Pensionsmodelle — Die fünf Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung
Fuenf Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung vergleichen und waehlen. Normen: §§ 1 1b BetrAVG. Prüfraster: Direktzusage, Unterstuetzungskasse, Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds - Vor- und Nachteile. Output: Durchführungsweg-Empfehlung. Abgrenzung: nicht steuerliche Behandlung § 6a EStG.
Pensionsmodelle — Die fünf Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung
Treuenfels Yamamoto Rechtsanwälte Partnerschaft mbB Federführung: Prof. Dr. Adalbert von Sompeh-Ostermann, LL.M. (Oxford)
Rechtsgrundlagen
- §§ 1–6 BetrAVG (Grunddefinitionen, Unverfallbarkeit, Zusagearten)
- § 1b BetrAVG (gesetzliche Unverfallbarkeit nach drei Jahren Betriebszugehörigkeit und Vollendung 21. Lebensjahr — seit 1.1.2018)
- § 7 BetrAVG (Insolvenzsicherung PSV)
- §§ 1–3 BetrAVG (Durchführungswege: § 1 Abs. 1 S. 2 BetrAVG — Direktzusage; § 1b Abs. 4 BetrAVG — Unterstützungskasse; § 1b Abs. 3 BetrAVG — Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds)
- § 6a EStG (Pensionsrückstellungen Direktzusage — steuerliche Voraussetzungen)
- § 4d EStG (Zuwendungen an Unterstützungskassen)
- §§ 236–242 VAG (Pensionsfonds-Aufsicht durch BaFin)
- §§ 232–235 VAG (Pensionskassen)
- IAS 19 (Employee Benefits — Defined Benefit Obligations, DBO, Service Cost)
- IORP II (EU-Richtlinie 2016/2341/EU — Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung)
- HGB § 246 Abs. 2 S. 2 (Saldierungsgebot bei CTA-Deckungsvermögen)
- BAG-Rechtsprechung zu Durchführungswegen, Unverfallbarkeit und Insolvenzsicherung: konkrete Aktenzeichen vor Versand in bundesarbeitsgericht.de oder dejure.org aufrufen.
- BSG-Rechtsprechung zu Sozialversicherungspflicht von bAV-Beiträgen: konkrete Aktenzeichen in bsg.bund.de oder dejure.org verifizieren.
- Stand Mai 2026: Mindestbesteuerungsgesetz (MinBestG) vom 27.12.2023, BGBl. I 2023 Nr. 397 — OECD Pillar 2 / GloBE-Regeln; 15 % Mindeststeuer ab 750 Mio. EUR Umsatz; Auswirkung auf Steuerwirkung von Pensionsrückstellungen § 6a EStG und Deferred Tax Assets im IFRS-Konzern. OECD GloBE Administrative Guidance (5. Tranche Januar 2025).
- Beitragsbemessungsgrenze 2025: erstmals einheitliche BBG West/Ost (alle Werte vor Versand auf bundesfinanzministerium.de oder deutsche-rentenversicherung.de prüfen).
Quellenregel
Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.
Vorgehen
Schritt 1: Bestandsaufnahme und Ausgangslage
Dr. von Sompeh-Ostermann eröffnet die Mandatsbearbeitung stets mit einem strukturierten Fragebogen (→ Checkliste unten). Erfasst werden:
- Anzahl aktiver Anwärter, Rentner, unverfallbar Ausgeschiedener (getrennt nach Gesellschaften)
- Bestehende Zusagearten (Leistungs-, Beitrags-, beitragsorientierte Leistungszusage gem. § 1 Abs. 2 BetrAVG)
- Derzeitiger Durchführungsweg und etwaige Mischstrukturen
- Bilanzierungspflicht (HGB-Konzernabschluss, IFRS-Konzernabschluss, beides)
- Sanierungsbedarf Unterdeckung (Pensionskassen §§ 232 ff. VAG)
- Tarifbindung und kollektivrechtliche Einschränkungen
Schritt 2: Analyse der fünf Durchführungswege
2.1 Direktzusage (Pensionsrückstellung)
Rechtsform: Unmittelbare Verpflichtung des Arbeitgebers.
