Alkohol und Drogen — § 24a StVG
Alkohol- und Drogen-OWi verteidigen: Mandant hat Bußgeldbescheid wegen 0.5-Promille oder Drogennachweis erhalten. Normen: § 24a Abs. 1 StVG (0.5-Promille-Grenze), § 24a Abs. 2 StVG (Wirkstoffnachweis THC/Kokain/Amphetamin), § 81a StPO (Blutprobe), § 316 StGB (Trunkenheit im Verkehr Abgrenzung). Prüfraster: Toleranzwerte, analytische Nachweisgrenze vs. Wirkung, Blutprobe-Anforderung ordnungsgemäß, Fahrerlaubnis-Konsequenzen § 69 StGB. Output Einspruchs-Strategie, Beweisverwertungs-Antrag. Abgrenzung: Strafrecht § 316 StGB siehe fachanwalt-strafrecht-Plugin; Fahrerlaubnisentzug VwR siehe fachanwalt-verwaltungsrecht-Plugin.
Alkohol und Drogen — § 24a StVG
Triage zu Beginn
- Alkohol oder Drogen? — § 24a Abs. 1 StVG: 0,5 Promille-Grenze (Atemalkohol 0,25 mg/l); § 24a Abs. 2 StVG: Drogen-Wirkstoffnachweis.
- BAK-Wert oder Atemalkohol-Wert? — Atemalkohol-Wert (AAK): 0,25 mg/l = OWi; ab 0,50 mg/l AAK oder BAK 1,1 Promille bei Ausfallerscheinungen = § 316 StGB (Strafrecht!).
- Blutprobe entnommen? — Zeitpunkt der Entnahme nach Fahrtende relevant; Rueckrechnung auf Fahrzeitpunkt.
- Bei Drogen: Welcher Stoff? THC, Kokain, Amphetamin — unterschiedliche analytische Grenzwerte.
- Fahrerlaubnis-Konsequenzen? — § 69 Abs. 2 StGB-Regelfall bei § 316 StGB; im OWi-Bereich Fahrverbot nach § 25 StVG.
Zentrale Normen (Stand Mai 2026)
- § 24a Abs. 1 StVG — Alkohol-OWi: Atemalkohol 0.25 mg/l oder mehr; oder BAK 0.5 Promille oder mehr
- § 24a Abs. 1a StVG — THC-Grenzwert 3.5 ng/ml im Blutserum (in Kraft seit 22.8.2024, BGBl. I 2024 Nr. 274)
- § 24a Abs. 2 StVG — Drogen-OWi: Fahren unter Einfluss von in Anlage zu § 24a StVG genannten Substanzen (Kokain, Amphetamin, MDMA, Methamphetamin, Morphin u.a.)
- § 24a Abs. 3 StVG — keine OWi wenn Drogeneinnahme nachweislich laenger zurueckliegt und keine Fahruntauglichkeit
- § 316 StGB — Trunkenheitsfahrt: BAK ab 1.1 Promille (absolute Fahruntauglichkeit) oder ab 0.3 Promille mit Ausfallerscheinungen (relative Fahruntauglichkeit)
- § 315c StGB — Gefährdung des Strassenverkehrs unter Alkohol
- § 81a StPO — Blutentnahme durch Arzt; richterlicher Anordnungsvorbehalt
- § 69 Abs. 2 StGB — Regelungeeignetheit bei § 316 StGB
- § 25 StVG — Fahrverbot im OWi-Verfahren
- KCanG (Konsumcannabisgesetz vom 27.3.2024, BGBl. I 2024 Nr. 109) — Cannabis ab 1.4.2024 kein BtM mehr; medizinische Verwendung im MedCanG
Aktuelle Rechtsprechung (Stand Mai 2026; offene Quellen)
- BVerwG, Beschl. v. 8.1.2025, 3 B 2.24 — Cannabis ist seit KCanG (1.4.2024) kein BtM mehr; § 14 FeV im Lichte der neuen Gesetzeslage anzuwenden. Quelle: bverwg.de
- BGH 4. Strafsenat zu § 24a StVG und § 316 StGB: konkrete Aktenzeichen vor Versand in bundesgerichtshof.de oder dejure.org verifizieren.
- OLG-Linien zu Cannabis-Grenzwert und Trennungsfähigkeit: laufende Rechtsprechung 2025/2026 — vor Versand in openjur.de oder nrwe.de prüfen.
Quellenregel
Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.
Trennlinie OWi vs. Strafrecht
| Situation | Norm | Konsequenz |
|---|---|---|
| AAK 0.25 bis 0.49 mg/l ohne Ausfallerscheinung | § 24a Abs. 1 StVG | OWi: Geldbusse + Fahrverbot 1-3 Monate |
| AAK ab 0.55 mg/l (BAK ab 1.1 Promille) OHNE Ausfall | § 316 StGB absolute Fahruntauglichkeit | Strafrecht: Geldstrafe + Fahrerlaubnis-Entzug |
| BAK ab 0.3 Promille MIT Ausfallerscheinung | § 316 StGB relative Fahruntauglichkeit | Strafrecht |
| BAK ab 1.6 Promille bei Wiederholung / Erstkontakt | § 316 StGB + MPU-Pflicht (§ 13 FeV) | Strafrecht, MPU-Pflicht |
| THC im Blutserum ab 3.5 ng/ml (seit 22.8.2024) | § 24a Abs. 1a StVG | OWi |
| Andere Drogen-Wirkstoffnachweis | § 24a Abs. 2 StVG | OWi |
Schritt-fuer-Schritt-Workflow
- Sachverhalt aufnehmen: AAK-Wert, BAK-Wert, Zeitpunkt der Atemtest/Blutentnahme, Fahrtende.
- Zuordnung OWi oder Strafrecht? — Trennlinie klar definieren.
- Blutentnahme-Rechmaessigkeit pruefen: Richteranordnung vorhanden? Gefahr im Verzug begruendet?
- Rueckrechnungspruefung: Nachweis BAK/AAK korrekt auf Fahrzeitpunkt zurueckgerechnet?
- Bei Drogen: Wirkstoff und Grenzwert pruefen; § 24a Abs. 3 StVG-Ausnahme pruefen.
- Fahrerlaubnis-Strategie: Fahrverbot § 25 StVG vs. Entziehung § 69 StGB — getrennt bearbeiten.
Harte Leitplanken
- BAK ab 1,6 Promille immer als Strafrecht behandeln — eigener Skill § 316 StGB.
- Blutentnahme-Rechtmaessigkeit aktiv pruefen — Verwertungsverbot argumentierbar.
- Rueckrechnung selbst kontrollieren; Fehler im Urteil sind Revisionsgruende.
- Anwaltliche Endkontrolle bei Abgrenzung OWi/Strafrecht.
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