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Produktmarkt — Nachfragesubstitution

Kernschritt jeder Marktabgrenzung: sachlicher Markt aus Nachfragersicht bestimmen. Prüft funktionale Austauschbarkeit Preisreagibilitaet qualitative Unterschiede Verwendungszweck Bedarfsdeckungsaequivalenz. Normen § 18 GWB Art. 102 AEUV EU-Bekanntmachung Marktdefinition 2024 ABl 2024/C 1645. Prüfraster Verallgemeinerungsannahmen fehlende Differenzierungen nach Kundensegmenten SSNIP-Test. Output Nachfragesubstitutions-Memo mit Marktdefinition und Argument-Schwachstellen-Liste. Abgrenzung: produktmarkt-angebotsumstellung für Supply-Side-Perspektive.

ID: de.antitrust.produktmarkt-nachfragesubstitution Version: 0.1.0 License: Apache-2.0 Author: Klotzkette Language: de Added: 2026-06-01
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Produktmarkt — Nachfragesubstitution

Rechtlicher Rahmen

Die Nachfragesubstituierbarkeit ist das primäre Instrument der sachlichen Marktabgrenzung. Die Kommission folgt in ihrer Bekanntmachung zur Marktdefinition (2024) dem Grundsatz: Ein Markt umfasst alle Produkte, die aus Sicht der Nachfrager funktionell austauschbar sind.

Einschlägige Prüfmaßstäbe:

  • EU-Kommission, Bekanntmachung zur Marktdefinition, ABl. 2024/C 1645 (Nachfolger Bekanntmachung 1997, ABl. C 372/5).
  • § 18 Abs. 1 Nr. 1 GWB: Nachfrager können nicht auf andere Anbieter ausweichen.
  • EuGH, Rs. 27/76 — United Brands: Bananen als eigener Markt wegen Besonderheiten für Kleinkinder, Kranke und ältere Menschen.

Prüfungsschritte

1. Funktionale Austauschbarkeit

  • Decken die Produkte denselben Bedarf?
  • Können Nachfrager ohne erhebliche Anpassungskosten wechseln?
  • Wird derselbe Verwendungszweck erfüllt?

Dokumentation: Auflistung aller Produkte, die als Substitute behauptet werden, mit Begründung für Einschluss/Ausschluss.

2. Preisreagibilität

  • Führt eine Preiserhöhung von 5–10 Prozent für Produkt A zu einer spürbaren Abwanderung zu Produkt B?
  • Sofern Elastizitätsdaten vorhanden: Kreuzpreiselastizität-Schwelle (in der Praxis: > 0,5 als Indiz für Substitution).
  • Wenn keine Daten: Begründung der Substitutionsvermutung durch qualitative Indikatoren.

3. Qualitative Unterschiede

Checkliste zu trennenden Merkmalen:

  • Technische Standards und Normen (z.B. Medizinproduktezulassung)
  • Marken- und Wahrnehmungsunterschiede (sog. "commercial reality")
  • Regulatorische Anforderungen für Einsatz des Produkts
  • Kundensegmentierung (Konsumenten vs. professionelle Verwender)

4. Verallgemeinerungscheck

Häufige Fehler:

  • Aggregation heterogener Produkte zu einem Markt ohne Begründung.
  • Vernachlässigung von Primär- vs. Sekundärmarktstruktur.
  • Fehlende Differenzierung nach Kundensegmenten mit unterschiedlichen Ausweichmöglichkeiten.

5. Bewertungsmatrix

Kriterium Erfüllt Nicht erfüllt Offen
Funktionale Deckung
Preisreagibilität
Qualitative Äquivalenz
Kundensegmentierung
Methodische Begründung

Zwischenergebnis

Stufe: eng / angemessen / zu weit — mit Kurzformulierung der Hauptschwäche.

Leitentscheidungen Nachfragesubstitution

  • Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.

Quellenregel

Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.

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