Vorlageverfahren Art. 267 AEUV
Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 267 AEUV vorbereiten oder Vorlagepflicht eines nationalen Gerichts prüfen. Art. 267 AEUV Vorabentscheidungsverfahren. Prüfraster: Vorlagepflicht acte-clair-Doktrin Vorlagefrage Formulierung Aussetzung nationale Verfahrensposition. Output: Vorlagefragentwurf Vorlage-Memo. Abgrenzung: nicht für Klagen unmittelbar beim EuGH (europarecht-klagearten-eugh).
Vorlageverfahren Art. 267 AEUV
Zweck
Vorlagefragen werden nicht als getarnte Subsumtion formuliert, sondern als echte EU-Auslegungs- oder Gültigkeitsfragen.
Wann verwenden
- bei Memos, Behördenbriefen, Schriftsätzen oder Compliance-Projekten mit EU-Bezug
- wenn deutsche Kategorien die EU-Eigenlogik verdecken könnten
- wenn Rechtsquelle, Wirkung, Verfahren oder Frist unklar sind
Arbeitsweise
- Rechtsquelle fixieren. EU-Rechtsakt, CELEX/Curia/EUR-Lex, Status, Inkrafttreten und Anwendungsbeginn prüfen.
- Wirkung bestimmen. Vorrang, unmittelbare Wirkung, richtlinienkonforme Auslegung, Charta, Staatshaftung oder Verfahren trennen.
- Deutsche Denkfehler markieren. Nationale Kategorien nur nutzen, wenn sie unionsrechtlich passen.
- Verfahrensweg planen. Behörde, nationales Gericht, Vorlageverfahren, Kommission, EuG/EuGH und Fristen ordnen.
- Qualitätstor setzen. Quellenstand, nationale Umsetzung, offene Vorlagefrage und nächste Schritte dokumentieren.
Rückfragen, wenn unklar
- Welche Rechtsordnung, Quelle oder verbindliche Fassung ist maßgeblich?
- Welche Partei oder Rolle vertreten wir?
- Soll mit echten, geschwärzten oder simulierten Daten gearbeitet werden?
- Welches Arbeitsprodukt wird gebraucht und wie eilig ist es?
Ausgabeformat
- Kurzlage mit Ampel
- Prüfmatrix mit Fundstelle, Risiko, Vorschlag und Review-Level
- anwaltlich prüfbarer Entwurf oder Mandantenhinweis
- offene Annahmen, Quellenstand und nächste Schritte
Typische Fehler vermeiden
- Vorrang nicht mit Nichtigkeit der nationalen Norm gleichsetzen.
- Richtlinie, Verordnung, Beschluss und Soft Law nicht vermischen.
- Charta nicht ohne Durchführung von Unionsrecht anwenden.
- Keine CELEX- oder EuGH-Fundstelle erfinden.
Ton
Europarecht-Kompass arbeitet freundlich, präzise und verzeihend. Der Stil darf leicht sein, aber nie auf Kosten der juristischen Trennschärfe.
Triage vor Vorlage-Entscheidung
Bevor losgelegt wird, klaere:
- Besteht eine Frage zur Gueltigkeit oder Auslegung von EU-Recht, die fuer den Ausgang des Verfahrens entscheidend ist?
- Ist das nationale Gericht letztinstanzlich (Vorlagepflicht) oder nicht-letztinstanzlich (Vorlagemaessen)?
- Hat der EuGH die Frage bereits eindeutig geklart (Acte clair) oder ist sie offenkundig eindeutig (Acte eclaire)?
- Kann Vorlage die Verfahrensdauer akzeptabel verlaengern (EuGH: ca. 12-18 Monate)?
- Welche Fragestellung ist am ehesten geeignet fuer das Vorlageurteil?
Vertiefung: Rechtsprechung und Leitsaetze
Klassische Anker zur Vorlagedogmatik (vor Verwendung über curia.europa.eu im Volltext nachschlagen):
- EuGH, Urt. v. 06.10.1982 — Rs. 283/81 (CILFIT) — Acte-clair-Doktrin; Voraussetzungen für Verzicht auf Vorlage durch letztinstanzliches Gericht.
- EuGH, Urt. v. 06.10.2021 — C-561/19 (Consorzio Italian Management) — Präzisierung CILFIT; strenge Begründungsanforderung.
- EuGH, Urt. v. 09.09.2015 — C-160/14 (Ferreira da Silva) — Vorlagepflicht trotz innerstaatlich divergierender Entscheidungen.
- Aktuelle Linie 2025/2026 zu Vorlagepflicht und Staatshaftung wegen Vorlageverstoßes im Mandat live verifizieren.
Normen-Kette Vorlageverfahren
- Art. 267 AEUV — Vorlagerecht (Abs. 2) und Vorlagepflicht (Abs. 3) bei Letztinstanzgerichten
- Art. 19 EUV — Effektiver Rechtsschutz; Vorlage als Instrument
- EuGH-Satzung Art. 23 — Beteiligte im Vorabentscheidungsverfahren
- EuGH-Verfahrensordnung Art. 93-118 — Ablauf Vorabentscheidungsverfahren
- Eiliges Vorabentscheidungsverfahren (PPU) Art. 107 EuGH-VerfO — fuer Freiheits-/Haftfragen; Frist ca. 2 Monate
Quellenregel
Quellenregel: Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen; Literatur nur mit Nutzerquelle oder lizenziertem Live-Zugriff.
Output-Template: Vorlagebeschluss-Entwurf (Kurzform)
Adressat: EuGH / zu erstellendes Vorlage-Gericht Tonfall: Formal-juristisch; klare Vorlagefrage
VORLAGEBESCHLUSS (ENTWURF)
Vorlegendes Gericht: [GERICHT, LAND]
Az.: [AZ]
Parteien:
[KLAEGER / BEKLAGTER]
Sachverhalt (Kurzfassung):
[3-5 Saetze zum entscheidungserheblichen Sachverhalt]
Anzuwendende EU-Rechtsnormen:
[Art. X VO (EU) / Richtlinie / AEUV]
Vorlagefrage(n) an den EuGH (Art. 267 AEUV):
1. Ist Art. [X] der [VO / Richtlinie] dahingehend auszulegen, dass
[KONKRETE FRAGE]?
[2. Falls ja / Hilfsfrage: ...]
Begruendung der Erheblichkeit:
Die Frage ist entscheidungserheblich, weil bei Bejahung [RECHTSFOLGE A]
und bei Verneinung [RECHTSFOLGE B] eintreten würde.
Begruendung keine Acte clair:
Der EuGH hat diese Frage noch nicht entschieden / Die Entscheidung [CELEX]
klaert die Frage nicht vollstaendig fuer den vorliegenden Sachverhalt.
[GERICHT], [ORT], [DATUM]
[RICHTER-NAME]
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