Steuer: Rückstellungsbildung gem. § 6a EStG; Teilwert-Methode; steuerlicher Rechnungszins 6 % (steuerpolitisch kontrovers, verfassungsrechtlich noch nicht abschließend geklärt — BVerfG-Vorlage ausstehend).
Handelsrecht: Pflichtansatz gem. § 249 Abs. 1 HGB; Abzinsungszinssatz gem. § 253 Abs. 2 HGB (10-Jahres-Durchschnittszinssatz der Deutschen Bundesbank, aktuell ca. 1,8 %).
IFRS: IAS 19 — DBO (Defined Benefit Obligation) nach PUC-Methode (Projected Unit Credit); Service Cost, Interest Cost, Remeasurements in OCI.
PSV-Pflicht: Ja, gem. § 7 BetrAVG.
Vorteile:
- Maximale Flexibilität bei Leistungsgestaltung
- Kein aufsichtsrechtlicher Rahmen
- Steuerliche Abzugsfähigkeit der Zuführungen
Nachteile:
- Volle Bilanzbelastung (IFRS und HGB)
- Finanzierungsrisiko liegt beim Arbeitgeber
- PSV-Beiträge
2.2 Unterstützungskasse
Rechtsform: Rechtlich selbständige Einrichtung (e.V., GmbH, Stiftung); kein Rechtsanspruch des Begünstigten auf Leistung gem. § 1b Abs. 4 BetrAVG.
Steuer: Zuwendungen abzugsfähig gem. § 4d EStG (bei Rentnern sofort, bei Anwärtern nach Tabellenwert-Methode begrenzt); Kasse selbst körperschaftsteuerfrei.
Handelsrecht/IFRS: Rückdeckungsversicherung bei Saldierung gem. HGB § 246 Abs. 2 S. 2 / IAS 19 plan asset möglich.
PSV-Pflicht: Ja.
Vorteile:
- Eigenständige Vermögensverwaltung möglich
- Flexibilität bei Kapitalanlage
- Steuerliche Vorteile bei Rückdeckungsgestaltung
Nachteile:
- Kein Rechtsanspruch des Arbeitnehmers gegenüber Kasse (nur gegenüber Arbeitgeber)
- Komplexe Verwaltung
- § 4d EStG-Beschränkungen
2.3 Pensionskasse
Rechtsform: VAG-beaufsichtigtes VVaG oder AG; Arbeitnehmer hat Rechtsanspruch gegen Kasse.
Aufsicht: BaFin gem. §§ 232–235 VAG; Bedeckungspflicht (Solvency I-analoges Regime für kleine Kassen, IORP II für EbAV).
PSV-Pflicht: Nur für Kassen, die nicht der Sicherungseinrichtung gem. § 8 BetrAVG angeschlossen sind.
Handelsrecht/IFRS: Bei ausreichender Dotierung ggf. keine HGB-Rückstellung (§ 249 Abs. 1 S. 3 HGB a.F. — beachte aktuelle Rechtsprechungsentwicklung); IAS 19 plan asset.
Vorteile:
- Risikotransfer auf Kasse
- Steuerliche Förderung (§ 3 Nr. 63 EStG bis EUR 7.248 steuerfrei — 2024)
- Arbeitnehmer hat direkten Rechtsanspruch
Nachteile:
- Haftung für Sanierungsbeiträge (§ 233 Abs. 1 VAG i.V.m. Satzung) kann zurückfallen
- Rechtsprechung live prüfen: Keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über amtliche oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
- Eingeschränkte Kapitalanlage-Flexibilität
2.4 Pensionsfonds
Rechtsform: Rechtsfähige Versorgungseinrichtung gem. § 236 VAG; kapitalmarktnäher Durchführungsweg.
Aufsicht: BaFin gem. §§ 236–242 VAG; IORP II; MaRisk entsprechend.
