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Aktenaufbereiter Strafrecht

Strafverteidiger erhaelt Strafakte nach § 147 StPO Akteneinsicht und will diese strukturiert aufbereiten. Wirtschaftsstrafverfahren BtM-Verfahren Vermögensdelikte komplexe Strafverfahren. Sechs Übersichten: Aktenvorblatt Personenverzeichnis Tatkomplex-Vorwurfsverzeichnis Beziehungsverzeichnis Chronologie Fristen-Terminverzeichnis. Normen § 147 StPO §§ 112 116 StPO Untersuchungshaft §§ 203 207 StPO Eroeffnungsbeschluss. Prüfraster Band-Blatt-Fundstellen Excel-fähige Tabellen Widersprueche zwischen Vernehmungen Neuzugang-Markierung OCR-Pflicht. Output strukturierte Akten-Übersichten alle Tabellen. Keine rechtliche Bewertung nur Aufbereitung.

ID: de.criminal.aktenaufbereiter-strafrecht Version: 0.1.0 License: Apache-2.0 Author: Klotzkette Language: de Added: 2026-06-01
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Aktenaufbereiter Strafrecht

Leitidee

Quod non est in actis non est in mundo. Wer die Akte nicht beherrscht beherrscht den Fall nicht. Strafakten umfassen hunderte bis zehntausende Seiten. Der Skill übernimmt die mechanische Erfassungs- und Strukturierungsarbeit — die manchmal wissenschaftliche Mitarbeiter oder Referendare leisten — und liefert Tabellen die in Excel weiterverwendbar sind.

Der Skill ersetzt NICHT die eigene Aktenlektüre. Er ist kein agentisches System das selbständig verteidigt. Er ist ein Werkzeug das die mechanische Vorarbeit beschleunigt und dabei Widersprüche und Lücken sichtbar macht die beim Durchblaettern leicht übersehen werden.

Inputs

  • Digitalisierte Aktenbestandteile (PDF mit OCR Word maschinenlesbar)
  • Optional: vorhandene Excel-Tabelle zur Fortschreibung
  • Optional: Anklageschrift gesondert (für Abgleich)
  • Optional: Vorlage-Excel mit Wunsch-Spalten

OCR-Pflicht

Gescannte Dokumente OHNE Texterkennung werden nicht verlaesslich verarbeitet. Der Skill weist darauf hin. Manche Systeme lesen auch ohne OCR aus Bildern — Ergebnisse sind aber deutlich fehleranfälliger und nicht empfehlenswert.

Sechs Übersichten

1. Aktenvorblatt und Inhaltsverzeichnis

Spalten: Nr — Blatt — Datum — Vorgang — Essentialia — Anmerkung Kanzlei — Anmerkung Mandant.

Blattangaben müssen mit der tatsächlichen Paginierung übereinstimmen. Bei fehlender Paginierung wird so gut wie möglich gearbeitet und die Lücke markiert. Unvollständige Paginierung ist besser als gar keine.

2. Personenverzeichnis

Spalten: Nr — Name (Nachname Vorname) — Adresse — Prozessrolle — Blatt der Erstnennung — Anmerkung Kanzlei — Anmerkung Mandant.

Prozessrollen: Beschuldigter Zeuge Geschaedigter Sachverständiger Polizeibeamter Richter Staatsanwalt Verteidiger Nebenkläger sonstiger Beteiligter.

Hintergrund: Auf Blatt 700 taucht eine Person auf und man weiss dass sie schon einmal vorgekommen sein muss aber findet sie nicht wieder. Genau wie in dicken alten Romanen — deshalb haben die Personenverzeichnisse. Und deshalb braucht man sie auch für Strafakten.

3. Tatkomplex- und Vorwurfsverzeichnis

Spalten: Tatkomplex (I II III ...) — Tatvorwurf und Norm — Tatzeitraum von bis — Betroffene Personen (Beschuldigte Geschaedigte) — Beweismittel (Urkunden Zeugen Sachverständigengutachten).

Zusatz: Thematischer Index — auf welchem Blatt welches Thema behandelt wird. Beispiel: Komplex Kontofaelschung Bl. 125-189 Band I und Bl. 45-72 Band III. Zeugenaussagen zum Untreue-Vorwurf Bl. 312 Bl. 455 Bl. 678-690.

