwVfG | Anhörung, Begründung, Zuständigkeit, Form |
| 8 | Heilbarkeit formeller Fehler | § 45 VwVfG | Nachholbarkeit bis Abschluss Widerspruchsverfahren; Gefahr der Heilung |
| 9 | Materielle Rechtmäßigkeit | Spezialgesetze + BGB/VwVfG | Tatbestand der Ermächtigungsgrundlage erfüllt? |
| 10 | Ermessen | §§ 40 VwVfG, 114 VwGO | Nichtgebrauch, Überschreitung, Fehlgebrauch |
| 11 | Verhältnismäßigkeit | Art. 20 GG | Geeignet, erforderlich, angemessen |
| 12 | Zweckmäßigkeit | § 68 VwGO | Widerspruchsverfahren prüft auch Zweckmäßigkeit — Ermessen vollständig überprüfbar |
| 13 | Widerspruchsbehörde zuständig | § 73 VwGO | Ober- oder Aufsichtsbehörde? Oder Ausgangsbehörde selbst? |
| 14 | Hinzuziehungsantrag | §§ 80 VwVfG, Landesrecht | Notwendigkeit des Bevollmächtigten; Kostenfolge |
| 15 | Eilrechtsschutz parallel | §§ 80 Abs. 4, 80 Abs. 5 VwGO | Antrag bei Behörde oder VG |
Beweislast
| Beweisthema | Beweislastträger | Beweismittel |
|---|---|---|
| Rechtmäßigkeit des Verwaltungsakts | Behörde (trägt Beweislast für anspruchsbegründende Tatsachen) | Verwaltungsakte, Gutachten, Stellungnahmen |
| Fehlende Anhörung § 28 VwVfG | Widerspruchsführer (Rügeobliegenheit) | Akte, eigene Erklärung |
| Mangelhafte Begründung § 39 VwVfG | Widerspruchsführer (aus dem Bescheid ersichtlich) | Bescheid selbst |
| Ermessensfehler | Widerspruchsführer (Rüge) / Behörde (Entlastung) | Begründung des VA, Verwaltungsvorgang |
| Verhältnismäßigkeit | Widerspruchsführer (milderes Mittel behaupten) | Sachverständige, eigene Berechnung |
| Fristversäumnis bei falscher Belehrung | Behörde (muss ordnungsgemäße Belehrung nachweisen) | Zustellungsurkunde, Bescheid |
Fristen und Verjährung
| Frist | Grundlage | Lauf | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Widerspruchsfrist | § 70 Abs. 1 VwGO | 1 Monat ab Bekanntgabe | Bekanntgabe ≠ Zustellung; ggf. Dreitagesfiktion § 41 Abs. 2 VwVfG |
| Verlängerte Widerspruchsfrist | § 58 Abs. 2 VwGO | 1 Jahr bei fehlerhafter oder fehlender Belehrung | Gilt auch bei fehlendem Hinweis auf Adresse der Behörde |
| Klage nach Widerspruch | § 74 VwGO | 1 Monat ab Zustellung Widerspruchsbescheid | Bei Untätigkeit: 3 Monate nach Einlegung Widerspruch → Untätigkeitsklage § 75 VwGO |
| Untätigkeitsklage | § 75 VwGO | 3 Monate nach Einlegung Widerspruch | Bei Fristversäumnis kein Rechtsverlust, aber beachten |
| Heilung formeller Fehler | § 45 Abs. 2 VwVfG | Bis Abschluss letzter Tatsacheninstanz | Behörde kann Anhörung und Begründung nachreichen |
| Verjährung materieller Schadensersatz | § 195 BGB | 3 Jahre ab Kenntnis | Parallelansprüche aus § 839 BGB i.V.m. Art. 34 GG |
Typische Gegenargumente
| Gegenargument der Behörde | Gegenstrategie |
|---|---|
| "Anhörungsmangel geheilt — Widerspruch ist Nachholung" | § 45 Abs. 1 Nr. 3 VwVfG: Heilung nur durch eigenständige, nicht nur pro forma erfolgte Anhörung; bloße Übersendung des Bescheids genügt nicht |
| Rechtsprechung live prüfen | keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren |
| "Widerspruchsverfahren ausgeschlossen" | Landespezifische Ausnahmen genau prüfen; bei Ausschluss nur in bestimmten Sachgebieten prüfen ob hier ein solches vorliegt |
Strategische Optionen (vor dem Template entscheiden)
Bevor das Template eins-zu-eins gefuellt wird, ist zu pruefen welche Variante zur Mandantenkonstellation passt. Das Template ist eine moegliche Form — nicht die einzige.
| Konstellation | Empfohlener Weg |
|---|---|
| Standard — Widerspruch gegen Verwaltungsakt einlegen | Widerspruchsschrift nach Pruefschema; Template unten |
| Variante A — Widerspruchsverfahren nicht Pflicht direkter Klageweg | Klagefrist pruefen; ggf. direkt Anfechtungsklage ohne Widerspruch |
| Variante B — Mandant will Widerspruch nur zur Fristwahrung | Kurzwiderspruch ohne Begruendung zuerst; Begruendung nachreichen |
| Variante C — Behoerde zeigt Kooperationsbereitschaft | Informelles Gespraech vor Widerspruch; Widerspruch als letzte Option |
Wenn die Mandantenkonstellation nicht ins Standardschema passt, ist das Template anzupassen oder durch ein anderes Skill abzuloesen — nicht das Mandat in das Schema zu pressen.
