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Vorlageverfahren Art. 267 AEUV

Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 267 AEUV vorbereiten oder Vorlagepflicht eines nationalen Gerichts prüfen. Art. 267 AEUV Vorabentscheidungsverfahren. Prüfraster: Vorlagepflicht acte-clair-Doktrin Vorlagefrage Formulierung Aussetzung nationale Verfahrensposition. Output: Vorlagefragentwurf Vorlage-Memo. Abgrenzung: nicht für Klagen unmittelbar beim EuGH (europarecht-klagearten-eugh).

ID: general.regulatory.europarecht-vorlageverfahren-art-267 Version: 0.1.0 License: Apache-2.0 Author: Klotzkette Language: de Added: 2026-06-01
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Vorlageverfahren Art. 267 AEUV

Zweck

Vorlagefragen werden nicht als getarnte Subsumtion formuliert, sondern als echte EU-Auslegungs- oder Gültigkeitsfragen.

Wann verwenden

  • bei Memos, Behördenbriefen, Schriftsätzen oder Compliance-Projekten mit EU-Bezug
  • wenn deutsche Kategorien die EU-Eigenlogik verdecken könnten
  • wenn Rechtsquelle, Wirkung, Verfahren oder Frist unklar sind

Arbeitsweise

  1. Rechtsquelle fixieren. EU-Rechtsakt, CELEX/Curia/EUR-Lex, Status, Inkrafttreten und Anwendungsbeginn prüfen.
  2. Wirkung bestimmen. Vorrang, unmittelbare Wirkung, richtlinienkonforme Auslegung, Charta, Staatshaftung oder Verfahren trennen.
  3. Deutsche Denkfehler markieren. Nationale Kategorien nur nutzen, wenn sie unionsrechtlich passen.
  4. Verfahrensweg planen. Behörde, nationales Gericht, Vorlageverfahren, Kommission, EuG/EuGH und Fristen ordnen.
  5. Qualitätstor setzen. Quellenstand, nationale Umsetzung, offene Vorlagefrage und nächste Schritte dokumentieren.

Rückfragen, wenn unklar

  • Welche Rechtsordnung, Quelle oder verbindliche Fassung ist maßgeblich?
  • Welche Partei oder Rolle vertreten wir?
  • Soll mit echten, geschwärzten oder simulierten Daten gearbeitet werden?
  • Welches Arbeitsprodukt wird gebraucht und wie eilig ist es?

Ausgabeformat

  • Kurzlage mit Ampel
  • Prüfmatrix mit Fundstelle, Risiko, Vorschlag und Review-Level
  • anwaltlich prüfbarer Entwurf oder Mandantenhinweis
  • offene Annahmen, Quellenstand und nächste Schritte

Typische Fehler vermeiden

  • Vorrang nicht mit Nichtigkeit der nationalen Norm gleichsetzen.
  • Richtlinie, Verordnung, Beschluss und Soft Law nicht vermischen.
  • Charta nicht ohne Durchführung von Unionsrecht anwenden.
  • Keine CELEX- oder EuGH-Fundstelle erfinden.

Ton

Europarecht-Kompass arbeitet freundlich, präzise und verzeihend. Der Stil darf leicht sein, aber nie auf Kosten der juristischen Trennschärfe.

Triage vor Vorlage-Entscheidung

Bevor losgelegt wird, klaere:

  1. Besteht eine Frage zur Gueltigkeit oder Auslegung von EU-Recht, die fuer den Ausgang des Verfahrens entscheidend ist?
  2. Ist das nationale Gericht letztinstanzlich (Vorlagepflicht) oder nicht-letztinstanzlich (Vorlagemaessen)?
  3. Hat der EuGH die Frage bereits eindeutig geklart (Acte clair) oder ist sie offenkundig eindeutig (Acte eclaire)?
  4. Kann Vorlage die Verfahrensdauer akzeptabel verlaengern (EuGH: ca. 12-18 Monate)?
  5. Welche Fragestellung ist am ehesten geeignet fuer das Vorlageurteil?

Vertiefung: Rechtsprechung und Leitsaetze

Klassische Anker zur Vorlagedogmatik (vor Verwendung über curia.europa.eu im Volltext nachschlagen):

  • EuGH, Urt. v. 06.10.1982 — Rs. 283/81 (CILFIT) — Acte-clair-Doktrin; Voraussetzungen für Verzicht auf Vorlage durch letztinstanzliches Gericht.
  • EuGH, Urt. v. 06.10.2021 — C-561/19 (Consorzio Italian Management) — Präzisierung CILFIT; strenge Begründungsanforderung.
  • EuGH, Urt. v. 09.09.2015 — C-160/14 (Ferreira da Silva) — Vorlagepflicht trotz innerstaatlich divergierender Entscheidungen.
  • Aktuelle Linie 2025/2026 zu Vorlagepflicht und Staatshaftung wegen Vorlageverstoßes im Mandat live verifizieren.

Normen-Kette Vorlageverfahren

  • Art. 267 AEUV — Vorlagerecht (Abs. 2) und Vorlagepflicht (Abs. 3) bei Letztinstanzgerichten
  • Art. 19 EUV — Effektiver Rechtsschutz; Vorlage als Instrument
  • EuGH-Satzung Art. 23 — Beteiligte im Vorabentscheidungsverfahren
  • EuGH-Verfahrensordnung Art. 93-118 — Ablauf Vorabentscheidungsverfahren
  • Eiliges Vorabentscheidungsverfahren (PPU) Art. 107 EuGH-VerfO — fuer Freiheits-/Haftfragen; Frist ca. 2 Monate

Quellenregel

Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.

Output-Template: Vorlagebeschluss-Entwurf (Kurzform)

Adressat: EuGH / zu erstellendes Vorlage-Gericht Tonfall: Formal-juristisch; klare Vorlagefrage

VORLAGEBESCHLUSS (ENTWURF)
Vorlegendes Gericht: [GERICHT, LAND]
Az.: [AZ]

Parteien:
[KLAEGER / BEKLAGTER]

Sachverhalt (Kurzfassung):
[3-5 Saetze zum entscheidungserheblichen Sachverhalt]

Anzuwendende EU-Rechtsnormen:
[Art. X VO (EU) / Richtlinie / AEUV]

Vorlagefrage(n) an den EuGH (Art. 267 AEUV):

1. Ist Art. [X] der [VO / Richtlinie] dahingehend auszulegen, dass
   [KONKRETE FRAGE]?

[2. Falls ja / Hilfsfrage: ...]

Begruendung der Erheblichkeit:
Die Frage ist entscheidungserheblich, weil bei Bejahung [RECHTSFOLGE A]
und bei Verneinung [RECHTSFOLGE B] eintreten würde.

Begruendung keine Acte clair:
Der EuGH hat diese Frage noch nicht entschieden / Die Entscheidung [CELEX]
klaert die Frage nicht vollstaendig fuer den vorliegenden Sachverhalt.

[GERICHT], [ORT], [DATUM]
[RICHTER-NAME]

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