4. Beziehungsverzeichnis

Spalten: Person 1 — Beziehung — Person 2 — Fundstelle (Band Blatt) — Bemerkungen.

Beziehungstypen: Verwandtschaft Geschäftspartner Kontakt per Chat Telefonat E-Mail Mitarbeiter Vorgesetzter. Auf Wunsch Netzwerkdiagramm als Graph — sonst bleibt es bei der Tabelle.

5. Chronologie

Spalten: Nr — Datum — Blatt — Beteiligte — Vorgang — Anmerkung Kanzlei — Anmerkung Mandant.

Lückenlos chronologisch geordnet. Zentrales Arbeitsinstrument für Hauptverhandlung Mandantengespräch und Verständigung mit der Staatsanwaltschaft.

6. Fristen- und Terminverzeichnis

Spalten: Art (HV-Termin Frist Adresse) — Datum oder Frist — Beschreibung — Fundstelle (Band Blatt).

Erfasst auch Adressen aller Verfahrensbeteiligten — Gericht Staatsanwaltschaft Mitverteidiger Nebenklagevertretung.

Methodik

  1. Aktenbestandteile inventarisieren — pro Datei Typ Umfang OCR-Status
  2. Blatt-für-Blatt-Extraktion mit Quellenverweis
  3. Querverweis zwischen den sechs Tabellen — Personen aus Personenverzeichnis müssen in Beziehung und Chronologie konsistent erscheinen
  4. Widerspruchsprüfung — abweichende Datums- oder Sachangaben in verschiedenen Vernehmungen werden BEIDE dokumentiert mit Fundstelle
  5. Lückenprüfung — in der Anklageschrift genannte Zeugen die in den Vernehmungsprotokollen fehlen werden markiert
  6. Ausgabe als Excel-fähige Tabellen

Anti-Halluzinations-Regel

  • Nur Informationen die in der Akte stehen
  • Keine eigenen Vermutungen oder Wertungen
  • Jede Information mit Band und Blattangabe wenn identifizierbar
  • Widersprüche BEIDE dokumentieren mit Fundstelle
  • Unsicherheiten kennzeichnen — Beispiel [Datum unklar] [Name nur teilweise lesbar]
  • KEINE rechtliche Bewertung der Vorwuerfe
  • KEINE Einschätzung der Erfolgsaussichten der Verteidigung

Output-Dateien

  • Aktenvorblatt_<Aktenzeichen>.xlsx
  • Personenverzeichnis_<Aktenzeichen>.xlsx
  • Tatkomplexe_<Aktenzeichen>.xlsx
  • Beziehungen_<Aktenzeichen>.xlsx
  • Chronologie_<Aktenzeichen>.xlsx
  • Fristen_<Aktenzeichen>.xlsx

Alternativ ein Sammel-Workbook Akte_<Aktenzeichen>.xlsx mit sechs Tabellenblättern.

Auf Wunsch zusätzlich Markdown-Version der Tabellen für offline Nutzung bei Gerichtsterminen ohne stabilen Internet-Zugang.

Fortlaufende Aktualisierung

Bei Nachlieferungen ergänzt der Skill die bestehende Tabelle. Neuzugänge werden in einer Spalte Status mit NEU markiert oder in einer separaten Spalte Eingang mit Datum versehen. Bisherige Einträge werden nicht überschrieben.

Beispielworkflow: "Hier ist meine bisherige Chronologie hier sind weitere 300 Blaetter Akten — bitte aufnehmen." Der Skill ergänzt und markiert.

Spezialisierungen

Wirtschaftsstrafverfahren

Zusatztabellen: Finanzstroeme Kontoverbindungen Transaktionschronologien Gesellschaftsverflechtungen.

BtM-Verfahren

Zusatztabellen: TKUe-Protokolle Observationsberichte Chatverläufe mit Datum Teilnehmern Inhalt-Zusammenfassung.

Beweismittelverzeichnis

Separate Tabelle: Beweismittel — Art — Fundstelle in Akte — Erhebungsgrundlage — Bewertung der Verwertbarkeit. Bewertung strikt sachlich keine prozesstaktische Empfehlung.

Anklageschrift-Abgleich

Gegenüberstellung: in der Anklageschrift behauptete Tatsache — Aktenbefund — Diskrepanz. Markiert wo die Anklage nicht durch die Akte gedeckt ist.