PSV-Pflicht: Ja, aber eingeschränkt wenn Leistungsplan (§ 7 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 BetrAVG).
Steuer: § 4e EStG — Beiträge sofort abzugsfähig (kein § 6a-Tabellenschema).
IFRS: IAS 19 plan asset bei ausreichender Saldierbarkeit.
Vorteile:
- Hohe Kapitalanlage-Flexibilität
- Sofortige steuerliche Abzugsfähigkeit
- Für große Konzerne: eigener Pensionsfonds möglich
- Beste Möglichkeit zur Bilanzentlastung (IFRS plan asset)
Nachteile:
- Komplex und kostenintensiv zu etablieren
- Aufsichtsrechtliches Regime (BaFin)
- Bei Unterdeckung: Arbeitgeber muss leisten
2.5 Direktversicherung
Rechtsform: Lebensversicherung auf das Leben des Arbeitnehmers; Versicherungsnehmer = Arbeitgeber oder Arbeitnehmer (nach Übertragung gem. § 4 BetrAVG).
PSV-Pflicht: Nein (wenn unwiderrufliches Bezugsrecht, § 7 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 BetrAVG).
Steuer: § 3 Nr. 63 EStG bis EUR 7.248 p.a. steuerfrei (2024); Pauschalversteuerung § 40b EStG a.F. (Altverträge).
IFRS: Bei Qualifying Insurance Policy: plan asset gem. IAS 19.8.
Vorteile:
- Einfachste Administration
- Kein PSV
- Portabilität bei § 4 BetrAVG-Übertragung
Nachteile:
- Kapitalanlage-Flexibilität begrenzt durch Versicherungsprodukt
- Bei Kündigung: Rückkaufswert ggf. unter Prämienvolumen
- Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
Schritt 3: Entscheidungsmatrix
| Kriterium | Direktzusage | Unterstützungskasse | Pensionskasse | Pensionsfonds | Direktversicherung |
|---|---|---|---|---|---|
| HGB-Bilanzbelastung | Hoch | Mittel (bei Rückdeckung) | Niedrig | Niedrig | Keine |
| IFRS plan asset | Nur mit CTA | Ja (mit CTA) | Ja | Ja | Ja (qualifying) |
| PSV-Pflicht | Ja | Ja | Ggf. Nein | Ja (begrenzt) | Nein |
| Flexibilität Leistung | Sehr hoch | Hoch | Mittel | Mittel | Niedrig |
| Kapitalanlage-Freiheit | Hoch (CTA) | Hoch | Begrenzt | Hoch | Niedrig |
| Steuerliche Effizienz | Mittel | Mittel | Hoch | Hoch | Hoch |
| Admin-Aufwand | Mittel | Hoch | Mittel | Hoch | Niedrig |
| Geeignet für | Groß-/Konzern | Groß-/Konzern | Mittelstand | Großkonzern | KMU/individuelle |
Schritt 4: Empfehlungs-Framework Treuenfels Yamamoto
Regel 1 — IFRS-Bilanzentlastung priorisieren: Bei IFRS-Abschluss sollte stets geprüft werden, ob ein CTA (→ Skill cta-contractual-trust-arrangement-strukturierung) oder ein ausfinanzierter Pensionsfonds die DBO auf Nettobasis darstellen kann.
Regel 2 — PSV-Kosten minimieren: Bei Pensionskassen mit eigener Sicherungseinrichtung und Direktversicherungen mit unwiderruflichem Bezugsrecht entfällt der PSV-Beitrag (Beitragssatz zuletzt ca. 3,4 ‰ auf Beitragsbemessungsgrundlage).
Regel 3 — Kollektivrechtliche Bindungen prüfen: Tarifliche BAV-Ansprüche (z.B. ATV, ATV-K) können Durchführungsweg vorgeben.