Schriftsatzbausteine
Baustein 1: Vollständige Widerspruchsschrift
[Kanzlei]
[Anschrift]
[Datum]
An die [Ausgangsbehörde]
[Anschrift]
Aktenzeichen der Behörde: [Az.]
Widerspruch nach § 68 VwGO
In der Verwaltungssache
des [Vorname Name]
[Anschrift]
— Widerspruchsführer —
Verfahrensbevollmächtigte: Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte [Kanzlei]
gegen
den Bescheid der [Behörde] vom [Datum], Aktenzeichen [Az.],
zugestellt am [Datum]
legen wir namens und in Vollmacht des Widerspruchsführers
Widerspruch
ein und beantragen:
1. Den Bescheid vom [Datum] aufzuheben.
2. [Hilfsweise: Bescheid mit folgendem Inhalt zu erlassen: ...]
3. Die Hinzuziehung des Bevollmächtigten für das Vorverfahren
gemäß § 80 Abs. 2 VwVfG für notwendig zu erklären.
Begründung
I. Zulässigkeit
Der Widerspruch ist nach § 68 VwGO statthaft. Das
Widerspruchsverfahren ist im Land [X] im Sachgebiet [Y]
nicht ausgeschlossen. Der Bescheid wurde dem Widerspruchsführer
am [Datum] zugestellt. Die Widerspruchsfrist von einem Monat
(§ 70 Abs. 1 VwGO) ist daher bis zum [Datum] gewahrt.
II. Formelle Rechtswidrigkeit
1. Anhörungsmangel § 28 VwVfG
Vor Erlass des Bescheids wurde dem Widerspruchsführer keine
Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Der Widerspruchsführer
hat zu keinem Zeitpunkt eine Anhörungsmitteilung erhalten.
Der Mangel ist beachtlich.
2. Begründungsmangel § 39 VwVfG
Der Bescheid enthält keine ausreichende rechtliche Begründung.
Die Behörde beschränkt sich auf den Hinweis, [Zitat]. Eine
Auseinandersetzung mit den konkreten Umständen des Einzelfalls
fehlt.
III. Materielle Rechtswidrigkeit
1. Tatbestand nicht erfüllt
Die Voraussetzungen des § [X Spezialgesetz] liegen nicht vor.
Die Behörde geht davon aus, dass [Sachverhaltsbehauptung Behörde].
Tatsächlich ist jedoch [zutreffender Sachverhalt]. Dies belegen
[Anlage X].
2. Ermessensfehler § 40 VwVfG / § 114 VwGO
Soweit der Bescheid auf Ermessen gestützt ist, wurde es nicht
oder fehlerhaft ausgeübt:
a) Ermessensnichtgebrauch: aus der Begründung ergibt sich, dass
die Behörde keine Ermessenserwägungen angestellt hat.
b) Ermessensfehlgebrauch: relevante Belange wie [Belang] wurden
nicht berücksichtigt.
3. Unverhältnismäßigkeit
Der Eingriff ist nicht verhältnismäßig:
— Geeignetheit: [ggf. bestreiten].
— Erforderlichkeit: Das mildere Mittel [Bezeichnung] wäre ebenso
wirksam und weniger belastend.
— Angemessenheit: die Schwere des Eingriffs [Beschreibung] überwiegt
das verfolgte Ziel.
IV. Eilrechtsschutz
Parallel hierzu wird beim Verwaltungsgericht [Ort] ein Antrag nach
§ 80 Abs. 5 VwGO eingereicht, da die sofortige Vollziehung die
[Existenz / wirtschaftliche Grundlage] des Widerspruchsführers
gefährdet.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Anlagen:
- Bescheid (Anlage W1)
- Vollmacht (Anlage W2)
- Belege Sachverhalt (Anlagen W3 ff.)
Baustein 2: Widerspruch mit Sofortvollzug-Antrag § 80 Abs. 4 VwGO
An die [Ausgangsbehörde]
Widerspruch und Antrag auf Aussetzung der sofortigen Vollziehung
I. Widerspruch
[wie Baustein 1]
II. Antrag nach § 80 Abs. 4 VwGO
Wir beantragen zugleich gemäß § 80 Abs. 4 VwGO, die Vollziehung
des angefochtenen Bescheids auszusetzen.
Die sofortige Vollziehung würde [konkrete Folgen schildern].
Angesichts der dargelegten erheblichen Erfolgsaussichten des
Widerspruchs und der schwerwiegenden Konsequenzen der sofortigen
Vollziehung überwiegt das Aussetzungsinteresse des
Widerspruchsführers.