Vernehmungsübersicht

Tabelle aller Vernehmungen: Datum — vernehmender Beamter — vernommene Person — wesentliche Aussageinhalte — Widersprüche zu früheren Aussagen — Fundstelle.

Beispielformulierungen

  • "Erstelle alle sechs Übersichten zu dieser Strafakte. OCR ist gemacht."
  • "Hier ist meine bisherige Chronologie und 400 neue Blaetter. Bitte aufnehmen mit Markierung der Neuzugänge."
  • "Erzeuge zusätzlich das Wirtschaftsstraf-Set mit Finanzstroemen und Kontoverbindungen."
  • "Gleiche die Anklageschrift mit dem Aktenbefund ab und zeige Diskrepanzen."
  • "Vernehmungsübersicht mit Widersprüchen zwischen den einzelnen Aussagen des Zeugen Mueller."

Berufsrecht und Datenschutz

Strafakten enthalten hochsensible personenbezogene Daten. Nutzung nur mit KI-Systemen die DSGVO § 203 StGB und §§ 43a 43e BRAO vertraglich zusichern und tatsächlich gewährleisten. Verlage und Gerichtsentscheidungen — § 5 UrhG — genießen keinen urheberrechtlichen Schutz; rechtswissenschaftliche Literatur der Verlage hingegen schon — Lizenzsituation prüfen.

Pragmatismus

Der Skill ist ein Quick Win. Er ersetzt nicht die Welt — er beschleunigt das bisherige Verfahren. Wer Chronologien in Excel führt führt sie weiter — nur eben schneller und vollständiger. Wer im Mandantengespräch präzise auf Blatt 312 zugreifen können muss findet die Stelle in Sekunden statt in Minuten.

Werkzeug: werkzeuge/aktenuebersicht_template.xlsx

Vorlage für eine strukturierte Aktenübersicht mit drei Sheets:

  1. Beweismittel — Lfd-Nr., Datum, Aktenfundstelle (Band/Blatt), Vorgang, Beweismittel, Beweisthema, Antrag/Verzicht, Status, Bemerkung. Als Excel-Tabelle formatiert (AutoFilter, Banded Rows).
  2. Fristen — Akteneinsicht, Hauptverhandlung, Erinnerungen, Status.
  3. Lesehinweise — Konvention zur Pflege der Aktenübersicht.

Die Vorlage ersetzt nicht die Aktenführung im Kanzleisystem, sondern strukturiert die Verteidigerarbeit beim Lesen der Ermittlungsakte.

Rechtsprechung zur Aktenaufbereitung und Verwertungsverboten (Stand Mai 2026)

  • BVerfG 23.09.2025 — 2 BvR 625/25: Verwertbarkeit von Informationen aus der Überwachung einer ANOM-Kommunikation; Akten muessen die Auswertungs- und Authentifizierungskette nachvollziehbar machen. Offene Fundstelle: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=23.09.2025&Aktenzeichen=2+BvR+625/25
  • BGH (GSSt) 03.02.2025 — GSSt 1/24 (KCanG): Beim Cannabis-Komplex Mengenangaben und Auswertungs-Protokolle in der Akte gezielt auf sanktionsfreie Eigenkonsummengen pruefen; daraus folgen Beweisverwertungs- und Tatverdachtsfragen. Offene Fundstelle: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=GSSt+1/24
  • Beweisverwertungsverbote nach §§ 136a, 100a–100e, 105 StPO: ständige Maßstabsentscheidungen vor Verwendung in dejure.org / openjur.de live verifizieren.

Normen Aktenaufbereitung

  • § 147 Abs. 1 StPO — Akteneinsichtsrecht des Verteidigers (vollstaendig, alle Bestandteile)
  • § 32f StPO — elektronische Akten: digitale Bereitstellung; Verteidiger kann vollstaendige Kopie verlangen
  • § 136a StPO — verbotene Vernehmungsmethoden; absolutes Verwertungsverbot bei Verstoss
  • § 105 StPO — richterlicher Vorbehalt bei Durchsuchung; fehlende Anordnung fuehrt zum Verwertungsverbot
  • § 100a-100e StPO — TKU: Anordnungsvoraussetzungen, Katalogstraftaten, Verwendungsbeschrankung
  • § 108 StPO — Zufallsfunde; eingeschraenkte Verwertung

Quellenregel

Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.

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