Templates
Template A: Entscheidungsprotokoll Durchführungsweg (Muster)
TREUENFELS YAMAMOTO RECHTSANWÄLTE PARTNERSCHAFT mbB
Königsalle 92 · 40212 Düsseldorf
INTERNES ARBEITSPROTOKOLL — VERTRAULICH
Mandant: [Fiktive Konzern GmbH & Co. KG]
Projekt: Auswahl Durchführungsweg BAV
Datum: [Datum]
Federführung: Prof. Dr. Adalbert von Sompeh-Ostermann, LL.M. (Oxford)
Mitarbeit: [Senior Associate Name], [Associate Name]
1. AUSGANGSSACHVERHALT
Anwärter aktiv: [Anzahl]
Rentner: [Anzahl]
DBO (IFRS, aktuariell): EUR [Betrag]
Bestand Direktzusagen: EUR [Betrag] Rückstellungen (HGB)
2. ANALYSEERGEBNIS DURCHFÜHRUNGSWEGE
[Tabelle Vor-/Nachteile je Durchführungsweg — mandantenspezifisch]
3. EMPFEHLUNG
Empfohlener Durchführungsweg: [...]
Begründung: [...]
Erforderliche Maßnahmen: [...]
4. NÄCHSTE SCHRITTE
□ Abstimmung mit Wirtschaftsprüfer (Bilanzierungseffekte)
□ Abstimmung mit Betriebsrat (§ 87 Abs. 1 Nr. 8 BetrVG)
□ Aktuarielle Bestätigung
□ BaFin-Konzession prüfen (sofern Pensionsfonds/Pensionskasse)
Template B: Mandats-Checkliste Durchführungsweg-Analyse
CHECKLISTE — INFORMATIONSANFORDERUNG BAV-DURCHFÜHRUNGSWEG
Treuenfels Yamamoto · Dr. von Sompeh-Ostermann
□ Vollständige Liste aller bestehenden Versorgungsordnungen (VOs)
□ Aktuelle Mitarbeiterliste mit Eintrittsdatum, Geburtsdatum, Zusagedatum
□ Letzter versicherungsmathematischer Gutachten-Bericht
□ Jahresabschlüsse letzter drei Geschäftsjahre (HGB und ggf. IFRS)
□ PSV-Beitragsbescheide letzter zwei Jahre
□ Bestehende Treuhandverträge / CTA-Dokumentation
□ Gesellschaftsvertrag / Satzung der Versorgungseinrichtung (sofern vorhanden)
□ Alle Betriebsvereinbarungen mit BAV-Bezug
□ Kollektivverträge / Tarifverträge mit Versorgungsregelungen
□ Rückdeckungsversicherungs-Policen
Fallstricke
-
§ 6a EStG-Steuerstundungseffekt überschätzen: Der Teilwert-Ansatz mit 6 % Rechnungszins führt zur erheblichen Divergenz zwischen steuerlicher Rückstellung und HGB-Rückstellung. Mandanten überschätzen häufig die steuerliche Entlastungswirkung.
-
Rechtsprechung live prüfen: Keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über amtliche oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
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IORP II-Umsetzungslücken: Deutschland hat IORP II (RL 2016/2341/EU) in §§ 232 ff. VAG umgesetzt. Konzerneigene Pensionskassen müssen seit 2019 umfangreiche Governance-Anforderungen (ORSA, eigene Risikobeurteilung, Schlüsselfunktionen) erfüllen — oft unterschätzt.
-
Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
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Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.
-
Sozialversicherungsrechtliche Fallgruben: § 1 Abs. 2 Nr. 2 SGB VI (Versicherungsfreiheit reine DC bei Zusageart Beitragszusage mit Mindestleistung) ist komplex; falsche Einordnung führt zu SV-Nachforderungen.
Querverweise zu anderen Skills
- →
cta-contractual-trust-arrangement-strukturierung— für Bilanzentlastung via Doppeltreuhand - →
governance-und-anpassungsmechanismen— für Pension Committee und Trustee-Board-Governance - →
drei-stufen-theorie-eingriffsanalyse— bei Umstellung bestehender Zusagen - →
versorgungsordnung-und-betriebsvereinbarung-drafting— für VO/BV-Templates je Durchführungsweg
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