Sollte die Behörde dem Antrag nicht innerhalb von [5] Werktagen
stattgeben, wird der Widerspruchsführer das Verwaltungsgericht
anrufen (§ 80 Abs. 5 VwGO).
Baustein 3: Taktischer Hinweis-Schriftsatz bei drohender Heilung
An die [Ausgangsbehörde]
Stellungnahme zur nachgeholten Anhörung
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir nehmen Stellung zu Ihrem Schreiben vom [Datum], mit dem Sie
nach Einlegung des Widerspruchs eine Anhörung nachgeholt haben.
1. Wir machen geltend, dass die nachgeholte Anhörung die formelle
Rechtswidrigkeit des Bescheids im Kern nicht beseitigt, da
[Begründung: z.B. Ermessenserwägungen grundlegend neu bewertet
werden müssten / Sachverhalt nicht hinreichend aufgeklärt].
2. Wir halten an dem Widerspruch vollumfänglich fest.
3. Unabhängig von der Frage der Heilung bleibt der Bescheid aus
den materiellen Gründen (s.o.) rechtswidrig.
--- vor Versand klaeren ---
- Welches Verhandlungsziel hat der Mandant? [Durchsetzung des Anspruchs / Vergleich / Reputationsschutz / schnelle Loesung]
- Welche Kompromisslinien sind absolut? [Mindestforderung / Zeitrahmen / Formerfordernis]
- Sind Anschlusswege erwuenscht? [Mediation / Direktgesprach / Einigung vor Fristablauf]
Schlussabsatz Variante A (kooperativ): Wir regen eine guetliche Einigung an und stehen fuer ein klaerenden Gesprach zur Verfuegung. Eine einvernehmliche Loesung erspart beiden Seiten Zeit und Kosten.
Schlussabsatz Variante B (formal-streng): Eine aussergerichtliche Einigung kommt nur in Betracht wenn die Gegenseite innerhalb von [X] Tagen einen akzeptablen Vorschlag unterbreitet. Anderenfalls werden wir alle rechtlichen Schritte einleiten.
Streitwert und Kosten
| Position | Berechnung | Hinweis |
|---|---|---|
| Streitwert Widerspruchsverfahren | § 52 GKG; Auffangwert EUR 5.000; bei beziffertem Anspruch der Anspruchsbetrag | Für Kostenerstattung aus § 80 VwVfG relevant |
| Gebühr Widerspruchsverfahren | Landesgebührenrecht; meist EUR 50–500 bei Abweisung; keine Gebühr bei Abhilfe | Wenn Widerspruch Erfolg hat: Erstattung der anwaltlichen Kosten |
| Hinzuziehungsantrag | § 80 VwVfG; notwendig wenn Sach- und Rechtslage komplex | Ohne Antrag kein Kostenerstattungsanspruch |
| Anwaltsvergütung | RVG Nr. 2300 VV (Geschäftsgebühr); 1,3 bis 2,5-fach je nach Schwierigkeit | Erstattungsfähig bei Obsiegen |
| Kosten Klageverfahren danach | GKG Anlage 1; plus RVG-Gebühren | Widerspruchsverfahren als Sachurteilsvoraussetzung unerlässlich |
Strategische Empfehlung
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Frist fast abgelaufen | Widerspruch ohne Begründung einlegen; Begründung nachreichen; Fristwahrung hat Vorrang |
| Anhörungsmangel erkannt | Rügen aber beachten: Behörde kann nachholen → eigene Einwendungen früh substanziieren |
| Sofortvollzug angeordnet | § 80 Abs. 4 VwGO-Antrag bei Behörde + § 80 Abs. 5 VwGO parallel VG |
| Ermessensfehler eindeutig | Substanziierte Rüge; keine allgemeine Formulierung; konkrete Erwägungen als fehlend bezeichnen |
| Widerspruchsverfahren ausgeschlossen | Unmittelbar Klage erheben; Frist § 74 VwGO einhalten |
| Chance auf Abhilfe hoch | Frühe Kontaktaufnahme mit Sachbearbeiter; einvernehmliche Lösung suchen; spart Kosten |
Anschluss-Skills
fachanwalt-verwaltungsrecht-einstweiliger-rechtsschutz— Eilrechtsschutz parallel zum Widersprucheilantrag-80-abs-5-vwgo— Vertiefung Schriftsatz § 80 Abs. 5 VwGOenergieanlagen-bimschg-genehmigung-verfahren— Widerspruch gegen BImSchG-Bescheidenergietrassen-planfeststellung-rechtsschutz— Einwendungen im Planfeststellungsverfahren
Aktuelle Leitentscheidungen (v14.2 Ergaenzung)
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Quellen
- VwGO §§ 42, 58, 68–79, 80, 113, 114
- VwVfG §§ 28, 35, 39, 40, 41, 43, 44, 45, 80
- GKG § 52
- RVG Nr. 2300 VV
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
- Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen zitieren. Literatur nur nutzen, wenn der Nutzer die Quelle bereitstellt oder ein lizenzierter Live-Zugriff sie verifiziert.
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